Bahnhof Zoologischer Garten

Link zu: Bahnhof Zoologischer Garten 28.4.2006, Foto: KHMM
Bahnhof Zoologischer Garten 28.4.2006, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Gesamtanlage unter Denkmalschutz
1878-82 von Ernst Dircksen, am 7.2.1882 zunächst für den Stadtbahnverkehr, am 15.10.1884 auch für den Fernverkehr geöffnet. Am 5.5.1886 fuhr von hier aus die erste Dampfstraßenbahn über den Kurfürstendamm . Bereits 1902 Anschluss an die U-Bahn, Eröffnung des von Alfred Grenander gebauten U-Bahnhofs am 11.3.1902. 1934-41 völlige Neugestaltung durch Fritz Hane. Der Fernbahnteil erhielt eine große Halle und vier Gleise.
1948 wurden in dem städtebaulichen Wettbewerb “Rund um den Zoo” unter anderem eine riesige Verkehrsinsel und ein Flughafen für Geschäftsreisende am Bahnhof Zoo entworfen. Diese Pläne wurden aber nicht realisiert.
1954-57 wurden die 16m hohe Fernbahn- und die niedrigere, 169m langen S-Bahn-Halle verlast und der terrassenförmige Restaurantvorbau errichtet. Die “Bahnhofs-Terrassen” wurden am 10.10.1957 eröffnet. 1959 baute Bruno Grimmek unter der U2 den querenden Bahnsteig für die neue Linie U9, der am 28.8.1961 eröffnet wurde.
Am 2.10.1967 fuhr die letzte Straßenbahn der Linie 55 vom Bahnhof Zoo nach Spandau. Sie wurde von einem großen Fahrzeugkorso begleitet. An diesem Tag endete der Straßenbahnverkehr am Bahnhof Zoo.
1976 erschien unter dem Titel “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” ein aufwühlender Bericht von Christiane F. über das Drogenmilieu, das sich am Bahnhof Zoo konzentrierte.
1985-89 Restaurierung und Ausbau. Die Bahnsteige wurden – speziell für ICEs – verlängert. Während der Teilung der Stadt war er – in der Zuständigkeit der Deutschen Reichsbahn – über lange Zeit der einzige Fernbahnhof West-Berlins. Nach dem 1994 erfolgten Aufgehen der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bundesbahn in der Deutschen Bahn AG in Folge der Wiedervereinigung, 1995 Neuordnung des Servicebetriebs mit völliger Umgestaltung im Inneren; dabei auch, gegen den Widerstand von Künstlern und Intellektuellen aus dem Ost- und Westteil der Stadt, Schließung der legendären Heinrich-Heine-Buchhandlung.

Link zu: Bahnhof Zoologischer Garten, Foto: DB AG, Haddenho
Bahnhof Zoologischer Garten, Foto: DB AG, Haddenho Bild: Deutsche Bahn AG

Der Bahnhof Zoo ist der bedeutendste Bahnhof in der westlichen City und der größte Nahverkehrsknotenpunkt Berlins. Hier treffen Fern-, S- und U-Bahn und viele Buslinien zusammen. Im Nah- und Fernverkehr täglich durchschnittlich je 400 an- und abfahrende Züge, 600 Halte der S-Bahnen und 120.000 Reisende insgesamt.
Am 12.6.2005 hält erstmals ein Zug der Vogtlandbahn am Bahnhof Zoo.
Der Beschluss der Deutschen Bahn AG unter Bahnchef Hartmut Mehdorn, mit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs (ehem. Lehrter Bahnhof) am 28.5.2006 den Fernbahnhof Zoologischer Garten zu schließen, löst heftige Proteste bei Geschäftsleuten, Bewohnern und beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf aus. Eine von Pfarrerin Dr. Helga Frisch angeführte Bürgerinitiative sammelt bis Oktober 2006 140.000 Unterschriften für den Erhalt bzw. die Wiedereröffnung des Fernbahnhofs Zoo.
Bahnchef Mehdorn kündigt Ende Mai 2006 an, er wolle den Bahnhof Zoo ausbauen und modernisieren. Das sei bei laufendem Betrieb bisher nicht möglich gewesen. Weil jetzt weniger Züge im Bahnhof Zoo halten, gebe es endlich Platz, um umfangreiche Arbeiten vornehmen zu können. Auch in Zukunft bleibe der Bahnhof Zoo ein wichtiger Knoten im Netz mit mehr als 600 S-Bahnen und 198 Regionalzügen täglich. Die Zahl der Fahrgäste liege täglich weiter über 100.000. Er könne sich vorstellen, dass es mehr Geschäfte gebe und der Bahnhof durch das Entfernen der Zwischendecke übersichtlicher werde.
Vor und nach der Schließung des Fernbahnhofs gibt es neben der Unterschriftensammlung eine Reihe von Protestaktionen, Protestdemonstrationen am 19.5. und am 30.5., eine Menschenkette um den Bahnhof Zoo am 4.8. und eine Lichterkette am 17.10.2006. Am 30.11.2006 schließen die “Terrassen am Zoo”.
Bei einer Podiumsdiskussion zum Fernbahnhof Zoo am 22.2.2007 stellt Prof. Dr. Jürgen Schweikart von der TFH Berlin ein Gutachten vor, wonach für rund 1,6 Millionen Berlinerinnen und Berliner die Nachteile überwiegen, seit sich Ende Mai 2006 ihre Anfahrtswege für den Fernverkehr geändert haben. Nur für rund 450.000 Menschen in Berlin hat das neue Bahnsystem Vorteile gebracht, weil sie im Einzugsbereich eines neuen Fernbahnhofs leben.
Am 5.3.2007 forderten die Mitglieder aller Fraktionen im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, den Bahnhof Zoo wieder als Fernbahnhof und ICE-Haltestelle zu nutzen. Wegen einer technischen Panne hält in der Nacht vom 1.5. zum 2.5.2007 erstmals wieder ein ICE im Bahnhof Zoo. Er kam aus Richtung Köln. Am 8.9.2007 veranstalteten die Deutsche Bahn AG, das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und die AG-City gemeinsam das Jubiläumsfest “125 Jahre Bahnhof Zoo”.
Vgl. zu den Aktivitäten zur Rettung des Fernbahnhofs Zoo