Hauptquartier am Fehrbelliner Platz

Lancaster House, Fehrbelliner Platz 4
Lancaster House, Fehrbelliner Platz 4
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Cumberland House, Lancaster House und York House (ehem. Haus der Rudolph Karstadt AG und ehem. Deutsche Arbeitsfront)

Fehrbelliner Platz 1 / Hohenzollerndamm 30/31 / Württembergische Straße 5, Fehrbelliner Platz 4 / Brienner Straße 16 / Mansfelder Straße 8, Westfälische Straße 1-5 / Brandenburgische Straße 59 in Charlottenburg-Wilmersdorf, Ortsteil Wilmersdorf
Bauzeit / -Geschichte: 1935-36 von Philipp Schaefer, 1941-43 von A. Remmelmann, 1936-38 von Herbert Richter

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Lancaster House, Fehrbelliner Platz 4
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Mit der Eingemeindung Wilmersdorfs zu Groß-Berlin 1920 wurden Überlegungen laut, den damals kaum bebauten Fehrbelliner Platz als zukünftiges innerstädtisches Zentrum der Privatwirtschaft auszubauen. Die Grundstückspreise waren im Vergleich zu denen in der Mitte Berlins niedrig. Seit 1913 war der Platz außerdem an das Berliner U-Bahn-Netz angeschlossen.

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Lancaster House, Fehrbelliner Platz 4
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Den 1934 von der Rudolph Karstadt AG ausgeschriebenen Architekturwettbewerb zur Bebauung des Platzes entschied Otto Firle mit der Projektierung eines hufeisenförmigen Platzes für sich. Nördlich sollte er sich zum Preußenpark öffnen, um das südliche Halbrund sollten sich große Verwaltungsgebäude gruppieren. Als erste Gebäude wurden 1935-36 die Verwaltungsgebäude der Nordstern Lebensversicherung (Fehrbelliner Platz 2) und der Rudolph Karstadt AG (Fehrbelliner Platz 1) errichtet. 1937 wurde die Reichsstelle für Getreide (Fehrbelliner Platz 3) fertiggestellt.

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Cumberland House, Fehrbelliner Platz 1
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Platz zu einem Zentrum der Gewaltherrschaft. 1941-43 war der Bau des Hauses der Deutschen Arbeitsfront (Fehrbelliner Platz 4), in das auch das Oberkommando des Heeres einzog, fertiggestellt worden. Das Karstadtgebäude wurde 1943 von der SS beschlagnahmt. Die Freiflächen dienten fortan den Gefolgschaftsmitgliedern der in den Gebäuden beschäftigten Angestellten als Aufmarschplatz. Im Preußenpark wurde ein SS-Denkmal errichtet.

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Cumberland House, Fehrbelliner Platz 1
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Die Bombardierungen der Alliierten überstanden die Bauten am Fehrbelliner Platz teilzerstört. Die Dächer waren zerstört, die Betondecken der einzelnen Geschosse hatten jedoch ein Ausbrennen verhindert. Nach der Befreiung Berlins wurden das Karstadtgebäude und das Haus der Deutschen Arbeitsfront von den britischen Alliierten beschlagnahmt, instandgesetzt und zum Hauptquartier ihrer Streitkräfte umfunktioniert. Der Aufmarschplatz wurde in einen Parkplatz umgewandelt. Der Platz war partiell für Deutsche gesperrt.

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Cumberland House, Fehrbelliner Platz 1
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Das Gebäude der Deutschen Arbeitsfront (Fehrbelliner Platz 4), das nach Kriegsende kurzzeitig von der AEG angemietet worden war, wurde zum Sitz der Militärregierung und des Stabs der Berlin-Brigade umfunktioniert und als “Lancaster House” bezeichnet. Es besteht aus einem zum Platz hin geschwungenen Kopfbau, von dem trapezartig zwei Seitenflügel ausgehen. Den ersten Innenhof bildet ein mit 58 toskanischen Säulen umstelltes Rondell. Der zweite Innenhof ist rechteckig. Die schlicht gehaltenen Fassaden sind verputzt, lediglich das Erdgeschoss ist bossiert.

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Cumberland House, Fehrbelliner Platz 1
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

In dem als “Cumberland House” bezeichneten Karstadtgebäude (Fehrbelliner Platz 1) wurden weitere Dienststellen angesiedelt. Es handelt sich um einen Stahlskelettbau auf rautenförmigem Grundriss mit einem Mittelflügel und zwei Innenhöfen. Die repräsentative Außenfassade ist mit Muschelkalk- und Tuffsteinplatten, die Hoffassade mit Klinkern verkleidet. Im Inneren beherbergt es über fünfhundert Räume, sieben Aufgänge und neun Personen- bzw. Lastenaufzüge.

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York House, Westfälische Straße 1-5
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

In der Nähe des Fehrbelliner Platzes (Westfälische Straße 1-5) wurde auch das 1936-38 nach Plänen Herbert Richters erbaute NS-Verwaltungsgebäude, in dem sich der Deutsche Arbeitsfront-Versicherungsring befand, von den Briten requiriert. In dem fortan als “York House” bezeichneten Bau waren Büros der Militärregierung untergebracht.

Als die britische Militärregierung am Ende der 1940er Jahren ihre Dienststellen verkleinerte und nach einem neuen, weniger zentralen Hauptquartier Ausschau hielt, konkretisierten sich die Überlegungen zur Rückgabe der von ihnen besetzten Gebäude. Am 9. Februar 1949 wurde das “York House” dem Berliner Kammergericht überantwortet. Am 12. Februar 1951 wurde das “Cumberland House” dem Senat übergeben, 1953 folgte auch das “Lancaster House”.

1950 zog das britische Hauptquartier in die Gebäude des Deutschen Sportforums auf das Gelände des Olympiastadions um. Nach dem Abzug der Briten wurden die Gebäude zunehmend zum Zentrum der Berliner Senatsverwaltung. Die Senatsbauverwaltung bezog das Karstadtgebäude. Am Fehrbelliner Platz 4 war von 1954 bis 2013 das Rathaus Wilmersdorf beheimatet.