Hauptquartier der British Army

Haus des Deutschen Sports
Haus des Deutschen Sports
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Ehem. Deutsches Sportforum (Olympiastadion)

Olympischer Platz 1-5, Passenheimer Straße 24, 30, Rominter Allee 1-5 in Charlottenburg-Wilmersdorf, Ortsteil Westend
Bauzeit / -Geschichte: 1926-36 von Werner March, Johannes Seiffert und Ernst Heinrich Schütte

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Haus des Deutschen Sports
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

1952 verlegte die Britische Militärregierung ihr Hauptquartier (British Army Headquarter) vom Fehrbelliner Platz in das Deutsche Sportforum. Der Abbau von Dienststellen und Personal und eine weniger exponierte Lage waren für den Umzug in ein kleineres und besser zu überwachendes Gelände auschlaggebend.

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Haus des Deutschen Sports, Lichthof
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Reuss

Das Deutsche Sportforum ist Teil des Geländes des ehemaligen Reichssportfeldes, das 1936 für die Olympischen Spiele nach den Plänen Werner Marchs errichtet worden war und Hitlers Vorstellung entsprechend wirtschaftliche Prosperität, Modernität und Weltoffenheit des Dritten Reiches vorspielen sollte. Einige der Gebäude des Sportforums waren bereits 1926-29 nach den Plänen Johannes Seifferts und Otto und Werner Marchs für die Deutsche Hochschule für Leibesübungen begonnen worden. Mit dem Bau des Stadions wurden sie 1935-36 baulich ergänzt und sukzessive in das Reichssportfeld integriert. Obwohl im Gegensatz zum Stadion die Gebäude des Sportforums sichtbares Ziegelmauerwerk aufweisen, bewirken die durchgängig verwendeten Werksteine und Muschelkalkplatten ein einheitliches Erscheinungsbild.

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Haus des Deutschen Sports, Kuppelhalle
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Sämtliche zum Deutschen Sportforum zählenden Gebäude wurden von der Britischen Militärregierung genutzt. Das Zentrum bildete das 1935-36 errichtete Haus des Deutschen Sports, das 1936-45 als Sitz der Sportführung des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (ab 1938 Nationalsozialistischer Reichsbund) diente. Es besteht aus der zentralen 17 Meter hohen Kuppelhalle, an die sich nördlich und südlich zwei Gebäudeteile mit Innenhöfen anfügen. Vor dem Eingang liegt der mit Reichsadlern geschmückte Platz. An das Haus des Deutschen Sports schließen die bereits in den 1920er Jahren begonnene und 1934-36 von Werner March fertiggestellte Schwimmhalle im Norden und die Turnhalle im Süden an. Zwischen beiden Hallen liegt das Sommerschwimmbecken (1928), nördlich davon das Ärztehaus (1934-36). An das Haus des Deutschen Sports grenzt östlich das Friesenhaus, das der Unterkunft der Sportstudenten diente. Es war 1928 nach den Plänen Ernst Heinrich Schüttes in seinen Grundzügen errichtet worden, wurde später von March aber verändert und durch den Uhrenturm ergänzt. Westlich des Hauses des Deutschen Sports liegen, durch mehrere Sportplätze getrennt, das zweigeschossige Annaheim (1927-28) und die Dienstvilla des Reichssportführers (1937-38).

Im Sommer 1945 beschlagnahmten die britischen Streitkräfte das von der Roten Armee besetzte Reichssportfeld. Am 22. Juni 1949 gaben sie das Stadion, das Schwimmstadion, die Freilichtbühne, das Reitergelände und den Hockeyplatz mit Ausnahme des Maifeldes und einiger Sportplätze wieder zur allgemeinen Nutzung frei. Das Deutsche Sportzentrum verblieb weiterhin in britischer Hand.

Um das im Krieg stark beschädigte Sportforum nutzen zu können, mussten die Bauschäden beseitigt und die Gebäude den Bedürfnissen der Schutzmacht entsprechend umgebaut werden. Das Haus des Deutschen Sports erhielt den Namen “London Block”. Seine 180 Räume wurden für Bürozwecke hergerichtet. Die 17 Meter hohe Kuppelhalle wurde bis 1956 instandgesetzt, um darin Feierlichkeiten und Theater- und Kinovorführungen durchzuführen. Die Schwimmhalle behielt ihre ursprüngliche Funktion. Die Turnhalle wurde in ein Feuerwehrhaus umgewandelt.

Das im Krieg ebenfalls zerstörte Friesenhaus, von den Briten als “Oxfordshire Block” bezeichnet, wurde bis 1956 mit großen Veränderungen im Inneren wiederhergestellt. Ein zweites Geschoss war hinzugefügt worden. Im Turnhallengebäude wurde eine KFZ-Werkstatt (Cambridge House) eingerichtet und im Hof wurden zwei Garagen erbaut (Antrim Block und Brixnois Garagen). Im Studentenflügel war ein Kasino untergebracht.

Das hinter der Turnhalle des Friesenhauses gelegene Ärztehaus wurde als Kasino genutzt. Das Annaheim wurde vom weiblichen Verwaltungspersonal des Hauptquartiers bezogen. Die ehemalige Villa des Reichssportführers diente dem britischen Stadtkommandanten als Dienstvilla. Nach seinem Umzug in die Villa Lemm wurde sie in eine Offiziersmesse umgewandelt.

Der Bunker, der sich in unmittelbarer Nähe der Dienstvilla befand, wurde wie alle anderen militärischen Einrichtungen des Reichssportfeldes 1947 von den Briten gesprengt. Auch der Glockenturm musste am 15.2.1947 wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Die Olympiaglocke wurde vergraben.

1990 wurde das Haus des Deutschen Sports von den britischen Streitkräften zurückgegeben und ist seitdem Sitz des Berliner Sportmuseums.