RIAS-Funkhaus

RIAS Funkhaus
RIAS-Funkhaus
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Ehem. Bürogebäude des Bayerischen Stickstoffsyndikats

Hans-Rosenthal-Platz in Schöneberg-Tempelhof, Ortsteil Schöneberg
Bauzeit / -Geschichte: 1938-41 von Walter Borchard, 1964-74 Erweiterung von Hans-Joachim Schröder

Als sich die Vorstellungen der US-Militärregierung, an der Sendetätigkeit des von den Sowjets besetzten Hauses des Rundfunks in Charlottenburg teilzuhaben, nicht realisieren ließen, wurde am 21. November 1945 beschlossen, einen eigenen Sender aufzubauen. Im Post- und Fernmeldeamt in der Winterfeldtstraße in Schöneberg wurde ein Studio eingerichtet. Am 7. Februar 1946 gingen die Mitarbeiter mittels Drahtfunktechnik (Langwelle) auf Sendung. Der Sender wurde als DIAS (Drahtfunk im amerikanischen Sektor) bezeichnet.

Am 4. September 1946 wurde der DIAS in RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) umbenannt. Die Sendungen setzten sich aus Unterhaltungs- und Kammermusik, Literaturbeiträgen, Hörspielen, Nachrichten und leichter Unterhaltung in zunächst einem, in den 1960er Jahren in zwei Programmen zusammen. Der RIAS unterstand nicht dem deutschen, sondern dem US-amerikanischen Rundfunkrecht. Finanziert von der BRD, wurde der Sender von der US Information Agency betrieben.

Oberstes Anliegen des RIAS war es, für die innere und äußere Freiheit Berlins einzutreten. Die Redakteure meldeten sich mit: “Hier ist RIAS Berlin – eine freie Stimme der freien Welt!” Nach der Berlin-Blockade wurde der Sender zu einer bedeutenden Berliner Einrichtung in West und Ost. Der RIAS wollte vor allem die sowjetische Besatzungszone erreichen und zu Pressefreiheit und künstlerischer Freiheit beitragen.

Ab dem 30. Juni 1948 sendete der RIAS aus dem einstigen Sitz des zum Konzern der IG Farben gehörenden Bayerischen Stickstoffsyndikats. Da der Konzern nach dem Krieg zerschlagen worden war, konnte der dem Syndikat als Verwaltung dienende Bau requiriert werden. Er wies nur geringe Kriegsbeschädigungen auf. Das Gebäude repräsentiert den typischen Verwaltungsbau der nationalsozialistischen Ära. Er wurde 1938-41 nach Plänen Walter Borchards als fünfgeschossiger Eisenbetonbau mit einer massiv gemauerten Fassade auf einem viertelkreisförmigen Grundriss errichtet. Quadratische, mit Natursteingewänden gerahmte Fenster gliedern die ersten vier Etagen, während sie im fünften Geschoss hochrechteckig sind.

Die großen Ausmaße der Räume von 5,5 Metern Tiefe und die Flexibilität des Grundrisses eigneten sich bestens für die Umnutzung als Funkhaus. Im ersten, zweiten und fünften Geschoss wurden die Redaktionen und die Verwaltung untergebracht. Im dritten und vierten Geschoss befanden sich Studios, Tonträger und Schaltraum. Am 20. Juli 1949 löste ein 100 kW-Sender den 20 kW-Sender ab, so dass täglich 22 Stunden gesendet werden konnte. Die Sendestation des RIAS befand sich in Britz. 1980 wurde sie zu einer Großsendeanlage mit zwei Mittelwellensendern, zwei Ultrakurzwellensendern und einem Kurzwellensender ausgebaut.

1964-74 wurde das Funkhaus durch einen auf Pläne Hans-Joachim Schröders zurückgehenden Anbau erweitert. Dieser Anbau besitzt ein viergeschossiges, in Stahlbetonbauweise errichtetes Musikstudio (Haus-im-Haus-Konstruktion), das damit schalltechnisch vollständig abgeschottet war. 1984 existierten im RIAS Funkhaus insgesamt elf Studios: zwei für Sendungen, fünf für Wortproduktionen, zwei für Musikaufnahmen und zwei für Hörspielaufnahmen.

Am 31. Dezember 1993 endete das Programm. Der RIAS fusionierte mit dem Deutschlandsender Kultur (ehemals Stimme der DDR) und dem Kölner Deutschlandfunk zu den beiden nationalen Sendern Deutschlandfunk und Deutschlandradio. 1994 erfolgte die Auflösung des Deutschlandfunks als eigenständige Sendeanstalt und die Überführung in die Sendeanstalt Deutschlandradio, die seitdem ihr Programm im ehemaligen RIAS-Funkhaus produziert.