Anwohnerinformation zum neuen Ankunftszentrum KBoN-Gelände

22.11.2018 16:00

Ein Ankunftszentrum ist die zentrale Anlaufstelle für Asylsuchende in Berlin bis zum Abschluss ihrer Registrierung. Es ermöglicht eine sichere Ankunft durch medizinische Untersuchung, Versorgung und Betreuung der Geflüchteten, bis sie offiziell als Asylbewerber erfasst sind und damit Zugang zu allen regulären Leistungen haben. Im Ankunftszentrum sind die neu Ankommenden daher in der Regel nur kurzzeitig untergebracht – im Normalfall etwa drei bis acht Werktage – und werden dann auf eine der Berliner Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt. Dies sind Wohnheime mit Verpflegung für die erste Zeit in Deutschland.

Asylsuchende, die zwar in Berlin angekommen sind, im Zuge der Registrierung aber einem anderen Bundesland zugeteilt wurden (“EASY-Verteilung”), reisen direkt vom Ankunftszentrum aus dorthin.

Bis Jahresende 2018 hat der ehemalige Flughafen Tempelhof als Unterkunftsbereich des Berliner Ankunftszentrums gedient. Seitdem fungiert der Standort nur noch übergangsweise als Erstanlaufstelle für Neuankömmlinge und für die medizinische Erstuntersuchung.

Das künftige Ankunftszentrum wird laut Senatsbeschluss vom 30. Oktober 2018 auf einem freien Teilstück der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik (KBoN) in Reinickendorf errichtet. Dafür ist ein Neubau geplant, der voraussichtlich Ende 2019 fertig gestellt und Anfang 2020 in Betrieb gehen wird. Bis dahin dienen zwei ehemalige Klinikgebäude – die sogenannten “Sternhäuser” – an der Oranienburger Str. 285 als Zwischenlösung. Diese Gebäude wurden seit 2014 als reguläre Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete genutzt und stehen in Kürze als Kurzzeit-Unterkunft und Untersuchungsstelle für neu ankommende Geflüchtete zur Verfügung.

AKUZ_KBoN_Gesamtansicht
Bild: aim-Architekten

Es gibt 389 Plätze. Bei Notlagen in der Unterbringung von neu ankommenden Asylbegehrenden kann die Belegung kurzfristig für eine begrenzte Zeit bis auf 598 Plätze erhöht werden.

In den beiden Sternhäusern, die bis zur Fertigstellung des Neubaus als Zwischenlösung für das Ankunftszentrum dienen, können bis zu 600 Menschen untergebracht werden.

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Das Ankunftszentrum entsteht als Neubau in modularer Bauweise (MUF) im Charakter einer Gemeinschaftsunterkunft mit Vollverpflegung. Die Menschen werden grundsätzlich in Zweibett- oder Familienzimmern untergebracht. Für die Gestaltung des Alltags gibt es Gemeinschaftsräume, Spielflächen und eine Cafeteria, in der auch die Gemeinschaftsverpflegung ausgegeben wird.

Bis zur Fertigstellung des Neubaus werden zwei ehemalige Klinikgebäude (die sogenannten “Sternhäuser”) als Zwischenlösung genutzt.

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Im Ankunftszentrum erfolgt der erste Kontakt der neu angekommenen Aslysuchenden mit den Mitarbeitenden des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). Diese prüfen, ob die Voraussetzungen zur Aufnahme vorliegen. Vor der Aufnahme werden die neu Ankommenden medizinisch untersucht und bekommen ein Impfangebot. Dann werden sie bis zum Abschluss der Registrierung im Ankunftszentrum aufgenommen. In diesser Zeit werden sie von den Sozialarbeiter*innen und Sprachmittler*innen des Unterkunftsbetreibers betreut. Im Ankunftszentrum haben die Asylsuchenden auch Zugang zu einer unabhängigen Rechtsberatung, die von einem externen Träger (AWO) angeboten wird.

Alle Mitarbeitenden im Ankunftszentrum achten darauf, ob die neu ankommenden Menschen ein Kriterium der besonderen Schutzbedürftigkeit erfüllen. Dies sind zum Beispiel Menschen mit Behinderungen oder schweren chronischen Krankheiten, Traumatisierte, Schwangere, oder LSBTIQ*. Besonders Schutzbedürftige haben Anrecht auf besondere Unterstützungsleistungen und Unterbringung.

Neben den Wohngebäuden werden zwei kleinere Funktionsgebäude errichtet, in denen auch die Verwaltung des Betreibers, Büros der Mitarbeiter und die unabhängige Verfahrensberatung untergebracht werden (siehe Abb. 2).

Mehr Informationen zu Registrierungsphase finden Sie hier

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Nein. Die Geflüchteten halten sich dort nur für eine kurze Zeit bis zum Abschluss ihrer Registrierung auf (drei bis acht Arbeitstage). Danach werden sie in einer der Berliner Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht.

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Derzeit leben in den zwei ehemaligen Klinikgebäuden, die als Gemeinschaftsunterkunft dienen, noch rund 500 Personen. Diese werden in den kommenden Wochen in alternative Unterkünfte umziehen, sodass die beiden Gebäude dann vorübergehend als Ankunftszentrum zur Verfügung stehen. Die Kliniekgebäude haben insgesamt eine Kapazität von 600 Plätzen.

Ein Tempohome mit 256 Plätzen geht in Kürze auf dem Gelände in Betrieb. Die Nutzungsdauer beträgt drei Jahre.

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In Reinickendorf gibt es vier Unterkunfts-Standorte, darunter zwei MUF (Bernauer Str. und Senftenberger Ring), zwei Standorte mit Bestandsimmobilien (Eichborndamm, KBoN-Gelände) und ein Tempohome. Ingesamt liegt die Kapazität bei 1.650 Plätzen.

Damit hat der Bezirk Reinickendorf ähnlich wie Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg im Vergleich zu anderen Bezirken weniger Unterbringungskapazitäten. Mehr Informationen zur Verteilung der Flüchtlingsunterbringung auf die Bezirke und die aktuellen Unterbringungszahlen finden Sie hier

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Pläne zu einer möglichen Wohnungsbebauung oder anderen Standortentwicklung auf dem Areal bleiben von der Errichtung des Ankunftszentrums selbst unberührt (westlicher Teil des Geländes, siehe Abb. 1).

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Dies sind zwei unterschiedliche Arten von Einrichtungen:

  • Das Berliner Ankunftszentrum ist erste Anlaufstelle für Geflüchtete, die noch keinen Asylantrag gestellt haben. Hier werden Registrierung, Verwaltungsarbeiten, medizinische Erstuntersuchung und die weitere Verteilung auf Unterkünfte in Berlin vorgenommen. Der Aufenthalt dauert im Regelfall nur wenige Tage.
  • AnkERzentrum steht für „Zentrum für Ankunft, Entscheidung, Rückführung“. Dort sollen Geflüchtete mit ihren Familien so lange untergebracht werden, bis sie auf die Kommunen verteilt oder aber in ihr Herkunftsland abgeschoben werden. Damit dauert der Aufenthalt dort teilweise sehr lange und die Abschottung wirkt sich langfristig nachteilig auf die Integration aus. Der Berliner Senat lehnt Ankerzentren ab.
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AKUZ_KBoN_MUF_Gebäudeteile
Lageplan des künftigen Ankunftszentrums
Bild: BA Reinickendorf