Berlins Regierender Bürgermeister zur Coronakrise: „Kontakte verringern heißt Infektionen verhindern“

Michael Müller
Bild: Lena Giovanazzi

Liebe Berlinerinnen und Berliner,

in den vergangenen Monaten waren Sie es, die mit Ihrer Rücksichtnahme und Ihrem verantwortungsvollen Handeln zu einem deutlichen Rückgang der Corona-Infektionszahlen beigetragen haben. Die meisten von Ihnen haben sich an alle Regeln gehalten, in Restaurants, beim Sport und in der Kultur wurden gute Hygiene-Konzepte erarbeitet und umgesetzt. So konnten wir uns im Sommer einige Freiheiten und ein Stück Normalität zurückerobern. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar.

Doch nun sind die Infektionszahlen durch vielfache Kontakte wieder in einem Ausmaß gestiegen, das uns alle stark beunruhigt: Wir sehen das insbesondere an der Auslastung der Krankenhäuser und Belegung unserer Intensivbetten.
Auch wenn es uns schwergefallen ist, erneut Einschränkungen zu beschließen, mussten wir jetzt schnell reagieren, um Schlimmeres zu verhindern. Alle Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder und die Bundeskanzlerin haben deshalb vereinbart, einen großen Teil des öffentlichen Lebens wieder herunterzufahren, um die Infektionszahlen bis Ende November zumindest zu stabilisieren.

Zusammengefasst heißt das: Vermeiden Sie Kontakte soweit es möglich ist. Denn Kontakte verringern heißt Infektionen verhindern. Im Frühjahr haben wir schon einmal gezeigt, dass wir gemeinsam viel erreichen können. Das kann uns wieder gelingen, da bin ich mir sicher.

Bei unseren Berliner Maßnahmen haben wir jedoch aus den Erfahrungen des Frühjahrs gelernt: Zum Beispiel bleiben viele Geschäfte geöffnet, auch der Zoo, die Bibliotheken – wenn auch mit zum Teil verschärften Hygiene- und Abstandsregeln.

Aber was mir besonders wichtig war: Wir halten Schulen und Kitas offen. Denn ich möchte, dass unsere Kinder weiter lernen können. Vor allem aber müssen wir die sozialen Folgen bedenken. Unsere Kinder brauchen Entfaltungsmöglichkeiten, sie brauchen ihre Freunde. Um ihnen das zu geben, müssen wir uns anderer Stelle wieder mehr einschränken. Ich bin sicher, wir alle tun das gerne. Ich danke an dieser Stelle auch den vielen Lehrerinnen und Lehrern und Erzieherinnen und Erziehern, die in dieser schweren Zeit erneut besonders gefordert sind.

Liebe Berlinerinnen und Berliner, Respekt, Verantwortung und Solidarität sollten für uns auch in den folgenden Herbst- und Wintermonaten eine Selbstverständlichkeit sein. Und auch wenn es jetzt eine berechtigte Hoffnung auf einen Impfstoff gibt, wird es wohl noch Monate dauern, bis dieser vielen Menschen zur Verfügung steht. Deshalb müssen wir weiter alles tun, um Infektionen zu reduzieren. Denn es geht nach wie vor um das Leben unserer Liebsten, um unsere Freundinnen und Freunde, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen – es geht um uns alle!

Jede und jeder sollte mittlerweile wissen: Masken-, Abstands- und Hygieneregeln retten Leben. Das zu ignorieren gefährdet uns alle. Bitte helfen Sie deshalb bei der Einhaltung dieser Regeln mit, seien Sie Vorbild. Und noch eine Bitte: Tragen Sie immer dann einen Mund-Nasen-Schutz, wenn es vorgeschrieben ist oder Sie den Mindestabstand nicht einhalten können. Nutzen Sie die Corona-App. Und führen Sie zudem ein Kontakttagebuch.

Ihr Berliner Senat wird alles tun, um, wo immer möglich, wieder mehr Sicherheit und Normalität im Alltag ermöglichen zu können – zum Beispiel durch den Einsatz von Schnelltests.

Aber auch diese werden erst einmal nur in begrenzter Zahl zur Verfügung stehen und wir werden sie zunächst für unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, für das Pflege- und Gesundheitspersonal oder zum Beispiel für Polizei und Feuerwehr einsetzen.

Ich kann Ihnen nichts versprechen. Aber wenn wir jetzt konsequent unnötige Kontakte vermeiden, dann haben wir zumindest eine Chance auf schöne Feiertage im Kreise unserer Familien und Freunde.

Sie, liebe Berlinerinnen und Berliner, bleiben unsere wichtigsten Verbündeten. Ich weiß, es ist für uns alle eine Belastung, es ist eine angespannte Zeit. Der November ist der Monat der Eigenverantwortung. Wir haben es selbst in der Hand, gut durch diese Krise zu kommen.

Ich danke Ihnen für Ihre Solidarität und Unterstützung.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr
Michael Müller
Regierender Bürgermeister von Berlin

Brief des Regierenden Bürgermeisters

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