Seit 2014 befindet sich das Internationale Congress Centrum (ICC) im Berliner Westen im Stillstandsbetrieb. Um das denkmalgeschützte Gebäude und Berliner Ikone wieder mit Leben zu füllen und einen international einzigartigen Standort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft mit langfristig tragfähiger Perspektive zu entwickeln, hat das Land Berlin am 25. November 2024 ein europaweites Konzeptverfahren gestartet. Nun ist ein entscheidender Meilenstein erreicht: Für die „Projektpartnerschaft Quartier ICC“ wurde eine offizielle Vergabeempfehlung ausgesprochen.
Auf Grundlage dieser Vergabeempfehlung wird das Land Berlin als Konzessionsgeberin der Projektpartnerschaft nun eine Exklusivitätsvereinbarung anbieten und die anschließende Anhandgabephase einleiten. In dieser rund zweijährigen Projektvorbereitungsphase werden unter anderem Baurecht, Finanzierung, Denkmalschutzfragen sowie die weitere Konkretisierung des Nutzungs- und Betriebskonzepts gemeinsam bearbeitet.
Mit der Arup Deutschland GmbH, der Coloured Fields GmbH, der GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, der HOCHTIEF Infrastructure GmbH, der ICCA Projektgruppe / Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank, der KVL Projektmanagement Berlin GmbH, der Max Dudler GmbH, der MIB AG Immobilien und Beteiligungen sowie der schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH vereint die Projektpartnerschaft führende Unternehmen und ausgewiesene Expertinnen und Experten aus den Bereichen Projektentwicklung, Stadtplanung, Architektur, Denkmalpflege, Kunst- und Kulturmanagement, Ingenieurwesen, Bauausführung und Projektsteuerung.
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Nach vielen Jahren des Stillstands ist es uns gelungen, eine echte Perspektive für das ICC zu schaffen. Das ICC ist ein Wahrzeichen Berlins. Wir wollen, dass es wieder ein Ort für Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Begegnung wird. Davon wird auch die Messe Berlin profitieren: Ein wiederbelebtes ICC stärkt den Standort rund um das Messegelände und den Berliner Westen insgesamt. Die Vergabeempfehlung ist dafür ein entscheidender erster Schritt. Wir werden jetzt alle weiteren Fragen angehen, insbesondere zu Finanzierung, Genehmigungen und Umsetzung. Ich danke der Wirtschaftssenatorin, dem Finanz- und Kultursenator, dem Stadtentwicklungssenator, der Verkehrssenatorin und allen beteiligten Verwaltungen für ihren großen Einsatz und die enge Zusammenarbeit.“
Franziska Giffey, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Das ICC ist eine Berliner Ikone, die seit Jahren auf ihre neue Zeit wartet. Heute zeigen wir, dass dieser unverwechselbare Ort eine Zukunft bekommt: Es entsteht ein neues, lebendiges und innovatives Quartier im Westen unserer Hauptstadt voller Möglichkeiten. Seit dem Beginn des Stillstandsbetriebs waren wir noch nie so weit wie heute. Wir haben über zwei Landesregierungen die letzten fünf Jahre intensiv daran gearbeitet. Jetzt erreichen wir gemeinsam einen echten Meilenstein. Wir starten in die konkrete Projektvorbereitungs- und Anhandgabephase und die Aushandlung der Erbbaurechtsverträge, die dann im neuen Berliner Landesparlament beschlossen werden sollen. Das ICC wird wieder mit Leben erfüllt und wieder zu dem Wahrzeichen des Stadteingangs West – dauert noch ein bisschen, aber wird mega.“
Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: „Das in den 70iger Jahren errichtete ICC war von jeher ein internationaler Dreh- und Angelpunkt, der Berlin als Weltstadt symbolisiert. In Verbindung mit einer zeitgemäßen Nutzung kann hier jetzt wieder angeknüpft werden. Die Pläne der Projektpartnerschaft Quartier ICC ermöglichen zukünftig eine bessere städtebauliche Einbindung des ICC und werden gleichzeitig die gesamtstädtische Entwicklung Berlins neu prägen. Ich freue mich, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen durch ihre planungsrechtliche Zuständigkeit für das Bebauungsplan-Verfahren verantwortlich ist.“
Birgit Möhring, Geschäftsführerin der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH: „Die Entwicklung des ICC ist eine außergewöhnliche Aufgabe – nicht nur aufgrund seiner Größe und Komplexität, sondern auch wegen seiner besonderen Bedeutung für Berlin. Mit der Vergabeempfehlung liegt nun eine belastbare Grundlage vor, um die nächste Phase der Projektentwicklung einzuleiten. Das vorgelegte Konzept zeigt, wie sich die Anforderungen an Denkmalschutz, öffentliche Nutzung und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbinden lassen. Nun gilt es, die zahlreichen fachlichen, rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, damit aus dieser Perspektive ein tragfähiges Zukunftsprojekt für das ICC werden kann.“
Projektpartnerschaft Quartier ICC: „Das ICC Berlin ist mehr als ein Gebäude – es ist ein Zukunftsversprechen für die kulturelle Strahlkraft der Stadt. Seine Wiederbelebung und die städtebauliche Umgestaltung des Quartiers machen Berlin erneut zu einem aktiven Gestalter der internationalen Kulturszene, aber auch im Bereich Wissenschaft- Forschung- und Bildung sowie Hospitality und setzen ein sichtbares Zeichen für Innovation, Austausch und kulturelle Exzellenz.“
Das ICC als internationaler Standort für Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Innovation
Das zur Vergabe empfohlene Konzept verfolgt das Ziel, das ICC zu einem international bedeutenden Standort für Kunst-, Kultur und Innovationen zu entwickeln. Die bisherige monofunktionale Nutzung als Kongresszentrum soll durch ein vielfältiges und dauerhaft für Berlinerinnen, Berliner und Gäste der Hauptstadt öffentlich zugängliches Quartier ersetzt werden, das an sieben Tagen in der Woche belebt ist.
Vorgesehen sind fünf zentrale Nutzungsbereiche: Der große Saal soll künftig flexibel für Konzerte, Veranstaltungen und weitere Formate genutzt werden. Der Saal 2 wird zu einem eigenständigen, offenen Ausstellungs- und Erlebnisraum weiterentwickelt, der ein neues ICC-Erlebnis schafft und die Veranstaltungsnutzung inhaltlich ergänzt. Das Mittelfoyer sowie weitere Bereiche sind für Gastronomie, Bars, Studios, Galerien und kulturelle Nutzungen vorgesehen. Herzstück des neuen Konzepts wird eine öffentlich zugängliche Passage im Erdgeschoss, die das Gebäude künftig von Nord nach Süd durchquerbar macht. Über einen zusätzlichen Eingang im Süden des Gebäudes und einen Innenraum, der ins Quartier zeigt, wird das ICC zu einem urbanen Boulevard und komplementiert das Veranstaltungsgeschäft in den Sälen.
Auf den an das ICC angrenzenden Grundstücken Messedamm 9 und Messedamm 11 sind Neubauten vorgesehen, die das ICC städtebaulich mit seiner Umgebung verbinden und neue Adressen am Messedamm schaffen. Am Messedamm 9 (dem heutigen Parkplatz) wird ein Hochhaus mit Hotel-, Wohn-, Büronutzungen entstehen. Das bestehende Parkhaus am Messedamm 11 wird durch ein modernes Parkhaus mit ergänzenden Hotel-, Büro-, Gastronomie- und Gewerbeflächen ersetzt. Gemeinsam mit attraktiven Vorplätzen, verbesserten Wegebeziehungen, neuen Eingängen und gastronomischen Angeboten entsteht ein ganztägig belebtes Quartier, das hier ganz neue kulturelle und wirtschaftliche Impulse setzt.
Zurück in die Zukunft: Historie und Zeitplan
Das ICC gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Berliner Nachkriegsmoderne. Seit der Einstellung des regulären Betriebs im Jahr 2014 befindet sich das Gebäude im sogenannten Stillstandsbetrieb. Allein die laufende Sicherung und Instandhaltung verursachen dem Land Berlin jährliche Kosten von rund zwei Millionen Euro.
Nach einem Interessenbekundungsverfahren in den Jahren 2018/2019 bestätigte der Senat 2023 die Durchführung eines Konzeptverfahrens zur Revitalisierung des ICC. Nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase mit umfangreichen Untersuchungen, darunter ein Schadstoffkataster, eine Machbarkeitsstudie und denkmalfachliche Gutachten, wurde das Verfahren im November 2024 europaweit gestartet.
Im Rahmen eines wettbewerblichen Dialogs entwickelte die Projektpartnerschaft in einem iterativen Prozess mit der hochkarätig besetzten Fach- und Sachjury ihr Konzept. Nach positiver Bewertung durch die Jury im April 2026 und der anschließenden Entscheidung des Steuerungsausschusses Konzeptverfahren wurde am 12. Juni 2026 die offizielle Vergabeempfehlung ausgesprochen.
Mit den nun bevorstehenden Verhandlungen zur Exklusivitätsvereinbarung und der darauffolgenden Anhandgabephase beginnt die nächste Etappe auf dem Weg zur Wiederbelebung des ICC. Ziel ist es, bis 2028 die Voraussetzungen für die Vergabe der Erbbaurechte zu schaffen. Erste Baumaßnahmen könnten ab 2029 beginnen, eine schrittweise Inbetriebnahme des neuen Quartiers wird ab 2032/2033 angestrebt.