Trickdiebstahl und -betrug in der Wohnung

Sperriegel bedienen
Bild: Jürgen Fälchle/Fotolia.com

Schauspielerisch begabte Tricktäter benutzen immer wieder ähnliche Vorwände, wenn auch in ständig neuen Varianten, um sich Zugang zu fremden Wohnungen zu verschaffen und die Inhaber zu bestehlen.

Die häufigsten Methoden sind die:

Als Opfer sind fast ausschließlich ältere Menschen betroffen. Aber man kann sich wirkungsvoll dagegen schützen, indem man sich an folgende Regeln hält:

  • Keine Fremden in die Wohnung lassen.
  • Besucher vor dem Öffnen der Tür ansehen (Türspion, Blick aus dem Fenster), Türsprechanlage benutzen.
  • Tür immer nur mit vorgelegtem Sperrbügel öffnen.
  • Bei unbekannten Besuchern Nachbarn hinzuziehen oder Besucher zu späterem Termin bestellen, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.
  • Gegen zudringliche Besucher sich notfalls auch energisch wehren (laute Ansprache, Hilferuf).

Der Polizeiabschnitt 22 hat sich des Themas auf unkonventionelle Art und Weise angenommen: Durch schaupielerische Darstellung der bekannten Begehungsweisen in Form einer Theatervorführung führt man speziell Senioren die Tricks der Täter anschaulich vor Augen und vermittelt gleichzeitig, wie man sich dagegen schützen kann.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite Präventionstheater des Abschnitts 22. Rat und Hilfe für ältere Menschen gibt es außerdem beim Ansprechpartner für Seniorensicherheit beim Landeskriminalamt.

Vorgetäuschte Notlage

Notlagen werden überwiegend von Nichtdeutschen vorgetäuscht, die in die Wohnung gelangen und dort stehlen wollen, beispielsweise:

  • Glas-Wasser-Trick: Frauen täuschen Übelkeit, Schwangerschaft oder Arzneimitteleinnahme vor und fragen nach einem Glas Wasser.
  • Papier-und-Bleistift-Trick: Täter wollen für angeblich nicht angetroffenen Nachbarn Nachricht hinterlassen, fragen nach Schreibzeug und Papier, drängen auf Schreibgelegenheit in der Wohnung und bitten das Opfer, eine Nachricht zu schreiben
  • Blumen- oder Geschenkabgabe-Trick: Täter wollen für angeblich nicht angetroffenen Nachbarn Blumen oder Geschenk abgeben, drängen darauf, Blumen zu versorgen, ein Geschenk zu verwahren oder eine Nachricht zu schreiben.

Andere vorgetäuschte Notlagen sind beispielsweise die Bitte um Telefonbenutzung wegen Autopanne, Unfall oder Erkrankung, die Bitte um Toilettenbenutzung, die Bitte, ein Baby wickeln oder füttern zu dürfen.

Tipps:

  • Bei angeblicher Notlage von Fremden an der Tür (Schreibzeug, Glas Wasser) überlegen: Woher sollte der Nachbar die Besucher wirklich kennen? Warum wenden sich die Besucher in Not nicht an Apotheke, Gaststätte, Geschäft o.ä.?
  • Bei angeblicher Notlage anbieten, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte (Schreibzeug, Glas Wasser) hinaus zu reichen – dabei Tür gesperrt lassen.
  • Nichts für Nachbarn ohne deren Ankündigung oder Auftrag entgegen nehmen.

Vorgetäuschte amtliche Eigenschaft

Die Vortäuschung amtlicher Eigenschaft oder einer sonstigen Befugnis ist eher Arbeitsweise deutscher Täter. Sie kommen beispielsweise angeblich von den Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerken, von der Hausverwaltung, Kirche, Krankenkasse, Rentenversicherung, Polizei, Post, vom Sozialamt, usw.

Tipps:

  • Von Amtspersonen Dienstausweis fordern und sorgfältig prüfen (Druck, Foto, Stempel).
  • Im Zweifel vor Einlass bei der Behörde anrufen – Telefonnummer selbst heraussuchen.
  • Nur Handwerker einlassen, die sie selbst bestellt haben oder die von der Hausverwaltung angekündigt wurden.

Vorgetäuschte persönliche Beziehung – „Enkeltrick“ und „Blenderware“

Die Vortäuschung einer persönlichen Beziehung ist die Arbeitsweise von „Grußbestellschwindlern“, die angeblich Grüße von entfernten Verwandten, ehemaligen Kollegen oder Nachbarn bestellen, oder von „falschen Unglücksboten“, welche die Nachricht über die angebliche Notlage oder den Unfall eines Angehörigen überbringen.

Mit dem so genannten “Enkeltrick“ verbinden Täter beide Elemente, indem sie ältere Menschen anrufen und sich als Verwandte – meist eben als Enkel – in einer finanziellen Notlage ausgeben, die gerade ein Auto oder einen anderen teuren Wertgegenstand günstig kaufen könnten oder schon gekauft hätten.

Bei der Bitte, kurzfristig mit Bargeld auszuhelfen, geht es um mehrere hundert oder tausend Euro. Der angebliche Verwandte ist bei einer Zusage stets verhindert, das Geld selbst abzuholen: Der Täter, ein Komplize oder eine Komplizin treten dann als entsandte Vertrauensperson auf, die sich mit einem vereinbarten Kennwort identifiziert und das Geld entgegennimmt.

Auch betrügerische Anbieter so genannter „Blenderware“ (scheinbar wertvolle Lederbekleidung, Bestecke, Uhren, Schmuckstücke und dergleichen, tatsächlich billiger Plunder) – meist Nichtdeutsche – täuschen oft eine persönliche Beziehung vor, indem sie ältere Menschen auf der Straße ansprechen und sich etwa als ehemalige Kollegen ausgeben.

Ein Stück der Blenderware wird häufig als Geschenk, weitere Stücke aber „zum sehr günstigen Preis“ zum Kauf angeboten, weil der Anbieter angeblich in einer Notlage ist (Autoreparatur, drohende Zollzahlung usw.). Selbst der „günstigste Preis“ ist regelmäßig zehnfach überteuert!

Tipps:

  • Bei Anrufen angeblicher “Verwandter“ (“Enkel”) in finanzieller Notlage unter deren bekannter üblicher – nicht der vom Anrufen angegebenen – Telefon- oder Handynummer zurückrufen und den Sachverhalt zu klären versuchen.
  • Bei so nicht zu klärendem Sachverhalt sofort die Polizei informieren und weiteres Vorgehen absprechen.
  • Fremden, die als Vertrauensperson angeblicher Verwandter kommen, niemals Bargeld aushändigen.
  • Von Fremden niemals aus Gefälligkeit angeblich teure Sachen (“Blenderware”) kaufen.
  • Anzeige auch erstatten, wenn man schon auf den “Enkeltrick” oder auf “Blenderware” hereingefallen ist.