Senatorin Günther hält U3-Verlängerung für vielversprechend

Senatorin Günther hält U3-Verlängerung für vielversprechend

Bei der Erweiterung des U-Bahn-Netzes im Berlin könnte die U3 den Anfang machen. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) teilte am Dienstag nach einer Senatssitzung mit, dass sie neben dem Ausbau der U-Bahn-Linie 7 auch eine Verlängerung der U3 im Berliner Südwesten von der Krummen Lanke zum S-Bahnhof Mexikoplatz befürwortet.

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    Verkehrssenatorin Regine Günther, auf einer Pressekonferenz in Berlin.
«Ich halte es für eine sehr vielversprechende Linie», sagte sie. «Ich denke, wir sollten bei der U3 überlegen, wie wir da sehr schnell in eine Realisierung kommen. Wie genau das aussehen kann, wird jetzt noch erarbeitet.» Voraussichtlich bis Ende März werde sie im Senat dazu eine Vorlage einbringen.

Verlängerung der U3 um 600 bis 700 Meter denkbar

Das Vorhaben wäre vergleichsweise schnell umzusetzen, weil die Strecke zwischen der U3-Endhaltestelle Krumme Lanke und dem Mexikoplatz nur 600 bis 700 Meter umfasst. Günther verwies darauf, dass durch eine U-Bahn auf diesem «sehr kurzen Abschnitt» eine gute Vernetzung möglich sei - weil eine Umstiegsmöglichkeit zur S-Bahn- Linie 1 entsteht, mit der auch viele Brandenburger in die Hauptstadt pendeln.

U7 könnte bis zum Flughafen BER verlängert werden

Im Senat stellte Günther am Dienstag die Ergebnisse von vier Machbarkeitsstudien zum Ausbau des Berliner U-Bahn-Netzes vor, bei denen es nicht um die U3, sondern um andere Linien ging. Nach Analyse der Untersuchungen - das wurde bereits am Wochenende bekannt - schlug Günther zunächst den Ausbau der U7 in Spandau bis zur Heerstraße sowie am anderen Ende von Rudow zum Flughafen BER vor.

Projekte würden etwa 1,3 Milliarden Euro kosten

Wie die Senatorin erläuterte, sollen im nächsten Schritt nunmehr Kosten-Nutzen-Analysen für beide Bauabschnitte erarbeitet werden, die zusammen etwa mit 1,3 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Das kann zwei Jahre oder länger dauern. Auch zusätzliches Personal sei nötig. Zudem seien vertiefende Gespräche mit dem Land Brandenburg geplant, so Günther. Da der größte Teil der U7-Verlängerung zum BER auf Brandenburger Gebiet verlaufe, kämen auf Berlins Nachbarland Kosten von rund 550 Millionen Euro oder mehr zu.

Günther: «Bauen geht schneller als Planen.»

«Nicht vor Ende dieser Dekade werden wir anfangen zu bauen», sagte Günther zur zeitlichen Dimension des Vorhabens. Eine Fertigstellung sieht sie «2032 bis 2035». Eine neue U-Bahn sei ein komplexes Projekt. «Bauen geht schneller als Planen.»

Bei der U3 gehen Planung und Bau womöglich schneller

«Es kommt darauf an, welche Finanzierung wir uns vorstellen», sagte Günther. Eine Kosten-Nutzen-Analyse, wie jetzt bei der U7 geplant, sei zwingende Voraussetzung, um bis zu 75 Prozent Bundesmittel für den Bau zu erhalten. Inwieweit der Senat bei der U3 «andere Wege» gehe, bleibe abzuwarten. Soll heißen: Sollte Berlin auf Fördergeld vom Bund in dieser Größenordnung verzichten, wäre bei dem auch finanziell überschaubaren Projekt wohl ein schnellerer Baustart möglich.
Günther betonte, dass es bei allen U-Bahn-Erweiterungsplänen um zusätzliche Vorhaben gehe, die die bestehenden konkreten Pläne zum Ausbau des ÖPNV im Gesamtvolumen von 35 Milliarden Euro innerhalb von 15 Jahren nicht in Frage stellen dürften. Dazu zählten etwa neue Wagen für S- und U-Bahn, neue Bahnverbindungen nach Brandenburg oder neue E-Busse. «Wir sollten uns da nicht kannibalisieren.»

Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel liegt vorerst auf Eis

Vorerst zurückgestellt werden soll nach Auswertung der Machbarkeitsstudien eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel. Statt eines Abzweigs der U6 zur Urban Tech Republic auf dem früheren Flughafengelände in Tegel plädiert Günther für eine Tram-Anbindung. Die bevorzugte Trassenvariante der U7-Verlängerung ab Rathaus Spandau würde laut Machbarkeitsuntersuchung 4,26 Kilometer lang sein, 5 neue Stationen umfassen und 578 Millionen Euro kosten. Am anderen Ende geht es von Rudow aus um 8,56 Kilometer neue Strecke mit 7 Stationen. Geschätzte Kosten: 704 Millionen Euro.

Wirtschaft reagierte erfreut auf die Pläne

Sowohl die Industrie- und Handelskammer (IHK) als auch die Unternehmensverbände forderten allerdings, bei den nächsten Schritten mehr Tempo zu machen. Der Ausbau anderer U-Bahn-Strecken müsse auf der Agenda bleiben, etwa der U6, der U8 oder der U9 nach Pankow.

Giffey: «Wir müssen endlich anfangen»

Auch die SPD-Vorsitzende Franziska Giffey drückt aufs Tempo. «Wir müssen endlich anfangen», sagte die Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl der Deutschen Presse-Agentur. «Berlin braucht ein leistungsfähiges, hochwertiges und schnelles Verkehrsnetz, damit die Berlinerinnen und Berliner rund um die Uhr zuverlässig an ihr Ziel kommen.» Ein Hauptstadtflughafen brauche auch eine Hauptstadtanbindung. CDU-Chef und -Spitzenkandidat Kai Wegner sieht das ähnlich: «Klare und konkrete Beschlüsse für den Ausbau des U-Bahnnetzes sind schon lange überfällig.» SPD-Partei- und Fraktionschef Raed Saleh meinte: «Der Schritt des Senats ist klug und zeigt Weitblick.» Weitere müssten folgen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 16. Februar 2021 16:14 Uhr

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