Kurfürstendamm

Link zu: Kurfürstendamm Ecke Joachimstaler Straße
Kurfürstendamm Ecke Joachimstaler Straße, 9.8.2007, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

3,5 km langer Boulevard zwischen Breitscheid und Rathenauplatz.
Im 16. Jahrhundert ließ Kurfürst Joachim II. Hektor in dem sumpfigen Gelände zwischen dem Tiergarten und dem Grunewald einen Knüppeldamm anlegen, damit die kurfürstlichen Reiter besser vom Berliner Stadtschloss zum neu errichteten Jagdschloss Grunewald gelangen konnten. Der Weg ist erstmals auf einer Karte von 1685 eingezeichnet. Der Name “Churfürstendamm” ist auf Karten seit 1767 überliefert.
Die erste Idee zum Ausbau eines Teilstückes des kurfürstlichen Reitweges zu einer 30 m breiten Prachtstraße stammte 1870 von dem Städtegründer und -planer Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde.

Link zu: Kurfürstendamm
Kurfürstendamm 9.8.2007, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Auf Initiative Bismarcks wurde am 2.6.1875 per Kabinettsordre die Anlage des Boulevards nach dem Vorbild der Pariser Champs Élysées beschlossen und Straßenbreite auf 53m festgelegt: 2×7,50m Vorgarten, 2×4m Bürgersteig, 2×10m Fahrbahn, 5m Reitweg und 5m Mittelpromenade. Bis heute ist es bei der Straßenbreite von 53m geblieben, die sich aufteilen in 2×13m Gehweg, 2×9m Fahrbahn und 9m Mittelstreifen. Seit 1883 erfolgte dann der Ausbau zum Boulevard durch die Kurfürstendamm-Gesellschaft, die dafür vom Fiskus ein 234 ha großes Gelände im Grunewald erhielt und hier eine Villenkolonie errichtete. Mit der Eröffnung der Dampfstraßenbahn vom Bahnhof Zoo nach Grunewald am 5.5.1886 beginnt die Geschichte des Kurfürstendammes als Boulevard und damit die Geschichte der City West. Deshalb wurde 2011 das 125. Jubiläum des Kurfürstendamms gefeiert.

Link zu: Kurfürstendamm Ecke Uhlandstraße
Kurfürstendamm Ecke Uhlandstraße, 9.8.2007, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Der Kurfürstendamm mit seinen prachtvollen Wohnpalästen (s. Nr. 59/60) wurde schnell zur bevorzugten Wohnadresse. 1913 lebten hier in den Riesenwohnungen 120 Millionäre. Aber er entwickelte sich auch schnell zur bedeutenden Geschäftsstraße mit luxuriösem Angebot. Dank zahlreicher berühmter Cafés (Café des Westens, auch “Café Größenwahn” genannt, Romanisches Café, Café Schilling, Café Kranzler – Treffpunkte von Schriftstellern, Schauspielern und anderen Künstlern), Theater (die Max-Reinhard-Bühnen Theater am Kürfürstendamm, früher Ausstellungshaus der Berliner Sezession, und Komödie), Kabaretts (Kabarett der Komiker, Nelson-Theater, Varietés und Kinos (Universum, heute Schaubühne, Marmorhaus, Capitol, Union-Palast, später Filmbühne Wien) wurde der Kurfürstendamm zum Inbegriff kulturellen Lebens in den “Goldenen Zwanzigern”.

1925 wurde das Teilstück östlich des damaligen Auguste-Viktoria-Platzes (Breitscheidplatz) bis zum Lützowufer in “Budapester Straße” umbenannt. Damit fielen die Hausnummern 1 bis 10 weg, und da die alte Grundstücksnummerierung beibehalten wurde, beginnt der Kurfürstendamm seither mit Hausnummer 11. Weshalb am Lehniner Platz die Hausnummern 77 bis 89 fehlen ist unbekannt.

Bereits in den 20er Jahren gab es anitsemitische Ausschreitungen auf dem Kurfürstendamm. Am 12.9.1931 inszenierte die SA anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes Straßenkrawalle. Mehrer Personen, die aus der Synagoge in der Fasanenstraße kamen wurden verletzt und zahlreiche Geschäfte zerstört. Seit 1933 wurden die jüdischen Unternehmer, Geschäftsleute, Gastwirte, Künstler, Schriftsteller und Intellektuellen vertrieben, die die Entwcklung des Kurfürstendammes wesentlich geprägt hatten. In der Pogromnacht des 9. November 1938 wurde die Synagoge in der Fasanenstraße angezündet, und am Kurfürstendamm wurden systematisch die Schaufensterscheiben und die Geschäfte jüdischer Inhaber zerstört. In den folgenden Monaten wurden sie “arisiert”. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Häuser am Kurfürstendamm zerstört. Schwere Bombardements im August, September und November 1943 und im Januar 1944 zerstörten die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und ihre Umgebung und weite Bereiche des Kurfürstendammes. Weitere Zerstörungen brachten die Bodenkämpfe in Halensee und rund um den Zoo-Bunker in den letzten Kriegstagen im April/Mai 1945.

In den 50er Jahren wurden viele Ruinen abgerissen. Auch die Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche blieb nur dank heftiger Proteste der Bevölkerung stehen. Einstellung der Straßenbahn 1954, Umgestaltung des Mittelstreifens zu Parkplätzen, sowie Lückenschließung mit moderner Architektur veränderten das Gesicht des Kurfürstendammes nachhaltig. Durch die Teilung der Stadt übernahm er für den Westen die City-Funktion und wurde zu einem Abbild des deutschen Wirtschaftswunders. Das öffentliche Leben konzentrierte sich im Abschnitt zwischen Adenauer und Breitscheidplatz, die westlichen Bereiche blieben vornehmlich Wohnquartiere.

In den 60er Jahren wurde der Kurfürstendamm zur politischen Bühne: Eine Woche nach dem Bau der Mauer veranstalteten die West-Alliierten am 20.8.1961 eine Militärparade mit 1.500 Soldaten auf dem Kurfürstendamm. Am 26.6.1963 fuhr der amerikanische Präsident John F. Kennedy bei seinem Berlin-Besuch ebenfalls über den Kurfürstendamm. Seit Mitte der 60er Jahre wurden unzählige Demonstrationen auf dem Kurfürstendamm veranstaltet. In den 70er Jahren wurden dem Kurfürstendamm die Fast-Food-Restaurants, Billigläden und Peep-Shows vorgeworfen. Am 1.7.1977 wurde er vom Breitscheidplatz bis zum Adenauerplatz von der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen zum “geschützten Baubereich” erklärt. In den 80ern gab es eine gemeinsame Initiative des Senats und der Anlieger zu seiner Aufwertung: 1982-84 Neugestaltung des Breitscheidplatzes durch Ivan Krusnik und Oskar Reith mit dem Weltkugelbrunnen von Joachim Schmettau, 1987 anläßlich der 750-Jahr-Feier Berlins Aufstellung von Groß-Skulpturen zum Skulpturen-Boulevard; u.a. “Berlin” von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff (Tauentzienstraße), “Pyramide” von Josef Erben (Kurfürstendamm/Bleibtreustraße) und “Beton-Cadillacs” von Wolf Vostell (Rathenauplatz).

Am 9.11.1989 wurde der Fall der Mauer mit einer Trabi-Parade auf dem Kurfürstendamm gefeiert. Seither kommt die wieder belebte Konkurrenz zwischen der historischen Mitte und der City-West beiden Teilen Berlins zugute. Am Kurfürstendamm siedelten sich im Bereich zwischen Uhlandstraße und Adenauerplatz hochwertige, luxuriöse Einzelhandelsgeschäfte wie Prada, Gucci, Jil Sander, Hermes etc. an. Es gab eine Reihe spektakulärer Neubauten wie das Neue Kranzler-Eck. Das Ku’damm-Eck aus den 70er Jahren wurde abgerissen und durch einen auffälligen Neubau ersetzt.

Literatur

  • Bösel, Peter-Alexander: Kurfürstendamm. Berlins Prachtboulevard, Erfurt (Sutton-Verlag) 2008
  • Eichhorn, Peter: Der Kurfürstendamm. Ein Bummel über Berlins legendären Boulevard, Berlin (Grebennikov) 2011
  • Frisch, Helga: Abenteuer Kurfürstendamm. Damals und heute, Berlin (Kahmann) 2007
  • Frisch, Helga: Mein Kurfürstendamm – Leben und Arbeiten am Weltboulevard, Berlin 2011
  • Heimweh nach dem Kurfürstendamm. Geschichte, Gegenwart und Perspektiven des Berliner Boulevards (hg. von Michael Zajonz und Sven Kuhrau), Berlin 2009
  • Jochens, Birgit; Miltenberger, Sonja: Der Kurfürstendamm von Haus zu Haus. Geschichte und Geschichten über Berlins ersten Boulevard, Berlin (text verlag) 2011
  • Krüger, Horst: Der Kurfürstendamm. Glanz und Elend eines Boulevards, Hamburg 1982
  • Metzger, Karl-Heinz und Dunker, Ulrich: Der Kurfürstendamm: Leben und Mythos des Boulevards in 100 Jahren deutscher Geschichte, Berlin 1986
  • Miltenberger, Sonja: Jüdisches Leben am Kurfürstendamm (hg. vom Museum Charlottenburg-Wilmersdorf), Berlin (text.verlag) 2011
  • Stürickow, Regina: Der Kurfürstendamm. Gesichter einer Straße, Berlin (Arani) 1995
  • Zöbl, Dorothea: Leben am Kurfürstendamm, Berlin (Gebr. Mann Verlag) 2011