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Fall Kentler wird bundesweit aufgearbeitet

Pressemitteilung vom 06.05.2021

Das Wirken des einstigen Professors für Sozialpädagogik Helmut Kentler wird nun auf Antrag des Landes auch bundesweit aufgearbeitet. Das hat die Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) auf ihrer heutigen Sitzung beschlossen. Die Bundesländer werden gebeten, eine bundesweite und unabhängige Untersuchung zu unterstützen.

Das Land Berlin hat sich in den vergangenen Jahren die Aufarbeitung von Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe zur Aufgabe gemacht und zwei Forschungsprojekte initiiert und gefördert. Der Abschlussbericht der durch das Land Berlin beauftragten Universität Hildesheim wurde im Juni 2020 der Öffentlichkeit vorgelegt. Im Ergebnis ist davon auszugehen, dass es ein Netzwerk von Akteuren gab, das pädophile Positionen gestärkt und legitimiert hat. Pädophile Übergriffe wurden in unterschiedlichen Konstellationen nicht nur geduldet, sondern auch arrangiert und gerechtfertigt.

Die Veröffentlichungen des Forschungsteams legen zudem auch Verbindungen zu Jugendämtern in Westdeutschland sowie zu wissenschaftlichen Institutionen und Fachgesellschaften bezüglich der Unterbringung von Pflegekindern bei Sexualstraftätern nahe. Laut Bericht wurden ab den 1970er Jahren durch das Berliner Landesjugendamt und die Be-zirksjugendämter auch Pflegestellen in Westdeutschland bei alleinstehenden Männern eingerichtet, die pädophile Positionen akzeptiert, gestützt und praktiziert haben.

Die JFMK begrüßt, dass das Land Berlin das Wirken von Helmut Kentler in der Kinder- und Jugendhilfe Berlins einer öffentlichen Aufarbeitung zugeführt hat. Die JFMK hat mit Betroffenheit die entsprechenden Ergebnisse zur Kenntnis genommen. Sie unterstützt die Weiterführung des Aufarbeitungsprozesses mit dem Fokus auf pädophile Netzwerkstrukturen, die über Berlin hinausgehen und die sexuelle Gewalt gegen Kinder und pädophile Positionen akzeptiert und unterstützt haben.

Jugendsenatorin Sandra Scheeres: „Der Fall Kentler ist noch nicht abgeschlossen. Mit Blick auf ein mutmaßliches Netzwerk und bundesweite Bezüge besteht ein weiterer Aufarbeitungs- und Forschungsbedarf. Deshalb habe ich ein drittes Forschungsprojekt bei der Universität Hildesheim in Auftrag gegeben mit der Aufgabe, eventuelle bundesweite Verflechtungen zu untersuchen. Ich freue mich sehr, dass die JFMK den bundesweiten Aufarbeitungsprozess unterstützt.“