Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (evangelisch)

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Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche 1935 Bild: Bezirksamt

Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz.
Ursprünglich wurde die Kirche für den Wittenbergplatz geplant. 1891-95 wurde sie von Franz Schwechten auf dem damaligen Auguste-Viktoria-Platz zu Ehren Kaiser Wilhelms I. als spätromanische Zentralanlage in Form eines lateinischen Kreuzes als Teil des Romanischen Forums erbaut. Die Errichtung dieses an eine Kaiserpfalz erinnernden sakralen Monumentalbaus diente weniger einem religiösen Bedürfnis als kaiserlich-staatlicher Repräsentation. Am 22.3.1891 wurde in Anwesenheit des Kaiserpaares Wilhelm II. und Auguste Viktoria mit militärischem Prunk der Grundstein gelegt, am 1.9.1895 wurde die Kirche ebenfalls im Beisein Wilhelms II. eingeweiht. In der Nacht vom 22. zum 23.11.1943 wurde die Kirche weitgehend zerstört. Die Ruine wurde nach einem Teilabriss gesichert und als Mahnmal erhalten.

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Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche 4.11.2006, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Am 9.5.1959 wurde der Grundstein gelegt für die Neubauten von Egon Eiermann: Der sechseckige Turm mit Trauungs- und Taufkapelle und der achteckige Hauptbau wurden am 17.12.1961 eingeweiht, im Volksmund als “Lippenstift mit Puderdose” tituliert. Im Hauptbau befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Außenhaut besteht aus wabenförmigen Betonplatten und blauen Glasflächen, die von Gabriel Loire aus Chartres stammen. Im Foyer ist eine übergemeindliche Einrichtung der Missionarischen Dienste der Evangelischen Kirche untergebracht.

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Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche 26.9.2006, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Seit 1987 dient die Eingangshalle der alten Kirche mit Resten der reichen Mosaikarbeiten als Gedenkhalle; hier wurden das Nagelkreuz der Kathedrale von Coventry, ein Ikonenkreuz der Russisch-Orthodoxen Kirche und die beschädigte Christusfigur vom Altar der alten Kirche aufgestellt. Neben Mittagsgebeten gibt es freitags in der Gedenkhalle das Versöhnungsgebet von Coventry. An der östlichen Außenwand des alten Turmes wurden 1988 vier Sandsteinskulpturen von Stefan Kaehne angebracht.
Die Kirche wurde 1999-2000 umfassend renoviert. Im November 2007 begann eine großangelegte Aktion zur Rettung der Gedächtniskirche: Mit Benefizkonzerten und öffentlichen Aufrufen in allen Berliner Medien wird Geld für die dringend nötige Sanierung gesammelt.