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Qualitätsstandards für die inklusive Berliner Ganztagsschule vorgestellt

Pressemitteilung vom 26.11.2021

Eine gute Ganztagsschule ist eine gute Schule! Unter dieser Maxime hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie heute die neuen Qualitätsstandards für die inklusive Berliner Ganztagsschule vorgestellt. Beim Umfang des Ganztagsangebots ist Berlin schon jetzt bundesweit Vorreiter, nun liegen umfassende Qualitätsstandards vor. Diese Standards definieren, was in Berlin unter guter Ganztagsschule zu verstehen ist. Insbesondere wird die Qualität für fünf Kernbereiche definiert: Nämlich für Kooperation, Zeit, Bildungselemente, Verpflegung und Raum. Darüber hinaus werden Rahmenlegungen getroffen zum Ganztagsschulprofil, zur partizipativen Praxis und zur Steuerung der Einzelschule. Diese Qualitätsstandards gelten ab dem neuen Schuljahr und haben dann nach einjähriger Implementierung verbindlichen Charakter.

Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: „Berlin ist mit seinem Ganztagsschulangebot deutschlandweit Spitze. Nun haben wir klare und umfangreiche Qualitätsstandards für den Ganztag vorgelegt – zum Wohle der Kinder und Jugendlichen. Bei der Entwicklung der Qualitätsstandards stand die Partizipation an erster Stelle. Vertreterinnen und Vertreter aus den Ganztagsschulen, der Schulentwicklung, der pädagogischen Ausbildung, den Interessenvertretungen und weiteren Beteiligten waren in die Entwicklung und die Anhörungsphase einbezogen. Ziel war es, die Vielfalt der Perspektiven, die eine gute Ganztagsschule ausmacht, abzubilden.“

Konkret wird beispielsweise festgelegt, dass die Pädagoginnen und Pädagogen regelmäßige Zeit für die Zusammenarbeit einplanen und Sprechzeiten verlässlich festgelegt sind. Die Schulverpflegung soll über den ganzen Tag sichergestellt und an den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen orientiert sein. Ganztägige Bildung wird durch die Verzahnung verschiedener Bildungselemente ermöglicht, die die Schülerinnen und Schüler mitgestalten können. Hier geht es auch darum, durch Kooperationen mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern die Lebensweltkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu steigern. In der erweiterten Schulleitung sollten die verschiedenen Professionen vertreten sein, da im Ganztag multiprofessionelle Teams zum Einsatz kommen.

Erarbeitet wurde das umfangreiche Konzept von einer Projektgruppe bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin Brandenburg (LISUM) und der Serviceagentur Ganztag Berlin. Sie enthalten auch eine konkrete Checkliste für die Schulen, um gezielt an der Ganztagsqualität zu arbeiten. Die Standards aktualisieren die bisher geltenden Qualitätspapiere zu Ganztagsschulen.

Die Qualitätsstandards unterstützen die Schulen dabei, den komplexen gesellschaftlichen Aufgaben zu begegnen:
  • Diversität: Gute Ganztagsschulen sind Orte der Diversität, wo sich alle treffen können.
  • Individualität: Gute Ganztagsschulen bieten vielfältige und idealerweise passgenaue Lerngelegenheiten.
  • Förderung: Gute Ganztagsschulen haben mehr Raum für bedarfsorientierte Angebote und individuelle Förderung.
  • Chancengleichheit: Gute Ganztagsschulen schaffen mehr Zugänge zu Bildungsangeboten und damit mehr Bildungsgerechtigkeit.
  • Vereinbarkeit: Gute Ganztagsschulen unterstützen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Qualitätsstandards unterstützen die pädagogischen Fachkräfte dabei,
  • Kompetenzen zu nutzen: Gute Ganztagsschulen profitieren von den pädagogischen und fachlichen Kompetenzen unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure.
  • Netzwerke zu schaffen: Gute Ganztagsschulen nutzen die Möglichkeiten in der Nachbarschaft und vernetzen sich mit anderen Ganztagsschulen, um Konzepte weiterzuentwickeln.
  • Leben und Lernen zu verbinden: Gute Ganztagsschulen sind Lern- und Lebensorte und lassen Raum für Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung.
  • Vielfältige Bildungsangebote zu machen: Gute Ganztagsschulen nutzen unterschiedliche Bildungselemente (z.B. Lernzeiten, Förderangebote, Projekte, AGs, etc.), um individuelle Lernprozesse über den Unterricht hinaus zu verzahnen. Zum Beispiel können Hausaufgaben zu Schulaufgaben werden.
  • Kontakt und Hilfe zu bieten: Gute Ganztagsschulen bieten Schülerinnen und Schülern sowie Eltern verschiedene verlässliche Ansprechpartnerinnen und -partner.
Die Qualitätsstandards unterstützen die Schülerinnen und Schüler dabei, ihr Potential zu entwickeln und pandemiebedingte Schwierigkeiten zu bewältigen:
  • Zentraler Lebens- und Lernort: Gute Ganztagsschulen sind Orte, um Kinder und Jugendliche zu stärken, Lernverluste auszugleichen oder auf Krisenerfahrungen einzugehen.
  • Raum für Gemeinschaft: Gute Ganztagsschulen bieten Raum für Gemeinschaftserfahrungen, Freundschaften und Bezugsgruppen. Persönliche Kontakte waren in der Pandemie nur sehr eingeschränkt vorhanden und können dort neu geknüpft werden.
  • Vielfältige Lernformate: Gute Ganztagsschulen setzen projektartige, fächerverbindende Lernformate mit komplexen Aufgabenstellungen um. In partizipativen Lernformaten können gesellschaftspolitische, lebensweltbezogene Fragestellungen beantwortet werden.
  • Lernzeiten: Gute Ganztagsschulen weisen Lernzeiten für individuelles Üben, für Schulaufgaben oder für das Peer-to-Peer-Lernen aus. Lernzeiten bieten vielfältige Möglichkeiten, den Schulalltag zu rhythmisieren, und eröffnen neue Chancen für individuelle Förderung.
  • Partizipative Praxis: Gute Ganztagsschulen nutzen die zusätzliche Zeit, um Kinder und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihres Schulalltags zu beteiligen. Im gemeinsamen Handeln können die Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen und nach ihren Vorstellungen aktiv werden.
  • Multiprofessionalität: Gute Ganztagsschulen legen Wert auf multiprofessionelle Kooperation auf Augenhöhe. Ein Kollegium aus pädagogischen Fachkräften unterschiedlicher Profession hat einen umfassenden Blick auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen.
  • Aktive Kooperationen: Gute Ganztagsschulen bauen auf die Vernetzung außerschulischer und schulischer Angebote und Lernorte. Hierzu zählen neben professionellen Fachkräften (z.B. Träger der freien Jugendhilfe, gemeinnützige Organisationen, Sportvereine, Musikschulen, Volkshochschulen, Familienzentren, Kitas, etc.) auch die Erziehungsberechtigten. Das stärkt alle Beteiligten.