Trickdiebstahl und Trickbetrug in der Wohnung

Sperriegel bedienen
Bild: Jürgen Fälchle/Fotolia.com

Schauspielerisch begabte Tricktäter benutzen immer wieder ähnliche Vorwände, wenn auch in ständig neuen Varianten, um sich Zugang zu fremden Wohnungen zu verschaffen und die Inhaber zu bestehlen.

Die häufigsten Methoden sind die:

Als Opfer sind fast ausschließlich ältere Menschen betroffen. Aber man kann sich wirkungsvoll dagegen schützen, indem man sich an folgende Regeln hält:

  • Keine Fremden in die Wohnung lassen!
  • Besucher vor dem Öffnen der Tür ansehen (Türspion, Blick aus dem Fenster)!
  • Türsprechanlage benutzen!
  • Tür immer nur mit vorgelegtem Sperrbügel öffnen!
  • Bei unbekannten Besuchern Nachbarn hinzuziehen oder Besucher zu späterem Termin bestellen, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist!
  • Gegen zudringliche Besucher sich notfalls auch energisch wehren (laute Ansprache, Hilferuf)!

Der Polizeiabschnitt 22 hat sich des Themas auf unkonventionelle Art und Weise angenommen:
Durch schaupielerische Darstellung der bekannten Begehungsweisen in Form einer Theatervorführung führt man speziell Senioren die Tricks der Täter anschaulich vor Augen und vermittelt gleichzeitig, wie man sich dagegen schützen kann.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite Präventionstheater des Abschnitts 22. Rat und Hilfe für ältere Menschen gibt es außerdem beim Ansprechpartner für Seniorensicherheit beim Landeskriminalamt.

Vorgetäuschte Notlage

Notlagen werden von Tatverdächtigen vorgetäuscht, die in die Wohnung gelangen und dort Straftaten begehen wollen, beispielsweise:

  • Zettel-Trick: Täter (sowohl Männer als auch Frauen) wollen für angeblich nicht angetroffenen Nachbarn eine Nachricht hinterlassen, fragen nach Schreibzeug und Papier, drängen auf eine Schreibgelegenheit in der Wohnung und/oder bitten das Opfer, eine Nachricht zu schreiben. In aller Regel handeln mindestens zwei Täter, von denen eine® ein Tuch hochhält und die Sicht zur Wohnungstür versperrt, damit weitere Mittäter unbemerkt die Wohnung betreten und Wertgegenstände stehlen können.
  • Glas-Wasser-Trick: Frauen täuschen Übelkeit, Schwangerschaft oder Arzneimitteleinnahme vor, fragen nach einem Glas Wasser und entwenden Wertgegenstände aus der Wohnung.
  • Teppich-Trick: Die Täter präsentieren einen Teppich und geben an, im Zolllager noch einen Container mit wertvollen Teppichen zu haben. Diesen müssten sie beim Zoll auslösen und bitten das Opfer, diesen Betrag auszulegen. Als Pfand hinterlassen sie den wertlosen Teppich und verschwinden.
  • Vertreter-Trick: Die Täter offerieren ein günstiges Angebot und veranlassen die Geschädigten zum Abschluss unnötiger (Zeitungs-)Abonnements bzw. anderer (Handy-)Verträge oder stehlen in einem günstigen Moment unbemerkt Wertgegenstände aus der Wohnung.
  • Andere vorgetäuschte Notlagen sind beispielsweise die Bitte um Telefonbenutzung wegen einer Autopanne, eines Unfalles oder einer Erkrankung, die Bitte um Bargeld für einen Schlüsseldienst, die Bitte um Toilettenbenutzung, der angeblich auf dem Balkon der Opfer gelandete Vogel.

Tipps:

  • Bei angeblicher Notlage anbieten, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte (Schreibzeug, Glas Wasser) hinaus zu reichen – dabei Tür gesperrt lassen. Sich fragen, warum sich der „Hilfesuchende“ nicht an eine Apotheke, ein Geschäft oder eine Gaststätte wendet.
  • Nichts für Nachbarn ohne deren Ankündigung oder Auftrag entgegen nehmen.

Vortäuschung von Hilfsbereitschaft

Taschenträger-Trick: Diesem weit verbreiteten Trick fallen überwiegend ältere Menschen zum Opfer, die nicht mehr gut tragen können. Der Täter bietet seine Hilfe beim Tragen der Einkaufstaschen an. Entweder stiehlt er die darin befindlichen Wertsachen noch auf dem Weg zur Wohnung oder er geht mit in die Wohnung und lenkt das Opfer ab, während ein Komplize unbemerkt Wertgegenstände stiehlt.

Vorgetäuschte Befugnis zum Betreten der Wohnung

Tatverdächtige täuschen eine amtliche Eigenschaft oder eine sonstige Befugnis vor. Sie geben sich oftmals als Handwerker (von den Elektrizitäts-, Gas-/ Wasserwerken oder von der Hausverwaltung) oder als Mitarbeiter der Polizei, Bank, des Sozialamtes, von Pflegediensten usw. aus.
Die angeblichen Handwerker suggerieren den Geschädigten, dass ein sofortiges Betreten der Wohnung zwecks Schadensabwendung erforderlich sei, bspw. wegen eines baufälligen Daches bzw. Schornsteines, eines Wasserschadens in der daruntergelegenen Wohnung. Nach dem Betreten der Wohnung bitten die Täter entweder um Vorkasse und verschwinden, oder sie fordern überhöhte Reparaturkosten, oder sie stehlen Wertgegenstände, während die Geschädigten abgelenkt sind.
Manche Geschädigte werden auch von angeblichen Polizei-/Kriminalbeamten bzw. von einem Bankmitarbeiter angerufen, der von einem angeblichen Einbruch, von Falschgeld bzw. einer Geldüberweisung ins Ausland spricht und das Erscheinen von Kollegen avisiert, die noch während des Telefonates bzw. unmittelbar danach beim Geschädigten erscheinen. Diese lassen sich das angebliche Falschgeld zwecks Überprüfung übergeben und verschwinden, oder sie lassen sich vom Opfer die versteckten Wertgegenstände zeigen, die sie dann unbemerkt entwenden.

Tipps:

  • Von Amtspersonen den Dienstausweis fordern und sorgfältig prüfen (Druck, Foto, Stempel).
  • Echte Polizisten fordern Sie niemals auf, ihnen Ihr Geld oder Ihre Wertgegenstände zu zeigen oder zu übergeben!
  • Im Zweifel vor Einlass bei der Behörde anrufen und nachfragen – Die Telefonnummer immer selbst heraussuchen und wählen.
  • Nur Handwerker einlassen, die sie selbst bestellt haben oder die von der Hausverwaltung angekündigt wurden. Im Zweifel immer erst dort nachfragen.

Vorgetäuschte persönliche Beziehung – „Enkeltrick“ und „Blenderware“

Beim so genannten “Enkeltrick“ rufen die Täter ältere Menschen an und geben sich als Verwandte – meist eben als Enkel – in einer finanziellen Notlage aus, die gerade ein Auto oder eine Wohnung günstig kaufen könnten oder schon gekauft hätten. Bei der Bitte, kurzfristig mit Bargeld auszuhelfen, geht es um mehrere tausend Euro. Der angebliche Verwandte ist bei einer Zusage stets verhindert, das Geld selbst abzuholen: Der Täter, ein Komplize oder eine Komplizin tritt dann als entsandte Vertrauensperson auf, die sich mit einem vereinbarten Kennwort identifiziert und das Geld entgegennimmt.

Schockanruf-Trick: Bei dieser Variante des „Enkeltricks“ erzählt der Anrufer (oft ein „Polizist“) von einem Unfall, der von einem Verwandten des Opfers verschuldet worden sei. Gegen Zahlung eines hohen Geldbetrages, die von „vertrauenswürdigen Mitarbeitern“ sofort abgeholt werde, könne von einer Sanktionierung des Verwandten abgesehen werden.
Auch betrügerische Anbieter so genannter „Blenderware“ (anscheinend wertvolle Lederbekleidung und -taschen, Bestecke, Uhren, Schmuckstücke und dergleichen, tatsächlich aber billige Imitate) täuschen oft eine persönliche Beziehung vor, indem sie ältere Menschen auf der Straße ansprechen und sich etwa als ehemalige Kollegen ausgeben. Ein Stück der Blenderware wird häufig als Geschenk, weitere Stücke aber „zum sehr günstigen Preis“ zum Kauf angeboten, weil der Anbieter angeblich in einer Notlage ist (Autoreparatur, drohende Zollzahlung, dringender Rückflug usw.). Selbst der „günstigste Preis“ ist weit überteuert!

Tipps:

  • Bei Anrufen angeblicher “Verwandter“ (“Enkel”) in finanzieller Notlage unter deren üblicher – nicht der vom Anrufen angegebenen – Telefon- oder Handynummer zurückrufen und versuchen, den Sachverhalt zu klären.
    • Bei so nicht zu klärendem Sachverhalt sofort die Polizei informieren und das weitere Vorgehen absprechen.
  • Fremden, die als Vertrauensperson angeblicher Verwandter kommen, niemals Bargeld aushändigen.
  • Von Fremden niemals aus Gefälligkeit angeblich teure Sachen (“Blenderware”) kaufen.
  • Anzeige auch erstatten, wenn man schon auf den “Enkeltrick” oder auf “Blenderware” hereingefallen ist.
  • Die wirksamste Maßnahme zur Verhinderung solcher Anbahnungen über das Telefon ist die Löschung Ihres Telefonbucheintrags. Menschen, die Sie persönlich kennen, kennen Ihre Nummer oder können sie direkt von Ihnen erhalten.