Ehrenbürgerschaft Berlins

Verleihung Ehrenbürgerwürde an Wolfgang Schäuble
Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Dr. Wolfgang Schäuble am 24. Oktober 2016 (v.l.n.r.: Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble, Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin).
Bild: Landesarchiv Berlin

Das Ehrenbürgerrecht ist die bedeutendste Auszeichnung Berlins. Der Senat verleiht es im Einvernehmen mit dem Abgeordnetenhaus an Persönlichkeiten, die sich in hervorragender Weise um die Stadt verdient gemacht haben. Bis Oktober 2016 sind 119 Personen zu Ehrenbürgern Berlins ernannt worden. Vorschlagsberechtigt sind das Abgeordnetenhaus, die Mitglieder des Senats, die Bezirksämter und die Bezirksverordnetenversammlungen.

Die Ehrenbürger erhalten eine vom Regierenden Bürgermeister und vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses unterschriebene Ehrenbürgerurkunde, auf der ihre Verdienste angegeben sind. Ehrenbürger dürfen sich von einem Künstler ihrer Wahl für die Galerie der Ehrenbürger im Abgeordnetenhaus porträtieren lassen. Sollten sie bedürftig werden, steht ihnen eine Ehrenversorgung zu. Der Senat lädt die Ehrenbürger zu Bekanntmachungen und Feierlichkeiten als Ehrengäste ein. Außerdem bekommen Ehrenbürger kostenlos eine Jahreskarte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und das Amtsblatt Berlins. Die Grabstätten von Berliner Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürgern werden ohne besonderes Anerkennungsverfahren und ohne zeitliche Begrenzung als Ehrengrabstätten des Landes Berlin anerkannt.

Geschichte der Ehrenbürgerschaft Berlins

Der erste Ehrenbürger Berlins war Conrad Gottlieb Ribbeck, Oberkonsistorialrat und Probst zu Berlin. Er wurde am 6. Juli 1813 ernannt. Seine Verdienste: Während der französischen Besatzung Berlins hat sich Ribbeck bemüht, die Belastung der Berliner durch Einquartierungen zu lindern. Er wandte sich außerdem gegen das Landsturm-Edikt von Friedrich Wilhelm III. Damit verhinderte Ribbeck, dass alle Berliner Familienväter in den Krieg ziehen mussten.

In der Steinschen Städteordnung von 1808 gab es noch keine schriftliche Festlegung für die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Erst mit der Revidierten Städteordnung wurde dieses Recht am 17. März 1881 offiziell eingeführt. Zum historischen Hintergrund: Die Steinsche Städteordnung räumte nur einer wohlhabenden Minderheit der Berliner Bevölkerung das Bürgerrecht ein. Durch die Ehrenbürgerwürde konnten auch Berliner ohne volles Bürgerrecht zu Bürgern gemacht werden. Fünf Ehrenbürger wurden 1948 aus der Liste gestrichen. Ihre Listenplätze in der Zählung bleiben unbesetzt. Einer von ihnen war Adolf Hitler.

Nach der Vereinigung Deutschlands gab es Diskussionen darüber, wie die Listen Ost- und Westberliner Ehrenbürger zusammengeführt werden sollten. Von den 25 in Ostberlin ernannten Ehrenbürgern wurden schließlich sieben Personen in die neue Liste übernommen. Zu denen, die 1992 ihre Ehrenbürgerwürde verloren, gehört der erste Präsident der ehemaligen DDR Wilhelm Pieck.

Am 24. Oktober 2016 wurde Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin verliehen. Er ist die Nummer 119 auf der Liste der Ehrenbürger.