Die Machtergreifung

Machtergreifung 1933
Bild: Landesarchiv Berlin

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Zunächst gehörten dem Kabinett lediglich zwei weitere Nationalsozialisten an. Die Vorstellung der rechtskonservativen Kräfte, die NSDAP “einrahmen” zu können, erwies sich jedoch schon bald als fataler Irrtum. Durch die Notverordnungen vom 4. und 28. Februar 1933 (nach dem Reichstagsbrand) wurden verfassungsmäßige Grundrechte aufgehoben.

Zugleich war damit die scheinlegale Handhabe zum weiteren Machtausbau geschaffen. Vor dem Hintergrund massiver Einschüchterungen und Behinderungen der politischen Gegner waren die Reichstagswahlen vom 5. März 1933 schon nicht mehr demokratisch. Am 23. März 1933 wurde mit dem “Ermächtigungsgesetz” das Parlament ausgeschaltet.

Noch in der Nacht vom 30. zum 31. Januar 1933 hatten die Nationalsozialisten einen pompösen Fackelzug veranstaltet, bei dem Verbände von SA, SS und “Stahlhelm” durch das Brandenburger Tor marschierten. Der Maler Max Liebermann, einer der Hauptvertreter des Impressionismus, kommentierte das Treiben von seiner Wohnung am Pariser Platz aus mit den Worten: “Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.” Liebermann, ein urberliner Typ, der sich auch selbst wegen seiner jüdischen Herkunft Anfeindungen ausgesetzt sah, trat im Mai 1933 aus der Preußischen Akademie der Künste aus, der er über zwölf Jahre als Präsident vorgestanden hatte. Auf diese Weise protestierte er dagegen, dass die Akademie bereits zahlreiche Mitglieder aus politischen oder “rassischen” Gründen ausgeschlossen hatte und sich so – wie viele andere gesellschaftliche Institutionen – selbst “gleichschaltete”, ohne zu diesem Zeitpunkt dazu gezwungen gewesen zu sein.