Europa in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

Jugendliche gucken auf einen Globus
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Für die Themenbereichen Bildung, Jugend und Familie gibt es keine übergreifende Regelungskompetenz der Europäischen Union. Sie fallen unter das Subsidiaritätsprinzip, das heißt, sie liegen ganz in der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Eine europäische Zusammenarbeit basiert dementsprechend auf der „Offenen Methode der Koordinierung“, erfolgt formal also auf freiwilliger Basis. Dennoch gibt es politische Rahmen, die die Zusammenarbeit gestalten:
Die Rahmenbedingungen für die Europaarbeit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie werden einerseits (noch) durch die bildungspolitischen Ziele der „Europa 2020“-Strategie sowie andererseits durch den „Strategischen Rahmen für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung (ET 2020)“ und auch durch die „EU-Jugendstrategie“ gegeben.

Die Staaten der Europäischen Union haben im Jahr 2010 gemeinsam die europäische Wirtschafts- und Wachstumsstrategie Europa 2020 beschlossen. Demnach gehören zu den bildungspolitischen Zielen:

  • die Verringerung der Quote vorzeitiger Schulabgänger auf unter 10 Prozent,
  • die Steigerung des Anteils der 30- bis 34-Jährigen mit abgeschlossener Hochschulbildung auf mindestens 40 %t sowie
  • die Aufwendung von 3 % des Bruttoinlandsprodukts der EU für Forschung und Entwicklung.

Darüber hinaus entwickeln die Mitgliedstaaten zusammen mit der Europäischen Kommission Initiativen und Instrumente, um europaweite (Lern-)Mobilität, Transparenz von Qualifikationen sowie Kompetenzen und Beschäftigung zu fördern.
Hierzu zählen:

  • der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) und
  • der „Europass“ als europaweit standardisierter Nachweis erworbener Kompetenzen.

Viele dieser Initiativen sowie individuelle Lernaufenthalte im europäischen Ausland werden durch das Programm für die allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport „Erasmus+ (2014-2020) umgesetzt. In Berlin ist die Teilnahme der Schulen (alle Typen), Jugendeinrichtungen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung am Erasmus+-Programm hoch.

Bereich Bildung

Schwerpunkte der Europapolitik der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie im schulischen Bereich sind die europäische Zusammenarbeit im Rahmen von Erasmus+, die Ausfüllung der Städtepartnerschaften Berlins (vor allem mit Paris, Moskau und Warschau) auf dem Gebiet der Bildung, die Zusammenarbeit mit Polen im Grenzbereich (Oderpartnerschaft) und der Auf- und Ausbau der „Europabildung“ in der Berliner Schule bzw. über die EU-Jugendstrategie Stärkung der Europa- und Demokratiekompetenzen von Jugendlichen im außerschulischen Bereich.

An erster Stelle ist hierbei die „Staatliche Europa-Schule Berlin“ (SESB) als „Schule besonderer pädagogischer Prägung“ zu nennen. Sie ist durch die integrierte Erziehung und Bildung in kulturell heterogenen Lerngruppen bei durchgängig zweisprachigem Unterricht gekennzeichnet. Durch die umfassende Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten in der jeweiligen Partnersprache wird gleichzeitig ein Beitrag zur interkulturellen Erziehung und zur Förderung eines europäischen und internationalen Bewusstseins geschaffen. Die SESB ist als durchgängiger Bildungsgang konzipiert, der in Jahrgangsstufe 1 beginnt und grundsätzlich erst mit dem Erwerb schulischer Abschlüsse (Berufsbildungsreife, mittlerer Schulabschluss, Abitur) endet.

In der Zusammenarbeit mit Polen hat die Mitarbeit im Ausschuss für Bildungszusammenarbeit der Deutsch-Polnischen Regierungskommission für regionale und grenznahe Zusammenarbeit für die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Priorität. In diesem Kontext wird von allen beteiligten Partnern betont, dass die Möglichkeiten des Unterrichts in der Herkunftssprache Polnisch in vorbildlicher Weise im Land Berlin umgesetzt und vorgehalten werden. Der Senat unterstützt das Engagement von Schulen und das Interesse von Schülerinnen und Schülern und deren Eltern an der polnischen Sprache und der polnischen Kultur.

Im Bereich der Erwachsenenbildung liegt der Schwerpunkt im Austausch mit anderen europäischen Ländern mit Blick auf die Themen Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener, politische Bildung und Arbeit der Volkshochschulen. Als Instrumente dieses Austauschs setzt die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie die Teilnahme an europäischen Projekten, Fachgespräche unter Beteiligung europäischer Partner sowie Projektbesuche ein.

Bereich Jugend

Die Umsetzung der EU Jugendstrategie 2019-2027 ist die neue Richtschnur in der Europaarbeit im Jugendbereich der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. 2009 verständigte sich die Europäische Union darauf, sich stärker für die Verbesserung der Situation aller Jugendlichen zu engagieren. Jugendpolitik wird in diesem Kontext als Querschnittspolitik verstanden. Mit dieser europäischen Dimension werden Impulse in die praktische Kinder- und Jugendhilfe gegeben. Zu den zentralen Themenfeldern der EU-Jugendstrategie gehören folgende Ziele:

  1. Die EU mit der Jugend zusammenbringen
  2. Gleichheit aller Geschlechter
  3. Inklusive Gesellschaften
  4. Information und konstruktiver Dialog
  5. Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
  6. Jugend im ländlichen Raum voranbringen
  7. Gute Arbeit für alle
  8. Gutes Lernen
  9. Räume und Beteiligung für alle
  10. Ein nachhaltiges, grünes Europa
  11. Jugendorganisationen und europäische Jugendprogramme

Neben der sektorübergreifenden Zusammenarbeit auf allen Ebenen liegt der Fokus bei den Kernbereichen des Jugendsektors auf Beteiligung, Begegnung, Befähigung.

Als weiteres Themenfeld wurde die Sichtbarmachung und Anerkennung von nicht-formellen Bildungsprozessen in der Jugendarbeit definiert. Hierfür stehen verschiedene Transparenzinstrumente, darunter der Youthpass, zur Verfügung. Der Youthpass ist ein europaweites Anerkennungsinstrument, das persönliche, soziale und berufliche Kompetenzen beschreibt. Hierbei werden insbesondere Schlüsselkompetenzen des Lebenslangen Lernens dargestellt, die im Zuge einer Jugendmobilität in Erasmus+ erworben wurden.

Jugendbeteiligung und Partizipation stellen einen weiteren Schwerpunkt dar. Möglichkeiten zur Partizipation für Jugendliche an politischen Prozessen und zur Vernetzung wurden im Rahmen des Strukturierten Dialogs geboten. Der strukturierte Dialog wurde mit der Erneuerung der EU-Jugendstrategie (2019-2027) vom EU-Jugenddialog abgelöst. Dieser stärkt weiterhin die aktive Beteiligung Jugendlicher am demokratischen Leben in Form von Dialogen zwischen jungen Menschen und Entscheidungsträgern.

Rückblick auf das Jahr 2018 und das erste Halbjahr 2019

Bildung

  • Beteiligung am EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport Erasmus+
    In der ersten Antragsrunde 2019 haben die Berliner Schulen zahlreiche erfolgreiche, ein- und zweijährige Erasmus+-Anträge für Lehrerfortbildungen im europäischen Ausland (Leitaktion 1) gestellt. Auch die Resonanz von Schulen, eine europäische Partnerschaft zu beantragen (Leitaktion 2) war positiv.
  • Beteiligung am 66. Europäischen Wettbewerb
    Der 66. Europäische Wettbewerb fand unter dem Motto „YOUrope- es geht um Dich“ statt und griff dabei aktuelle Themen wie die Europawahl 2019 und den sog. „BREXIT“ auf. Über 1.000 Berliner Schülerinnen und Schüler reichten einen Wettbewerbsbeitrag ein. Dabei waren 102 von ihnen erfolgreich und werden mit einem Preis ausgezeichnet. Die Berliner Preisverleihung findet im Juni 2019 mit einer Begrüßung von Bildungsstaats-sekretärin Beate Stoffers statt.
  • Feierliche Übergabe der Europässe
    Am 15. Mai 2019 erhielten 300 Schülerinnen und Schülern von beruflichen Schulen im Berliner Rathaus in feierlicher Atmosphäre ihre Europässe. Jede und jeder von ihnen hat im vergangenen Jahr an einer Lern- und beruflichen Erfahrung im europäischen Ausland über das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport Erasmus+ teilgenommen. Koordiniert wurden diese Aufenthalte vom Arbeitsbereiche GoEurope der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.
  • Konferenz „Den internationalen Bildungsauftrag mit Berlins Städtepartnerschaften gestalten“
    Am 28.02.2019 luden die Berliner Senatskanzlei, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und Initiative Austausch macht Schule interessierte Lehrkräfte zu einer Konferenz ins Berliner Rathaus ein. Berlin unterhält zahlreiche Partnerschaften mit Städten auf der ganzen Welt. Gleichzeitig pflegen viele Berliner Schulen Bildungskooperationen mit Schulen im Ausland. Die Konferenz zielte darauf ab, diese Beziehungen stärker zu verknüpfen. Dabei stand die Frage, wie Schulen die Städtepartnerschaften Berlins für ihren Bildungsauftrag nutzen können im Fokus der Veranstaltung.
  • Informationsveranstaltung zu Erasmus+ 2018
    Zur Vorbereitung der Antragsrunde 2019 lud die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am 12. Dezember 2018 zu einer Informationsveranstaltung zu Erasmus+ und eTwinning im schulischen Bereich ein. Lehrkräfte aller Schularten erfuhren an diesem Tag, was bei der Antragstellung im EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport Erasmus+ zu beachten ist und wie eTwinning dafür genutzt werden kann.

Jugend

  • U 18 goes Europe
    Vom 23. bis 26. Mai 2019 wird das neunte Europäische Parlament gewählt. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können hier nicht mitbestimmen. U18 bietet jungen Menschen die Möglichkeit der Meinungsäußerung. Denn europäische Themen bestimmen jetzt und zukünftig die Lebenswirklichkeit von jungen Europäerinnen und Europäern entscheidend mit. In Berlin konnte eine rege Beteiligung der unter 18-jährigen und eine Vielzahl von Wahllokalen verzeichnet werden. Zu diesem Anlass besuchte Senatorin Sandra Scheeres am 17. Mai 2019 das U18-Wahllokal in der Landeszentrale für politische Bildung und tauschte sich dort mit jungen Menschen über ihre Vorstellungen zu einem friedlichen Europa aus.
  • Am 22. Februar 2019 fand die regionale Informationsveranstaltung zum Europäischen Solidaritätskorps (ESK) in Berlin im FEZ statt. JUGEND für Europa (Nationale Agentur für das ESK in Deutschland) stellte Ziele, Möglichkeiten und Angebote gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, dem Bezirk Treptow-Köpenick, dem FEZ-Berlin, der EuropaBeratung Berlin und dem Centre Français vor. Der ESK ist eine Initiative der Europäischen Union und schafft Möglichkeiten für junge Menschen, an Freiwilligenprojekten oder Beschäftigungsprojekten teilzunehmen, die Gemeinschaften und Menschen in ganz Europa zugutekommen.