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NEULAND – Wandel, Abriss, Neubesinnung

Kunstraum-Schaufenster Heinrich Böll-Bibliothek leer
Bild: Dirk Teschner

NEULAND – Wandel, Abriss, Neubesinnung – kuratiert von Dirk Teschner.
Realisiert in Kooperation von artspring berlin und der Heinrich-Böll-Bibliothek. Die Ausstellungsreihe NEULAND wird gefördert durch das Bezirksamt Pankow von Berlin.

KORN Kunstraum – im Schaufenster

der Heinrich-Böll-Bibliothek, Greifswalder Straße 87, im Prenzlauer Berg

In der Ausstellungsreihe NEULAND werden sich Künstler*innen in Installationen, Collagen und Fotografien mit der „DDR-Moderne“ in Architektur und Design und ihren tragenden kollektiven Träumen, Utopien und Täuschungen befassen und ihre Sicht auf den anhaltenden Prozess der „Gentrifizierung“ und seine stadträumlichen Folgen präsentieren.
Die Reihe wird vom Künstler Dirk Teschner kuratiert, der für sie das große Schaufenster der Heinrich-Böll-Bibliothek zum Kunstraum KORN umgewidmet hat. Sie findet im Rahmen des Kunstfestivals artspring berlin statt, das schon im letzten Jahr mit der Heinrich-Böll-Bibliothek kooperieren durfte.

Astrid Busch / Flächennutzungsplan

03.06. – 01.08.2021

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 03. Juni 2021, 18 Uhr

Utopische Räume, ideale Städte und reale Stadtplanungen verweben sich in den Arbeiten von Astrid Busch und zeigen ein Wechselspiel von Vision und Wirklichkeit, von Errungenschaft und Scheitern. Die Künstlerin bezieht sich auf die Architektur von Roland Korn und überschreibt historische Bilder oder Fundstücke mit der eignen fotografischen Arbeit. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Atmosphärischem und Architektonischem, zwischen stimmungshafte Unbestimmtheit und kompositorisch fest Gebautem.

Die Ausstellungen im Kunstraum KORN werden kuratiert von Dirk Teschner. Gefördert durch das Bezirksamt Pankow von Berlin. Mit freundlicher Unterstützung von www.artspring.berlin und der Heinrich-Böll-Bibliothek Berlin.

GESPENSTER – es ist ein Irrtum, dass die Toten tot sind

15. April – 23. Mai 2021 | Roland Boden,
Ausstellungsbeginn: 15. April, 18 Uhr (draußen)

In der zweiten Ausstellung des Kunstraum KORN zitiert der Künstler Roland Boden das monumentale Thälmann-Denkmal, das sich nicht weit vom Ausstellungsort im Ernst-Thälmann-Park befindet. Mitten in der erst 1987 fertiggestellten Hochhaus-Wohnanlage wurde damals eine überdimensionale Büste Ernst Thälmanns aufgestellt; in ungebrochener Fortsetzung der Heldenverehrung des 1945 im KZ Buchenwald ermordeten Arbeiterführers. Bis heute ist die Erinnerung an diese Figur gespalten – ignorieren die einen das persönliche Opfer Thälmanns, leugnen die anderen, dass er als stalintreuer KPD-Vorsitzender die unheilvolle Politik der Bekämpfung der Sozialdemokraten noch vorantrieb, als in der Endzeit der Weimarer Republik längst ein Bündnis der Arbeiterparteien gegen Hitler nötig geworden war. In einer grausamen Volte der Geschichte sind viele seiner Mitstreiter, meist nicht weniger stalintreu als er, nach der Emigration in die Sowjetunion in die Mühlen des „Großen Terrors“ der 30er Jahre geraten – denunziert, verhaftet, in Schauprozessen abgeurteilt, in die Lager des GULAG verschleppt oder sofort „liquidiert“. Wenige blieben verschont und waren dennoch nach der Rückkehr 1945 rastlos und selbstlos tätig, um die erträumte Gesellschaftsreform nach stalinistischen Maßstäben im Osten Deutschlands zu verwirklichen.
Die Installation „GESPENSTER“ zeigt einen Vorhang, der ein leicht verfremdetes Foto des heutigen Zustands des Thälmann-Denkmals flankiert. Der Vorhang ist mit einem Raster kleiner Tonbüsten bestückt, die entfernt an mexikanische Totenkultmasken erinnern. Die wie an einer Perlenschnur aufgereihten grotesken Köpfe stellen einen Verweis auf die deutschen Kommunisten und Linksliberalen dar, die in den 30er Jahren im sowjetischen Exil ermordet wurden. Ein Satz Heiner Müllers kommentiert die Installation: „… es ist ein Irrtum, dass die Toten tot sind.“

GESPENSTER von Roland Boden
Bild: Roland Boden

Roland Boden beschäftigt sich mit Malerei, tektonischen Fragen und fiktionalen Recherchen. Er erhielt zahlreiche Stipendien u. a. 1998 das Arbeitsstipendium Ohio Arts Council, Cleveland / USA, 2002 das Stipendium IASKA Perth / Australien, 2003 das Jahresstipendium Deutsche Akademie Villa Massimo Rom, 2004 einen Arbeitsaufenthalt in Buenos Aires / Argentinien, 2009 das Stipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn, 2020 den Falkenrot-Preis Berlin, 2020 das Recherche-Stipendium des Berliner Senats und ist in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten.

NEULAND – Wandel, Abriss, Neubesinnung

Die deutsche Vereinigung liegt über dreißig Jahre zurück – noch lebendige Erinnerung für viele, aber nicht mehr gegenwärtig. Nicht nur die Zeit davor, auch die ersten Jahre der tiefgreifenden Umwälzung im neuen „Ostdeutschland“ entfernen sich aus dem Leben, den Haltungen, den Stimmungen und werden zu archäologischen Schichten des kollektiven Unbewussten. Hier liegen die vergessenen Abdrücke verschwundener Erfahrungen, Krisen, Brüche und Kämpfe um die Wiederkehr von Marktbeziehungen, die Transformation der Rechtsverhältnisse, den Abbruch sozialer Institutionen, die Schließung von Industriebetrieben und den Umbau ganzer Stadtlandschaften des Ostens. Die Geschwindigkeit und Tiefe der Verwandlung hat neben Überholtem auch Brauchbares beseitigt und neben produktiver Erneuerung auch seltsam altmodische Ersetzungen hervorgebracht – nicht zuletzt im Wohnungs- und Städtebau. Bekannte Beispiele sind der Palast der Republik, ersetzt durch die Kopie eines Hohenzollernschlosses, das Ahornblatt, ersetzt durch gesichtslose Renditearchitektur, und die sorgfältige Restaurierung vieler Mietshausfassaden im Stil des wilhelminischen Kaiserreichs.
Zugleich ziehen Teile der DDR-Architektur und ihres Designs ein wachsendes Interesse auf sich.
In der Ausstellungsreihe NEULAND werden sich Künstler:innen in Installationen, Collagen und Fotografien mit der „DDR-Moderne“ in Architektur und Design und ihren tragenden kollektiven Träumen, Utopien und Täuschungen befassen und ihre Sicht auf den anhaltenden Prozess der „Gentrifizierung“ und seine stadträumlichen Folgen präsentieren.

Der vergessene Raum zwischen Schrank und Wand

Bildvergrößerung: Reinert Linken Leipzig Projektraum
Bild: Jochen Wermann

25. Februar bis 04. April 2021
Schaufenster der Heinrich-Böll-Bibliothek

Den Auftakt bildet am 25.02.2021 die Pankower Künstlerin Inken Reinert mit einer Installation aus Elementen von in der DDR gefertigten Schrankwänden, die dort in fast jedem Haushalt zu finden waren.
In wechselnd raumgreifenden Konstellationen spielt sie kontext- und ortsbezogenen Konstruktions-Varianten durch, die in den starren Grundrissen der Plattenbau-Wohnungen nicht möglich waren. Sie zerbricht die starren Formen der standardisierten Wohnmöbel und öffnet den Blick auf eine voraus liegende archäologische Schicht, von der die Idee der architektonischen Moderne, mehr statt weniger Spielräume und Varianten zu schaffen, in Erinnerung gerufen wird.

Kuratiert von Dirk Teschner. Realisiert in Kooperation von artspring berlin und der Heinrich-Böll-Bibliothek, gefördert durch das Bezirksamt Pankow von Berlin.

Vernissage: 25.Februar 2021, ab 18 Uhr
Finissage: 04. April 2021, ab 18 Uhr

  • 15. April bis 23. Mai 2021
    Roland Boden
  • 03. Juni – 01. August 2021
    Astrid Busch

und 3 weitere Ausstellungsinterventionen bis 02.01.2022

Die jeweilige Ausstellung im Schaufenster ist täglich 24 Stunden besuchbar. Alle 2021 geplanten Veranstaltungen der Reihe sind kostenfrei.

von Pankow. Neben Lesungen und Ausstellungen veranstaltet sie, unter der Leitung von Tim Schumann, Konzerte und beteiligte sich an der Fête de la Musique.

Der Kurator 2021

Dirk Teschner ist Kurator und Publizist. Seit 2014 ist er Mitbetreiber des Ausstellungsraums HAMMERSCHMIDT + GLADIGAU in Erfurt. Er organisiert seit vier Jahren die Ausstellungsreihe KUNST GEGEN RECHTS und ist aktiv bei der Initiative DIE VIELEN.e.

artspring 2021

artspring berlin veranstaltet seit 2017 ein Kunstfestival im Großbezirk Pankow an – einen ganzen Monat Kunstaktionen, Konzerte, Performances, Lesungen, Ausstellungen, Screenings, Workshops und vor allen Dingen Offenen Ateliers. artspring wächst in jedem Jahr ein Stück weiter, stößt neue Ideen für die Sichtbarkeit von Kunst und Kultur an, schafft Kooperationen und Synergieeffekte.
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Impressum
Künstlerische Leitung: Julia Brodauf, Jan Gottschalk
Presse: Kerstin Karge, presse@ artspring.berlin , 0163.3959215
Büro: Judith Kuhlmann (Kulturmanagement), Susanne Gupta (Artothek)
www.artspring.berlin

Wir danken unseren Unterstützer*innen und Kooperationspartner*innen