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Rathausturm

Der Turm des Roten Rathauses ist von Weitem sichtbar. Dass er heute noch steht, ist keine Selbstverständlichkeit.

Ende 1938 geriet der Turm ins Visier von Architekten und Stadtplaner um Albert Speer, welche Berlin nach den Vorstellungen der NS-Führung umgestalten wollten. Während im historischen Stadtkern Berlins östlich der Spree massive Eingriffe in die Bausubstanz vorgesehen waren, akzeptierte Adolf Hitler die bestehenden Bauwerke entlang der Straße Unter den Linden. In der Blickachse vom Brandenburger Tor in Richtung Stadtschloss störte den Diktator jedoch der prägnant aufragende Rathausturm. Speer beauftragte seinen Pressechef Rudolf Wolters, die Reaktion der Berliner Bevölkerung auf einen möglichen Abriss zu testen.

Zu diesem Zweck erschien am 8. Januar 1939 im “Berliner Lokal-Anzeiger” unter der Schlagzeile “Steht der ‘Rote Turm’ im Wege?” ein Artikel, in dem die Leserzuschrift eines Wieners zitiert wurde, der nach einem Besuch vom harmonischen Erscheinungsbild der Straße Unter den Linden schwärmte, allerdings mit einer Einschränkung: “Doch eins stört dieses Bild – es sind nicht die fehlenden Bäume, auch nicht die dünnen Laternchen, – es stört ein Turm, der Rathausturm.”

Verfasst hatte den fingierten Leserbrief, dessen Entwurf Hitler persönlich vorgelegt worden war, Rudolf Wolters. Hitler nahm mehrere handschriftliche Korrekturen vor und ergänzte (fett): “Er paßt hier nicht hin – in diese Achse des alten und neuen Berlin.”

Der anonyme Schreiber schlug vor, den Rathausturm zu entfernen. Ergänzt wurde der Zeitungsartikel um den Hinweis, die Redaktion sei neugierig darauf, was die Berliner dazu sagen werden. Reaktionen sind allerdings nicht dokumentiert. Allein das Fehlen jeglicher weiteren Berichterstattung lässt darauf schließen, dass die Zuschriften derart ablehnend ausfielen, dass auf eine weitere Verfolgung des Planes “Turmabriss” verzichtet wurde.

  • Diese und weitere spannende Geschichten sind nachzulesen in der neuen Chronik “Das Rote Rathaus in Berlin – eine politische Geschichte” von Thomas Flemming, Gernot Schaulinski und Bernd Ulrich. Mehr Informationen zum Buch

So tickt die Uhr im Roten Rathaus

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