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Newsletter des Landesdenkmalamtes Berlin - April 2020 (Ostern)

1. Aus aktuellem Anlass

Altes Stadthaus - Sitz des Landesdenkmalamtes
Altes Stadthaus
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes Berlin derzeit nur eingeschränkt erreichbar. Für sehr wichtige und eilige Anliegen an uns nutzen Sie bitte folgende E-Mail-Adresse: landesdenkmalamt@lda.berlin.de.

Alle Veranstaltungen wurden vorläufig bis zum 19. April 2020 abgesagt, auch die wöchentlichen Führungen über die Grabung am Molkenmarkt. Das Gartenforum Glienicke hat alle Veranstaltungen des 1. Halbjahres abgesagt. Der für den 3. April 2020 gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege geplante Denkmaltag wird auf 2021 verschoben.

Trotz der aktuellen Situation wünschen wir Ihnen frohe Ostern – bleiben Sie gesund und auch guter Dinge! Dieser Newsletter soll dazu beitragen, dass Ihnen diese schwierige Zeit vielleicht etwas leichter fällt.

2. Neu im Landesdenkmalamt Berlin

Sabine Ambrosius
Sabine Ambrosius studierte Kunstwissenschaft und Betriebswirtschaft an der TU Berlin sowie Spanische Philologie an der FU Berlin. Sie erstellte zunächst für die Restaurierungswerkstatt Böduel in Naumburg/Saale Raumbücher und Restaurierungskonzepte und war im Anschluss für das LDA Berlin an der Erfassung der Denkmalliste Prenzlauer Berg beteiligt. Ab 1994 arbeitete sie als praktische Denkmalpflegerin in der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam, wo sie zuletzt große Gebiete der Potsdamer Innenstadt und Teile des Denkmalbereichs Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft (UNESCO Welterbe) betreute. Über Jahre hinweg entwickelte sie den Tag des offenen Denkmals zu einem Höhepunkt im Potsdamer Kulturleben und begründete mit den örtlichen Vereinen das Netzwerk der Potsdamer Kulturerben. Sabine Ambrosius ist Mitglied von ICOMOS Deutschland und hat einen Lehrauftrag an der FU Berlin. Seit März 2020 ist sie Referentin für Welterbeangelegenheiten im Landesdenkmalamt Berlin

Joris Hube
Joris Hube studierte Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Architekturgeschichte sowie Philosophie in Osnabrück und beendete 2019 sein Masterstudium „Historische Bauforschung und Denkmalpflege“ an der TU Berlin. Während seines Studiums machte er Praktika am Denkmalschutzamt Hamburg und dem Brandenburgischen Amt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum. Seit dem 1. Februar 2020 ist Joris Hube neuer Volontär im Landesdenkmalamt mit dem Schwerpunkt Inventarisation.

3. Rettung des Wandbildes im ehem. Stern-Radio in Weißensee

Bildvergrößerung: Wandbild im ehem. VEB Stern-Radio, Fotomontage
Wandbild im ehem. VEB Stern-Radio, Fotomontage
Bild: Carsten Huettich

Vor der Zerstörung gerettet wurde jetzt eines der wenigen erhaltenen, großformatigen Wandbilder aus der DDR: das Wandbild „Arbeit und Erholung“ im Speise- und Kultursaal des ehem. VEB Stern-Radio in der Liebermannstraße 85 in Berlin-Weißensee.

1959 entwarfen es drei Studenten der Kunsthochschule Berlin-Weißensee – Ronald Paris, Rolf Schubert und Hans Vent – im Rahmen ihrer Diplomarbeit. Bei einer Fläche von etwa 80 qm (ca. 19 × 5 m) besteht es aus neun Bildszenen.

Das Wandbild ist ein wertvolles Zeugnis der Kunstauffassung der Nachkriegszeit und zeigt die Bildsprache des Sozialistischen Realismus in einem öffentlichen Produktionsgebäude. Es spiegelt das Alltagsleben der werktätigen Menschen wider, die beim Lernen und Spielen mit Kindern und Jugendlichen die neue, friedliche Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisieren.

Als der Abriss des Baus drohte, konnte das Landesdenkmalamt Berlin zum Jahreswechsel 2019/2020 kurzfristig Mittel bereitstellen, um das gut erhaltene Wandbild zu retten.

Nach ausführlichen Untersuchungen und mehreren Tests entschied man sich für das „Strappo-Verfahren“ zur Abnahme des Wandbildes – eine Technik, bei der die Malschicht vom Untergrund gelöst und auf einem neuen Bildträger gesichert wird. Zweifelslos ein risikoreicher Eingriff, der mit mehr oder weniger viel Substanzverlust verbunden ist. Doch da hier die vollständige Zerstörung drohte, blieb keine andere Möglichkeit. Glücklicherweise konnte die Abnahme des Wandbildes in zusammenhängenden neun Segmenten im Januar 2020 erfolgreich realisiert werden. Gegenwärtig werden die einzelnen Teilstücke auf einen neuen textilen Träger übertragen und im Depot der Kunsthochschule Weißensee zwischengelagert, bis möglicherweise ein neuer Ort für eine erneute Anbringung des Wandbildes gefunden wird.

4. Grundinstandsetzung der Hansabücherei erfolgreich abgeschlossen

Bildvergrößerung: Hansabücherei im Hansaviertel, Tiergarten
Hansabücherei
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Sybille Haseley

Nach dreijähriger Bauzeit konnte im November 2019 die denkmalgerechte Grundinstandsetzung der Hansabücherei im Hansaviertel abgeschlossen und die gut frequentierte Bibliothek wieder ihren Nutzern übergeben werden.

Die Hansabücherei, 1957 bis 1958 im Rahmen der Interbau nach Plänen von Werner Düttmann am südlichen Rand des Hansaplatzes errichtet, ist als offenes Haus konzipiert und gehört zu den ersten Freihandbüchereien Deutschlands. Durch ihre offene, transparente Architektur ist die Anlage schwellenlos mit der Umgebung verwoben. Dem ungeübten Nutzer sollte die Schwellenangst genommen und eine schwierige Literaturrecherche erspart werden.

Im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus 2015“ wurde der bemerkenswerte Bau der Nachkriegsmoderne seit 2017 als ein Teilprojekt des Projektes „Hansaviertel – Stadt von morgen“ von Grund auf instandgesetzt. Bei laufendem Betrieb konnte in drei Bauabschnitten die Sanierung der Dächer der Bibliothek und des Verbindungsgangs zum angrenzenden U-Bahnhof Hansaplatz, die denkmalgerechte Instandsetzung der Fenster, die barrierefreie Umplanung der Sanitäranlagen sowie die Trockenlegung des Kellerbereichs realisiert werden. Innenwände und Böden wurden renoviert und durch Verlegung der Serverräume in den Keller die ursprüngliche Raumaufteilung der Kinderbibliothek wiederhergestellt.
Dank zusätzlicher Fördergelder des Landes Berlin wurden erfreulicherweise auch die bauzeitlichen Möbel aufgearbeitet, die den besonders authentischen Eindruck der Bibliotheksräume prägen.
Im dritten Bauabschnitt wurde schließlich der im Innenhof gelegene, bei den Nutzern besonders beliebte Lesegarten mit seinem Wasserbecken instandgesetzt und erhielt eine Neubepflanzung. Es entstand eine zeitgemäße Lese- und Arbeitsoase, die nichts von ihrem Charme verloren hat.

Bitte beachten Sie, dass aufgrund der aktuellen Lage die Hansabücherei voraussichtlich bis zum 19. April geschlossen bleibt. Aktuelle Informationen finden Sie hier

5. Denkmalschutz für die Siedlung Luisenhof im Ortsteil Reinickendorf bestätigt

Justitia
Justitia
Bild: liveostockimages / Fotolia.com

Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Luisenhof in Reinickendorf hatten vor dem Verwaltungsgericht Berlin geklagt, um richterlich feststellen zu lassen, dass ihre Siedlung nicht mehr dem Denkmalschutz unterfalle. Durch die zahlreichen baulichen Veränderungen in der Vergangenheit sei von der Originalsubstanz der Siedlung nur noch wenig zu erkennen. Das Landesdenkmalamt Berlin hatte zuvor einen Antrag auf Entlassung aus dem Denkmalschutz abgelehnt und war nun vor Gericht Beklagter.

Mit Urteil vom 20.02.2020 hat das Berliner Verwaltungsgericht die Klage jetzt abgewiesen.

Das Gericht stellt fest, dass die Siedlung für sich genommen die Qualität einer denkmalgeschützten Gesamtanlage aufweist und es bestätigt die Beurteilung des LDA, wonach die Siedlung wesentlicher Bestandteil des denkmalgeschützten Ensembles „Ortskern Reinickendorf mit Dorfanger“ ist. Denn die Siedlung ist Zeugnis der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie der baukulturellen Strömungen nach dem ersten Weltkrieg und ist insoweit von geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung. Da die meisten wesentlichen Charakteristika ihrer Erbauung und ihrer städtebaulichen Struktur weitgehend unverändert erhalten sind, weist die Siedlung einen besonderen dokumentarischen Wert auf. Aus dieser hohen städtebaulichen Integrität der Siedlung folgt die Notwendigkeit des Denkmalschutzes. Und hinter diesem öffentlichen Erhaltungsinteresse müssen die individuellen Interessen der Kläger an der möglichst freien Verfügung über ihr Eigentum zurückstehen.

Die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks hat bereits 2016 einen Denkmalpflegeplan für die Siedlung Luisenhof in Auftrag gegeben, der als Zielstellung für den weiteren Umgang mit der baulichen Substanz der Siedlung und den Veränderungswünschen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner dienen soll. Mit dem vorliegenden Urteil, das den besonderen geschichtlichen und städtebaulichen Wert der Siedlung noch einmal anschaulich hervorhebt, hoffen der Bezirk und das Landesdenkmalamt nun auf größere Akzeptanz dieser denkmalpflegerischen Zielstellung.

6. Einladung: Die Internationale Bauausstellung (IBA) 1984/87

Bildvergrößerung: IBA '87, Wohnhof Am Tegeler Hafen 28/32
IBA `87, Wohnhof am Tegeler Hafen
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Anne Herdin

Die Internationale Bauausstellung (IBA) 1984/87 in Berlin (West) hat Architekturgeschichte geschrieben. Mit dem Anliegen, die Stadt zu reparieren, wurden Altstadtviertel behutsam erneuert und Neubauquartiere auf historischem Stadtgrundriss entworfen. Ein repräsentativer Querschnitt der damals entstandenen Bau- und Gartendenkmale steht inzwischen unter Denkmalschutz. Das Landesdenkmalamt Berlin möchte Ihnen diese jungen Denkmale vorstellen. Die IBA 1984/87 ging bewusst von der bestehenden Stadt aus und entwickelte sie weiter – kann diese Haltung für das wachsende Berlin 2020 ein Vorbild sein? Darüber diskutieren Denkmalpfleger, Stadtplaner und Verantwortliche aus der Politik.

Eine Veranstaltung des Landesdenkmalamts Berlin in der Reihe “Jung, aber Denkmal”. In Kooperation mit der Architektenkammer Berlin, der Berlinischen Galerie – Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur und moderneREGIONAL.

Termin: 25. Mai 2020, 20:00 Uhr in der Urania Berlin

Falls am 25. Mai noch keine Veranstaltungen stattfinden können, ist eine Internetübertragung geplant – achten Sie bitte auf Hinweise auf unserer Webseite

7. Start der Anmeldungen zum Tag des offenen Denkmals 2020 in Berlin

wichtige Hinweise
Bild: © JiSign - Fotolia.com

Wir können heute noch nicht sagen, ob der Tag des offenen Denkmals in Berlin am 12. und 13. September stattfinden kann. Aber wir sind optimistisch und bereiten alles dafür vor. Wer aktiv daran teilnehmen und eine Führung oder geöffnete Denkmal-Türen anbieten will, kann sich demnächst online beim Landesdenkmalamt anmelden – wir informieren auf unserer Webseite, wann es losgehen kann. Bezug zum aktuellen Berliner Schwerpunktthema “Denk_mal nachhaltig” ist erwünscht, aber nicht Bedingung für die Teilnahme.

Ausgeschlossen sind Angebote, bei denen kein Denkmal im Mittelpunkt steht oder bei denen kommerzielle Aspekte überwiegen. Der Tag des offenen Denkmals ist eine ehrenamtliche Veranstaltung – es dürfen keine Eintrittsgelder oder Führungshonorare verlangt werden.

Wer im gedruckten Programmheft erscheinen möchte, sollte sich bis zum 30. April angemeldet haben. Spätere Anmeldungen fließen auf jeden Fall in das Internetprogramm ein.

8. Denkmal-Spaziergänge

Fernsehturm, Museumsinsel, Tiergarten – diese Denkmale kennt sicherlich jede Berlinerin und jeder Berliner! Doch welche Denkmale umgeben uns in unserem eigenen Kiez? In der Hoffnung, dass wir uns an den Osterfeiertagen frei durch die Stadt bewegen können, haben wir eine kleine Auswahl an Denkmal-Spaziergängen in verschiedenen Berliner Bezirken für Sie zusammengetragen. Bitte beachten Sie unbedingt die dann gültigen Regelungen zur Bekämpfung der Pandemie, halten Sie den Mindestabstand ein und nutzen Sie zur Anreise lieber das Fahrrad als öffentliche Verkehrsmittel.

“Laufend” mehr Infos zu den Denkmalen bietet unsere mobile Denkmalkarte auf dem Smartphone.

Wilmersdorf und seine Wurzeln

Bildvergrößerung: Falkenstein’scher Milchhof Wilhelmsaue
Falkenstein’scher Milchhof
Bild: Micha Wolf

Berlin ist ein Dorf? Nein: viele Dörfer! In der Wilhelmsaue zwischen Bundesallee und Blissestraße in Wilmersdorf kann man noch immer die dörflichen Ursprünge des heutigen Innenstadtbezirkes nachvollziehen. Von der Bundesallee kommend fällt – nach dem Kopfsteinpflaster – zunächst das Schoeler-Schlösschen auf, das älteste Baudenkmal in Wilmersdorf von 1753. Leider steht es noch immer leer. Ein Blick in die dahinterliegende Wohnanlage am Schoelerpark lohnt sich. Ein paar Schritte weiter beginnt die Dorfaue, ein Grünzug, der sich bis zur Blissestraße hinzieht. Beherrschender Bau hier ist die Auenkirche (August A. M. Spitta, 1895-97), bekannt für die zahlreichen Konzerte, die hier regelmäßig stattfinden. Direkt gegenüber liegt der Falkenstein’sche Milchhof (um 1875), der erst kürzlich unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Den Friedrichshainer Südkiez erkunden

Bildvergrößerung: Helenenhof, Friedrichshain
Helenenhöfe
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Ein Spaziergang durch den Friedrichshainer Südkiez führt zunächst zu einem Denkmal aus der DDR-Zeit, die ehemalige Max-Kreuziger-Schule (1950-53). Heute kann man in der Schule wohnen, die Turnhalle ist ein Restaurant. Stilistisch orientiert sich der Komplex an der Stalinallee, die Keramik erinnert deutlich daran.
Wenige Schritte entfernt, gegenüber des Wühlischplatzes, schließen sich die Helenenhöfe an, zwischen 1904-06 errichtete Beamtenwohnungen. Die Besonderheit der Anlage ist die öffentlich zugängliche und liebevoll gepflegte Grünanlage, ein beschauliches Kleinod inmitten des turbulenten Bezirks.
Auf der Simplonstraße entdeckt der aufmerksame Spaziergänger die Offenbarungskirche, 1949-54 errichtet und heute die letzte erhaltene von ursprünglich drei Berliner Notkirchen Otto Bartnings.
Wer in die Seumestraße biegt, stößt schon bald auf die malerische Knorrpromenade (1911-13), das heute einzig erhaltene Beispiel für eine bürgerliche Wohnanlage in Friedrichshain. Ursprünglich ein Arbeiterquartier, wollte man mit diesen Wohnungen wohlhabende Mieter in das Viertel locken.
Vorbei an kleinen Läden, die in normalen Zeiten zum Bummeln einladen, führt die Krossener Straße zum bekannten Boxhagener Platz, einem Berliner Gartendenkmal, das im vergangenen Jahr saniert worden ist. Schon 1903 angelegt, bekam er 1929 seine heutige Gestalt vom damaligen Stadtgartendirektor Erwin Barth.

Auf den Spuren der Lilienthal-Brüder im Berliner Süden

Bildvergrößerung: Otto-Lilienthal-Gedenkstätte, Lichterfelde, Berlin
Otto-Lilienthal-Gedenkstätte
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube

Nicht nur der Flughafen Tegel erinnert mit seinem Namen an Otto Lilienthal – auch der Berliner Süden lädt zu einer spannenden Radtour auf den Spuren des Flugpioniers und seines Bruders ein.
Südlich des Teltowkanals, ganz in der Nähe des Campus‘ der Charité in Lichterfelde, beginnt die Tour am Lilienthal-Denkmal an der Bäkestraße Ecke Ostpreußendamm, 1914 von dem Bildhauer Peter Breuer geschaffen, das von einem Ikarus bekrönt wird.
Nördlich des Kanals kann man einige Villen des jüngeren Bruders von Otto Lilienthal entdecken. Gustav Lilienthal war Architekt und hat zahlreiche Villen in Lichterfelde geplant. Dort steht auch Gustav Lilienthals eigene Villa in der Marthastr. 5.
Letzte Station des Ausflugs ist der wiederum südlich des Teltowkanals liegende Fliegeberg im Lilienthal-Park. Hier ließ sich Otto Lilienthal 1894 einen Berg aufschütten, um seine Flugversuche durchzuführen. Dieser Berg wurde Anfang der 1930er Jahre von Fritz Freymüller zu einer beeindruckenden Park- und Gedenkanlage für Otto Lilienthal umgestaltet. Vor Ort bietet eine Info-Stele einen Einblick in das Leben und Wirken des Flugpioniers.

Spuren lesen und Berliner Geschichte entdecken

Bildvergrößerung: Radabweiser, Senefelder Platz
Radabweiser am Senefelder Platz
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Christina Czymay

Schauen Sie auch mal nach unten, es lohnt sich! Wer erst einmal die vielen besonderen Materialien und Gegenstände dort unten entdeckt hat, ist auf dem richtigen Weg.

Berliner Mietshäuser der Gründerzeit beispielsweise verraten schon auf den ersten Blick, ob es im Hof einmal Gewerbe gegeben hat. Radabweiser sind ein sicheres Zeichen dafür, dass hier einst Fahrzeuge durch einen Torweg in den Hof fuhren. Bei einer offenen Bebauung befinden sich breitere Durchfahrten seitlich der Gebäude. Erst mit der intensiveren Ausnutzung der Grundstücke in den anwachsenden Städten wurden Gewerbebauten in die hinteren Grundstücksteile verlegt und an der Straßenseite eine geschlossene Bebauung mit Mietshäusern errichtet, sodass Durchfahrten und Torwege für Wohn- und Gewerbemieter notwendig wurden. Die Seitenwände mussten nun vor Beschädigung geschützt werden. Radabweiser aus unterschiedlichem Material und Ausführung kamen zur Anwendung. Immer seltener sind heute eiserne Radabweiser zu finden.

Eine weitere Möglichkeit, Fahrzeuge in der Spur zu halten, sind Führungen im Boden. In den relativ schmalen Durchfahrten, ob im Haus oder zwischen Gebäuden, sind manchmal Eisenschienenführungen für die Fahrzeuge erhalten.

Die städtebauliche Entwicklung vollzog sich, von den Stadtkernen ausgehend, entlang vorhandener Handelsstraßen. Besonders Gewerbetreibende errichteten in den 1860er und 1870er Jahren zwei- und dreigeschossige Wohn-Mietshäuser auf einem Kellergeschoss. In den Erdgeschosszonen wurden Läden und Restaurants vorgesehen. Das Vorstadthaus in der Seegefelder Straße 140 in Spandau erhielt an der abgeschrägten Ecke ein Restaurant, an der Seite zur Schulzenstraße ein Ladengeschäft. Das Schaufenster und der Ladeneingang sind ebenso erhalten wie die Eisenstufen, die zu ihm hinaufführen.

9. Oster-Suche mal ganz anders: Wo versteckt sich der Osterhase?

Zaun mit Osterdekoration
Bild: Stefan Körber - Fotolia.com

Wir wissen es selbst nicht: Gibt es EI-gentlich Fassadendekors, Brunnen oder Skulpturen, die OSTERN thematisieren? Kennt jemand ein Relief, ein Wandbild oder Mosaik, das einen (Oster)hasen zeigt, oder Eier oder zumindest Osterglocken?

Wenn Sie etwas entdecken, schicken Sie uns doch bitte ein Foto mit einem Hinweis, wo Sie das Motiv gefunden haben (bitte E-Mail an das Landesdenkmalamt Berlin). Es muss kein (Bau)Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes sein, aber aktuelle Reklametafeln sind natürlich nicht gefragt!

Die ersten fünf Einsender bekommen eine kleine Überraschung per Post.

Wir sind gespannt!

10. Berlins Gartendenkmale neu entdecken - hätten Sie's gewusst?

Bildvergrößerung: Körnerpark Neukölln
Körnerpark
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Viele Berlinerinnen und Berliner nutzen derzeit die begrenzte Zeit an der frischen Luft, um Parks und Grünanlagen zu erkunden. Viele sind Gartendenkmale und bieten spannende Fakten.

Wussten Sie schon, dass …

… der Theodor-Wolff-Park in Kreuzberg (Franz-Klühs-Straße/Friedrichstraße) das „jüngste“ Gartendenkmal Berlins ist? Der Park war ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Berlin 1987 und wurde 1990 fertiggestellt.

… die Freiraumgestaltung des 1955 eröffneten Tierparks Berlin-Friedrichsfelde von der Gartenarchitektin Editha Bendig geleitet wurde? Zusammen mit ihrem Kollektiv plante und realisierte Bendig (1900-1983) fast drei Jahrzehnte lang die verschiedenen Parkbereiche.

… die TV-Serie „Kudamm 56“ u.a. am Ententeich vor dem U-Bahnhof Rathaus Schöneberg im Rudolph-Wilde-Park gedreht wurde?

… der Körnerpark in Neukölln zunächst eine Kiesgrube war, dann ein privater Garten und schließlich 1912-16 als öffentlicher Park gestaltet wurde?

11. Für Wortakrobaten

zusammengesetzte Buchstabenwürfel ergeben die Worte LIFE, FAMILY, CAREER, WORK und BALANCE
Bild: almagami/depositphotos.com

Wer vom Rätseln noch nicht genug hat, für den haben wir noch eine Anregung:

Bilden Sie aus dem Begriff „Vorrömische Eisenzeit“ so viele neue Wörter, wie Ihnen einfallen. Es können Substantive, Verben oder andere Wortformen sein.

Wir sind bis jetzt auf 33 Wörter gekommen – finden Sie mehr?

Das funktioniert natürlich auch mit vielen anderen langen Wörtern rund um die Denkmalpflege. Viel Spaß beim Knobeln!

12. Zeit zum Lesen - Buchtipps zum 100. Geburtstag Groß-Berlins

100 Jahre (Groß-)Berlin und seine Zentren

Buchcover: 100 Jahre (Groß)Berlin und seine Zentren
Bild: Verlag Wasmuth & Zohlen

Nach der Gründung von (Groß-)Berlin im Oktober 1920 veränderte sich das System der Zentren in Berlin grundlegend: Neben der historischen Mitte gewann der Neue Westen um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche an Bedeutung. Ein Erbe der Kaiserzeit waren viele mittlere, kleine und kleinste Zentren in der Innenstadt sowie an der Peripherie, etwa in Weißensee oder Frohnau.
Wo sollte das Hauptzentrum liegen, wie sollte es gestaltet werden? Sollte es überhaupt eines geben? 1920 fehlten Groß-Berlin Ressourcen und Kräfte, nach 1933 planten die Nazis ein monumentales neues Zentrum. Im Zuge der Spaltung Berlins wurden zwei rivalisierende Zentren entwickelt: um den Alexanderplatz und um den Breitscheidplatz. Mit dem Fall der Mauer stellte sich erneut die Frage: Wo und was ist das Berliner Zentrum?

Zohlen, Gerwin: 100 Jahre (Groß-)Berlin und seine Zentren, Berlin 2019.
Wasmuth & Zohlen
ISBN: 978-3-80300842-8, 24,90 €

NEU, GROSS, GRÜN - 100 Jahre Architekturmoderne im Berliner Südwesten. Groß-Berlin und die Folgen für Steglitz und Zehlendorf

Buchcover: NEU, GROSS, GRÜN
Bild: Gebr. Mann Verlag

Als Berlin zur Großstadt wurde: Vor genau 100 Jahren, im April 1920, beschloss die Preußische Landesversammlung die Gründung der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin. Dazu wurden acht Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke vereint – der Startschuss für die Entstehung der Metropole. Das Jubiläumsjahr begeht das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin mit einer Ausstellung. Sechs Schlüsselbegriffe stehen für die Dynamik der Großstadtwerdung: NEU, GROSS, GRÜN, GEMEINSCHAFT, BEWEGT und ARBEIT. Ihnen sind zwölf herausragende Bauten im Bezirk zugeordnet. Sie stellen Verbindungen her zwischen Stadtplanung und Architektur, dem neuen Groß-Stadt-Menschen und seiner Lebenswelt.

Bröcker, Nicola: NEU, GROSS, GRÜN – 100 Jahre Architekturmoderne im Berliner Südwesten. Groß-Berlin und die Folgen für Steglitz und Zehlendorf, Berlin 2020.
Gebr. Mann Verlag
ISBN: 78-3-7861-2844-1, 19,95 €

Metropole Berlin. Die Wiederentdeckung der Industriekultur

Buchcover: Metropole Berlin, Wiederentdeckung der Industriekultur
Bild: be.bra verlag

Berlin ist auch die Hauptstadt der Industriekultur! Die Gründung Groß-Berlins im Jahr 1920 reagierte unmittelbar auf die umwälzende industrielle Dynamik des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und hat die Metropole Berlin maßgeblich geprägt.
Dieses Buch spürt den sichtbaren und unsichtbaren Spuren der Berliner Industriekultur nach und erzählt von technologischen Innovationen, von Gründergeist und Pionieren. Zugleich stellt es die Frage, wie Berlin das Potenzial seiner Industriekultur zukünftig besser nutzen kann.

Hoppe, Joseph; Heike, Overmann: Metropole Berlin. Die Wiederentdeckung der Industriekultur, Berlin 2020.
be.bra verlag
Erhältlich im Buchhandel und im Museumsshop des Deutschen Technikmuseums. ISBN 978-3-89809-167-1, 24,00 €

13. Baukultur digital: Links gegen die Langeweile

Berlin(a)live

Auf dieser Plattform sammelt die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa aktuelle Live-Streams aus Berlin. Wer aus dem Atelier, Club, Konzerthaus oder Wohnzimmer streamt, kann hier seinen Event eintragen und so auf sich aufmerksam machen. Gleichzeitig können Sie hier lokale Kunst- und Kulturschaffende durch eine Spende unterstützen: Berlinalive

#closedbutopen

Die virtuelle Ausstellung des Architekturmuseums der TU Berlin lädt Sie 24/7 zum Stöbern ein. Die ursprünglich geplante Ausstellung über den Architekten Ostwald Mathias Ungers „Konstruktion des städtischen Ortes“ wird verschoben. Stattdessen zeigt das Museum eine Auswahl von Werken ihrer Sammlung, die anlässlich des 125-jährigen Jubiläums zusammengestellt wurde. Die 65 Werke sind nur der Anfang einer Reise durch den gesamten Sammlungskatalog, der über 145.000 Objekte beinhaltet.
Architekturmuseum

Der rbb macht Museum

Unser Welterbe exklusiv erleben! Die Museumsinsel ist zwar derzeit geschlossen, der rbb bietet jedoch einen Einblick in das menschenleere Alte Museum und seine jahrtausendealten Objekte. Der stellvertretende Leiter der Antikensammlung, Dr. Martin Maischberger, führt durch seine Sammlung:
Altes Museum

Wer lieber das Alte Ägypten oder Gemälde des 19. Jahrhundert erkunden will, der findet in der gleichen Mediathek auch Rundgänge durch das Neue Museum und die Alte Nationalgalerie.

Museumsportal Berlin

Weitere Digitale Museums-Tipps und Apps bietet auch die Plattform Museumsportal Berlin:
Museumsportal Berlin

Sehr anschauliche Inhalte bietet das „Lemo“ – Lebendiges Museum online – eine Webseite des Deutschen Historischen Museums, durch die Kinder im Home-Schooling unterstützt werden und bei der auch Erwachsene noch etwas dazulernen können:
Lebendiges Museum Online