Alliierter Kontrollrat

Kammergericht Schöneberg
Ehem. Alliierter Kontrollrat
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Allied Control Council – Alliierter Kontrollrat (ehem. Kammergericht Berlin)

Elßholzstraße 30-33 in Schöneberg-Tempelhof, Ortsteil Schöneberg
Bauzeit / -Geschichte: 1911-13 von Paul Thoemer, Rudolf Mönnich und Carl Vohl

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Kammergericht Schöneberg
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Im Londoner Protokoll vereinbarten die Siegermächte, Deutschland nach Ende des Krieges in vier Zonen aufzuteilen und als deren gemeinsames oberstes Regierungsorgan den Alliierten Kontrollrat einzurichten. Er setzte sich aus den anfangs drei, später vier sich alle 10 Tage treffenden Oberbefehlshabern an der Spitze und einer weitverzweigten Verwaltungsbehörde (Direktoren, Ausschüsse, Unterausschüsse und Arbeitsgruppen) zusammen. Der Alliierte Kontrollrat trat erstmals am 10. August 1945 im Gebäude des Preußischen Kammergerichts am Kleistpark zusammen.

Das Kammergericht war 1911-1913 vom Ministerium für Öffentliche Arbeiten unter Leitung des Oberbaurats Paul Thoemer, unter Mitwirkung von Rudolf Mönnich und nach Plänen Carl Vohls errichtet worden. Das alte Gerichtsgebäude Berlins, das so genannte Kollegienhaus in der Lindenstraße, genügte den Raumbedürfnissen der anwachsenden Behörde nicht mehr. Seit 1904 existierten Überlegungen zu einem Neubau und dafür war ein westlich des 1909-1911 von Stadtgartendirektor Albert Brodersen angelegten Kleistparks gelegener Bauplatz ausgewählt worden. Eine monumentale Architektur mit 500 Räumen sollte die dritte Gewalt im Staat würdig repräsentieren.

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Kammergericht Schöneberg
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Der Bau des Kammergerichts wurde als fünfgeschossige neobarocke Anlage mit 38 Achsen und sieben Innenhöfen konzipiert. An der giebelbekrönten Straßenfassade münden zwei Auffahrten in eine Terrasse, die dem Haupteingang vorgelagert ist. Die Parkfassade stellt die repräsentative Seite dar und wird durch einen vier Meter tiefen, von Säulen und Pilastern umstellten und mit figürlichem Schmuck verzierten Risalit hervorgehoben, dem in der Beletage ein mit Putten und Wappen verzierter Balkon vorgelagert ist. Im Innenraum setzt sich die neobarocke Ausstattung mit einer mächtigen Treppenanlage und einem acht Meter hohen, mit Deckenbildern und Säulen versehenen Plenarsitzungssaal fort.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war der Volksgerichtshof für kurze Zeit (August bis Oktober 1944) unter Roland Freisler im Preußischen Kammergericht untergebracht. Freisler war einer der radikalsten Verfechter nationalsozialistischer Strafrechtsprinzipien und maßgeblich an der Verfolgung und Verurteilung von Regimegegnern beteiligt. Nach dem Stauffenberg-Attentat auf Hitler wurden hier am 7./8. August 1944 die Todesurteile über die führenden Köpfe des militärischen Widerstandes (von Witzleben, Graf York von Wartenberg und von Hase) verhängt.

Obwohl das gesamte Gebäude im Zweiten Weltkrieg kaum Schaden genommen hatte, beanspruchten die Alliierten lediglich den Mittelbau und den nördlichen Flügel. Die Instandsetzungsarbeiten wurden von der US-amerikanischen Baudivision durchgeführt. Auf der rückwärtigen Wand des Treppenhauses hat diese sich mit dem in eine Kartusche eingemeißelten Schriftzug “Rugged” verewigt.

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Kammergericht Schöneberg
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Bis 1948 war das Kammergericht Sitz des Alliierten Kontrollrates. Nachdem die sowjetischen Vertreter am 20. März 1948 den Kontrollrat verließen, kam es zur Spaltung der Stadt und zur Berlin-Blockade. Der Kontrollrat trat danach nicht mehr zusammen. Erst 1990 wurde er ein letztes Mal von Frankreich einberufen.

Das Kammergericht war von 1945-1994 außerdem die Zentrale der Alliierten Luftsicherheit, die täglich 24 Stunden lang den Berliner Flugverkehr überwachte (Berlin Air Safety Center). Auch der Internationale Militärgerichtshof trat hier am 18. Oktober 1945 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, wobei die weiteren Sitzungen in Nürnberg stattfanden (Nürnberger Prozesse).

Am 3. September 1971 wurde im Kammergericht das Viermächteabkommen über den Status Berlins (Berlin-Abkommen) unterzeichnet, das die Teilung der Stadt und ihre friedliche Koexistenz besiegelte. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 und dem Abschluss des Zwei-plus-Vier-Abkommens, in dem die Außenminister der vier Siegermächte Deutschland als souverän anerkannten, wurde das Gebäude von den Alliierten verlassen. Am 27. Februar 1991 übernahm es das Kammergericht Berlin und setzte es bis 1994 instand. Seit 1992 beherbergt es auch den Verfassungsgerichtshof Berlin.

Zahlreiche Spuren zeugen bis heute von der Nutzung durch die alliierten Besatzungsmächte: die vier Fahnenmasten an der Parkfassade, der Minutenzeiger der Uhr im Treppenhaus, der nach wie vor das von den US-Amerikanern angebrachte Seepferdchen-Symbol besitzt. Auch der Konferenztisch im Plenarsitzungssaal, die Portiersloge des von den Alliierten benutzten Eingangs, die Kücheneinrichtung der Luftsicherheitsbehörde, die Heizungsanlage, ein Aufzug und die originale schwarze Wandfarbe des von den Sowjets eingerichteten Kasinos blieben erhalten.