Waldsiedlung Zehlendorf ist Welterbe!

Deutsche Delegation auf der 48. Sitzung des UNESCO Welterbe-Komitees in Busan

Deutsche Delegation auf der 48. Sitzung des UNESCO Welterbe-Komitees in Busan

Berlin zählt zu den wenigen Metropolen, die auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten gleich mehrfach vertreten sind. Am 26. Juli 2026 wurde auf der 48. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Busan/Südkorea entschieden, auch die Waldsiedlung Zehlendorf als siebten Teil der Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ einzutragen. Die Entscheidung ist das Ergebnis eines aufwendigen internationalen Nominierungsprozesses, den das Land Berlin – federführend durch die Oberste Denkmalschutzbehörde (OD) und das Landesdenkmalamt (LDA) – seit 2021 durchlaufen hat.

„Die Waldsiedlung Zehlendorf ist eine der größten und der außergewöhnlichsten Siedlungen der 1920er Jahre in Deutschland. Die Einbettung der Anlage in das vorhandene Waldgebiet, die prägnante Farbigkeit oder die konsequente Verwendung von Flachdächern sind nur einige der herausragenden Qualitäten der Siedlung. Gemeinsam mit den anderen sechs Siedlungen der Berliner Moderne setzte sie neue Maßstäbe für gesundes und sozial orientiertes Wohnen, die weit über Berlin hinaus den Wohnungsbau des 20. Jahrhunderts prägten. Die Eintragung als UNSECO-Welterbe ist eine Würdigung des langjährigen Engagement der Bewohnerinnen und Bewohner für ihre Siedlung“, sagt Landeskonservator Prof. Dr. Christoph Rauhut.

  • Presserundgang in der Waldsiedlung Zehlendorf, Landeskonservator Prof. Christoph Rauhut, Leiter der Obersten Denkmalschutzbehörde Nils-Christian Kallweit, Senator Christian Gaebler und Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff (v.l.)

    Presserundgang in der Waldsiedlung Zehlendorf, Landeskonservator Prof. Christoph Rauhut, Leiter der Obersten Denkmalschutzbehörde Nils-Christian Kallweit, Senator Christian Gaebler und Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff (v.l.)

  • Start des Presserundgangs im Kiefernhof in der Waldsiedlung Zehlendorf

    Start des Presserundgangs im Kiefernhof in der Waldsiedlung Zehlendorf

  • Presserundgang in der Waldsiedlung Zehlendorf

    Presserundgang in der Waldsiedlung Zehlendorf

  • Presserundgang in der Waldsiedlung Zehlendorf, Leiter der Obersten Denkmalschutzbehörde Nils-Christian Kallweit, Senator Christian Gaebler und Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff (v.r.)

    Presserundgang in der Waldsiedlung Zehlendorf, Leiter der Obersten Denkmalschutzbehörde Nils-Christian Kallweit, Senator Christian Gaebler und Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff (v.r.)

  • Mit Kuchen, Kaffee und Sekt wird die Eintragung der Waldsiedlung Zehlendorf vor Ort gefeiert

    Mit Kuchen, Kaffee und Sekt wird die Eintragung der Waldsiedlung Zehlendorf vor Ort gefeiert

  • Vor dem Kieztreff in der Waldsiedlung Zehlendorf wird der Welterbekuchen angeschnitten und gemeinsam angestoßen

    Vor dem Kieztreff in der Waldsiedlung Zehlendorf wird der Welterbekuchen angeschnitten und gemeinsam angestoßen

  • Senator Christian Gaebler und Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff verteilen den Welterbekuchen an die Gäste

    Senator Christian Gaebler und Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff verteilen den Welterbekuchen an die Gäste

  • Unterstützt von KliQ und dem Kieztreff in der Frisierkunst wurde am Ende mit allen Gästen angestoßen

    Unterstützt von KliQ und dem Kieztreff in der Frisierkunst wurde am Ende mit allen Gästen angestoßen

Waldsiedlung Zehlendorf

Die Waldsiedlung Zehlendorf, auch bekannt als „Onkel-Tom-Siedlung“, ist eine Wohnanlage im Stil des Neuen Bauens, die sich rund um die Verkehrsachse am U-Bahnhof „Onkel Toms Hütte“ der U-Bahnlinie 3 und der Argentinischen Allee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf erstreckt. Die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolph Salvisberg errichteten für die Wohnungsbaugenossenschaft GEHAG in der kurzen Zeit von 1926 bis 1932 eine der größten und bekanntesten deutschen Siedlungen der 1920er Jahre. Von den insgesamt 1.917 Wohneinheiten wurden 1.108 im Geschosswohnungsbau in Mehrfamilienhäusern mit bis zu drei Geschossen und 809 Einfamilienhäuser errichtet.
In der Waldsiedlung sollte bezahlbarer Wohnraum in einer gesunden und naturnahen Umgebung entstehen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner erhielten einen eigenen „Außenwohnraum“ und zahlreiche Gemeinschaftsräume. Die Gestaltung der Freiflächen durch Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre erfolgte gleichberechtigt zum Hochbau. So entstand eine harmonisch im Naturraum gelegene, funktional moderne Anlage mit durchgehenden Flachdächern, differenzierter Farbigkeit und optimaler verkehrlicher Anbindung.

Der neue Status als Welterbe wird keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Wohnen mit sich bringen. Vielmehr ist die Eintragung als UNESCO-Welterbe als eine internationale Anerkennung der Qualität und der Bedeutung der Siedlung zu verstehen. Zugleich kann die Auszeichnung das Bewusstsein für ihren besonderen Wert stärken und identitätsstiftend auf die Gemeinschaft wirken. Die Beteiligungsformate im Rahmen des Nominierungsprozesses haben gezeigt, dass bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ein großes Interesse an der Geschichte der Siedlung besteht und sie sich bereits stark mit dieser identifizieren. Der im Zuge der Nominierung entwickelte Managementplan stellt sicher, dass die Bewohnerschaft auch künftig eingebunden bleibt.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Waldsiedlung Zehlendorf und der Einschreibung der Waldsiedlung Zehlendorf als Erweiterung der Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ richtet das Landesdenkmalamt vom 27. bis 30. August 2026 ein Festival in der Siedlung aus.

Weitere Informationen

Film "Siedlungen der Berliner Moderne"

Film der Deutschen UNESCO-Kommission zu den Siedlungen der Berliner Moderne und der Erweiterung Waldsiedlung Zehlendorf

Formate: video/youtube

Ein Film der Deutschen UNESCO-Kommission zu den "Siedlungen der Berliner Moderne" und der Erweiterung um die Waldsiedlung Zehlendorf

Karte Erweiterungsvorschlag Waldsiedlung Zehlendorf

Karte „Siedlung der Berliner Moderne“: Waldsiedlung Zehlendorf

In dem direkten Umfeld eines UNESCO-Welterbes gelten bei potentiellen baulichen Veränderungen besondere Qualitätsansprüche. Aus diesem Grund wird eine so genannte Pufferzone um das Welterbe gelegt. Damit soll die Qualität der Stätte in ihrer Wirkung und ihrem Erscheinungsbild gesichert werden.

Hintergrundinformationen zum Berliner Welterbe

  • Die Siedlungen der Berliner Moderne

    Im Jahr 2008 wurde Berlin als eine Metropole der Moderne in den 1920er Jahren auf den Gebieten der Architektur, der Freiraumplanung und des Städtebaus durch die Ernennung der sechs „Siedlungen der Berliner Moderne“ zum Welterbe ausgezeichnet.

    Die „Siedlungen der Berliner Moderne“ umfassen derzeit
    • die Gartenstadt Falkenberg,
    • die Siedlung Schillerpark,
    • die Großsiedlung Britz,
    • die Wohnstadt Carl Legien,
    • die Weiße Stadt
    • und die Großsiedlung Siemensstadt.

    Weitere Informationen zu den Siedlungen der Berliner Moderne finden Sie hier.

  • Baugeschichtlicher Hintergrund

    Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) herrschte in Deutschland ein enormer Wohnungsmangel. Berlin war als aufstrebende und expandierende Industriemetropole mit einer rasch wachsenden Bevölkerung am stärksten von der Wohnungsnot mit einem Defizit von mindestens 130.000 Wohnungen betroffen. Die einkommensschwache oder arbeitssuchende Bevölkerung fand lediglich in den „Mietskasernen“ eine Unterkunft. Dort herrschten schlechte und unhygienische Wohnverhältnisse.
    Die Gründung der Weimarer Republik im Jahr 1919 markierte einen wichtigen Wendepunkt in der Berliner Stadtentwicklung. Demokratische Reformen und neue Wahlgesetze ermöglichten eine stärker sozial ausgerichtete Stadtplanung. Ausschlaggebend für den letztendlichen Erfolg und den enormen Anstieg der Bautätigkeit ab dem Jahr 1924 waren drei Entwicklungen: erstens die Etablierung gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften, zweitens die Einführung einer Hauszinssteuer und drittens die Reform der Bauvorschriften. An Stelle der Mietskasernen traten mit den „Siedlungen der Berliner Moderne“ bezahlbare Wohnungen mit Küchen, Bädern und Balkonen ohne Hin¬terhöfe und Seitenflügel, dafür mit Licht, Luft und Sonne. Darin lag ein gesellschaftliches und soziales Versprechen: Gutes Wohnen sollte nicht wenigen vorbehalten bleiben, sondern breiten Bevölkerungsschichten offenstehen.
    Die „Siedlungen der Berliner Moderne“ sind ein außergewöhnlicher Ausdruck einer breit angelegten Wohnungsbaureform, die einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen in Berlin geleistet hat. Ihre städtebauliche, architektonische und gartengestalterische Qualität sowie in dieser Zeit entwickelte Wohnstandards dienten in der Folge als Leitlinie für den sozialen Wohnungsbau inner- und außerhalb Deutschlands. Die führenden Architekten der Moderne, die an der Planung und am Bau der Siedlungen beteiligt waren, ließen neue gestalterische Lösungen sowie technische und ästhetische Innovationen darin einfließen.

  • Welterbe in Berlin

    Das UNESCO-Welterbekomitee, bestehend aus 21 gewählten Vertragsstaaten, entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand bereits eingetragener Stätten sowie strategischer Ausrichtungen. Aktuell (Stand Juni 2026) umfasst die Liste 1.248 Stätten in 170 Ländern, davon 55 in Deutschland.
    Allein drei von Ihnen sind in Berlin verortet. Bereits kurz nach der Wiedervereinigung wurden die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ in die Welterbeliste aufgenommen. Als Berlin-Brandenburger Welterbestätte umfasst sie auf über 2.000 Hektar Schlösser wie das Schloss Sanssouci, das Neue Palais oder das Schloss Glienicke und weitere herausragende Gebäudeensemble sowie eine einzigartige Gartenlandschaft.
    Im Jahr 1999 stimmte die UNESCO der Aufnahme der „Museumsinsel“ in die Welterbeliste zu. Damit würdigte das Komitee die geschichtliche, aber auch städtebauliche Qualität eines einzigartigen Ensembles von Baudenkmalen, das die Entwicklung der Museumsarchitektur und des Bildungsgedankens seit der Aufklärung bis ins frühe 20. Jahrhundert eindrucksvoll dokumentiert. Die Museumsinsel feierte im Jahr 2025 mit dem Baubeginn des Alten Museums ihr 200-jähriges Bestehen und setzte die Feierlichkeiten im Jahr 2026 fort. Weitere Informationen finden Sie hier.

Impressionen aus der Waldsiedlung Zehlendorf

  • Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Wilskistraße 36

    Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Wilskistraße 36

  • Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Wilskistraße Ecke Riemeisterstraße

    Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Wilskistraße Ecke Riemeisterstraße

  • Waldsiedlung Zehlendorf, nördlicher Bauabschnitt / Treibjagdweg 12, 10

    Waldsiedlung Zehlendorf, nördlicher Bauabschnitt / Treibjagdweg 12, 10

  • Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Am Fischtal 71, 73

    Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Am Fischtal 71, 73

  • Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Im Gestell 26, 28

    Waldsiedlung Zehlendorf, südlicher Bauabschnitt / Im Gestell 26, 28

  • Waldsiedlung Zehlendorf - Argentinische Allee 6

    Waldsiedlung Zehlendorf - Argentinische Allee 6

  • Waldsiedlung Zehlendorf, Ladenlokal

    Waldsiedlung Zehlendorf, Ladenlokal

  • Waldsiedlung Zehlendorf - Treppenhaus Wilskistraße

    Waldsiedlung Zehlendorf - Treppenhaus Wilskistraße

  • Waldsiedlung Zehlendorf - Ladenpassage Süd

    Waldsiedlung Zehlendorf - Ladenpassage Süd

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