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Die Präsenzpflicht in den Berliner Schulen bleibt aufgehoben. Bis zu einer 7-Tage-Inzidenz von 165 findet für alle Jahrgangsstufen Wechselunterricht in halber Klassenstärke statt. Es gilt eine Testpflicht für die Schulgemeinschaft. Bei einer höheren Inzidenz findet bis auf wenige Ausnahmen kein Präsenzunterricht statt.

Kitas bieten aktuell nur eine Notbetreuung auf Basis einer Liste der systemrelevanten Berufe sowie für Kinder ab 4 Jahren, Kinder Alleinerziehender und Kinder mit dringenden pädagogischem Bedarf an. Ab dem 17. Mai sind die Kitas wieder für alle Familien und Kinder geöffnet.

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MSA-Präsentationsprüfung findet statt, schriftliche Prüfungen ausgesetzt

Pressemitteilung vom 22.04.2020

Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, hat sich heute mit Vertreterinnen und Vertretern des Verbandes der Oberstudiendirektoren, der Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW, der Vereinigung der Berliner ISS-Schulleiterinnen und -Schulleiter sowie des Vereins für berufliche Bildung in der Senatsverwaltung getroffen. Die Einladung erfolgte Anfang der Woche und hatte zum Ziel, den Verbänden die schulartenübergreifenden Pläne der Senatsverwaltung zu den MSA-Prüfungen vorzustellen.

Um den Mittleren Schulabschluss (MSA) zu erlangen, sind in Berlin gemäß Schulgesetz zwei Komponenten ausschlaggebend: Einerseits die schulischen Noten in der 10. Jahrgangsstufe an Gymnasien, Integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen sowie im Bildungsgang Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung (IBA) der beruflichen Schulen. Andererseits müssen drei zentrale schriftliche MSA-Prüfungen (samt einer mündlichen Prüfung) und eine Präsentationsprüfung absolviert werden. Senatorin Scheeres teilte in der Runde mit, dass die drei schriftlichen MSA-Prüfungen (samt der mündlichen Prüfung) in diesem Jahr aufgrund der besonders angespannten Situation an den Schulen ausgesetzt werden sollen. Die noch ausstehenden MSA-Präsentationsprüfungen hingegen finden statt. Somit erhalten diese Schülerinnen und Schüler auch ein eigenes MSA-Prüfungszeugnis und auch die 1300 IBA-Schülerinnen und Schüler ein eigenes Zertifikat. Dieser Weg stieß in der Runde auf allgemeine Zustimmung.

Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: „Wir haben noch einmal alle Argumente abgewogen: Ohne die schriftlichen MSA-Prüfungen können wir in den kommenden Wochen mehr Unterricht anbieten, gerade auch für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler. Weil Korrekturarbeiten entfallen, können sich die Lehrkräfte anderen wichtigen Aufgaben zuwenden und Schülerinnen und Schüler noch besser fördern. Durch die Beibehaltung der Präsentationsprüfung ermöglichen wir gleichzeitig aber auch, dass die Schülerinnen und Schüler ein MSA-Prüfungszeugnis erhalten. Die Abiturprüfungen finden auf jeden Fall statt. Hier geht es darum, die allgemeine Anerkennung der Berliner Hochschulreife sicherzustellen.“

Die ersten umfangreichen Abiturprüfungen im Fach Biologie an diesem Mittwoch hätten gezeigt, dass diese Prüfungen sicher und ordnungsgemäß durchgeführt werden können. Auch die Krankmeldungen von Prüflingen hätten sich auf dem Niveau der Vorjahre bewegt. Gleichwohl seien diese zentralen Prüfungen nur unter großem organisatorischem Aufwand erfolgreich durchzuführen.

Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren: „Der VOB begrüßt, dass im Schuljahr 2019/20 auch für die Berliner Gymnasiasten der MSA auf der Grundlage der Jahrgangsnoten entschieden wird. Das ist eine richtungsweisende, eine kluge und eine notwen-dige Entscheidung in schwierigen Zeiten.“

Dr.Gunilla Neukirchen, Vorsitzende der Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW: „Wir begrüßen die Entscheidung sehr. Sie erlaubt es, die Ressourcen in den wenigen Wochen bis zu den Sommerferien auf den Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler zu konzentrieren.“

Miriam Pech und Sven Zimmerschied, Vorsitzende der Berliner ISS-Schulleiterinnen und -Schulleiter: „Die von der Senatorin vorgeschlagenen Änderungen bei der Durchführung der MSA-Prüfung werden von der Vereinigung der Berliner ISS-Schulleiter*innen in vollem Umfang unterstützt. Die Aussetzung der schriftlichen Prüfungen in diesem Schuljahr ist in der jetzigen Situation absolut angemessen und ermöglicht, dass keine Schülerin und kein Schüler durch die Prüfungen benachteiligt wird. Aus Sicht der Gemeinschafts- und Sekundarschulen ist das ein notwendiges Signal, dass auch in ungewöhnlichen Zeiten unsere demokratischen Strukturen uns gemeinsam vernünftige Lösungen finden lassen.“

Ronald Rahmig, Vorsitzender der Vereinigung berufsbildender Schulen in Berlin: „Wir begrüßen es, dass unsere Schülerinnen und Schüler auch in diesem schwierigen Jahr ein aussagekräftiges Zertifikat für ihren Schulabschluss erhalten können, das ihnen den Start in die Ausbildung erleichtert.“

Das Hauptargument für den Verzicht auf die drei schriftlichen Prüfungen ist die Notwendigkeit, angesichts der knappen personellen Ressourcen Prioritäten setzen zu müssen. Mit der Notbetreuung, der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen sowie des weiterhin stattfindenden Homeschoolings werden viele Pädagoginnen und Pädagogen gebunden. Etwa 30 Prozent der Lehrkräfte sind zudem aus Gründen des besonderen Infektionsschutzes in Schulen nicht einsetzbar. Ausgehend davon setzt die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie folgende Schwerpunkte:

Ausbau der Notbetreuung: Nicht nur in Kitas, sondern auch in der Primarstufe der Schulen wird die Notbetreuung stark erweitert. Hier gilt künftig die Ein-Eltern-Regelung, auch neue Berufsgruppen und Alleinerziehende haben nun einen Betreuungsanspruch für ihre Kinder. Das erfordert erhebliche zusätzliche personelle Ressourcen.

Unterstützung von Benachteiligten: Gerade die sozial ohnehin benachteiligten Schülerinnen und Schüler brauchen in der aktuellen Situation besondere Hilfen. Das bundesweit beachtete Programm LernBrücken bietet dieser Gruppe individuell passend zusätzliche Förderung an. Zudem stehen leihweise in einem ersten Schritt 9500 mobile digitale Endgeräte zur Verfügung.

Lernen mit Struktur: Die Schulen sind durch die digitalen Lernangebote besonders herausgefordert. Viele Lehrkräfte haben innovative Konzepte erarbeitet, um mit den Schülerinnen und Schülern auch digital etwa über die Plattform Lernraum Berlin im Kontakt zu bleiben und ihnen Lernmaterial zukommen zu lassen. Die Senatsverwaltung erarbeitet derzeit Handreichungen für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern, um dieser besonderen Situation des Lernens eine verlässliche Struktur vorzugeben.

MSA mit einem Prüfungsteil: Lehrkräfte, die nun keine schriftlichen MSA-Prüfungen durchführen müssen, haben mehr Ressourcen, um insbesondere Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs so zu fördern, so dass diese ihre Noten zum Schuljahresende noch verbessern können. Dies ist natürlich auch durch die MSA-Präsentationsprüfung möglich, an der als Prüfungsteil festgehalten wird. Das ist auch eine gute Vorbereitung für die gymnasiale Oberstufe.

Abiturprüfungen finden statt: Es ist wichtig, die derzeit laufenden Abiturprüfungen weiterhin sicher, ordnungsgemäß und erfolgreich durchzuführen. Das bindet viele Ressourcen, ist aber unbedingt notwendig um sicherzustellen, dass Berliner Abiturientinnen und Abiturienten dieses Jahrgangs an den Hochschulen in anderen Bundesländern und im Ausland studieren können.

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie weiß um die Sorgen, Ängste und Unsicherheiten, die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte derzeit haben, und nimmt diese sehr ernst. Die aktuelle Lage zwingt alle Beteiligten zu schwierigen Entscheidungen. Es geht grundsätzlich um einen vernünftigen und verantwortbaren Mittelweg zwischen Kontaktvermeidung im Sinne des Infektionsschutzes und dem Recht auf Bildung und Zukunftschancen.