Indikatoren der sozialen Benachteiligungen mehrheitlich wieder rückläufig, konjunkturelle Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit aber erkennbar
Die Entwicklung im Untersuchungszeitraum (31.12.2022 bis 31.12.2024) vollzog sich je nach Indikator unterschiedlich. Der Anteil der Arbeitslosen nach SGB II stieg von 4,6 Prozent in 2022 auf 5,1 Prozent in 2024, nachdem er im MSS 2023 rückläufig war. Damit spiegelt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Berlin den derzeit bundesweit schwankenden Trend wider. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen in alleinerziehenden Haushalten ist hingegen weiter rückläufig und sank von 27 Prozent auf 24,5 Prozent. Ähnlich verlief auch die Entwicklung des Anteils der nicht arbeitslosen Bezieherinnen und Bezieher von Transferleistungen. Er sank von 11,3 Prozent im Jahr 2022 auf 10,8 Prozent im Jahr 2024. Der Index-Indikator Kinderarmut ist zwischen 2022 und 2024 von 24,5 Prozent auf 23,3 Prozent gesunken, womit sich der rückläufige Trend der Kinderarmut erneut fortsetzt.
Die Aufnahme des Indikators Alleinerziehende im vergangenen MSS 2023 konnte soziale Problemlagen insbesondere in Siedlungen des Geschosswohnungsbaus im ehemaligen Ostteil der Stadt aufdecken. Diese konnten fast ausschließlich wieder bestätigt werden, was auch auf eine Belastbarkeit des Indikators Alleinerziehende hindeutet.
Die räumliche Verteilung der Gebiete mit sozial benachteiligten Einwohnenden in Berlin lässt weiterhin eine hohe Konstanz erkennen. Die Gebiete, in denen sich soziale Benachteiligungen besonders konzentrieren, befinden sich überwiegend in den Ortsteilen Gesundbrunnen, Kreuzberg, Staaken, Falkenhagener Feld, Neukölln, Neu-Hohenschönhausen, Marzahn, Hellersdorf, Reinickendorf und dem Märkischen Viertel. Der Großteil dieser Gebiete erfährt bereits besondere Aufmerksamkeit durch das Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt (Quartiersmanagementgebiete) und/oder die Ressortübergreifende Gemeinschaftsinitiative zur Stärkung sozial benachteiligter Quartiere (GI-Handlungsräume).
Innere Stadt mit überdurchschnittlich positiver Entwicklung
Rückläufige Entwicklungen sozialer Benachteiligungen finden sich vor allem in der Inneren Stadt. Die höchsten Konzentrationen positiver Dynamiken in der Inneren Stadt sind in den Planungsräumen der Bezirke Mitte (v. a. Ortsteil Gesundbrunnen) und in den Ortsteilen Neukölln und Kreuzberg zu verorten. Negative Dynamiken bzw. eine Zunahme sozialer Benachteiligungen treten in der Inneren Stadt weniger konzentriert auf. Die äußere Stadt ist dagegen von negativen Dynamiken und einem Anstieg der sozialen Benachteiligung geprägt. Das bedeutet einen Anstieg sozialer Benachteiligungen dort. Die meisten negativen Dynamiken finden sich dabei in Planungsräumen der Bezirke Spandau (v.a. Ortsteil Staaken) und Treptow-Köpenick (v.a. Ortsteil Köpenick). Positive Dynamiken in der Äußeren Stadt finden sich dabei weitläufiger, wie etwa im Bezirk Lichtenberg oder im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Bei rund 76 Prozent der betrachteten Planungsräume ist die Dynamik stabil.
Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf im Fokus
Gebiete, in denen sich soziale Benachteiligungen überdurchschnittlich stark konzentrieren, bedürfen eines besonderen stadtentwicklungspolitischen Fokus und werden im MSS als “Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf”(GmbA) identifiziert. Sie sind als Gebiete mit sehr niedrigem sozialen Status oder niedrigem sozialen Status bei gleichzeitig negativer Dynamik definiert. Insgesamt umfasst diese Gruppe 57 der 535 betrachteten Planungsräume (9 Prozent).
Gegenüber dem MSS 2023 sind 12 Planungsräume im MSS 2025 neu als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf ausgewiesen worden: Karower Chaussee (Pankow), Griesingerstraße, Im Spektefeld, Westerwaldstraße, Nonnendammallee (Spandau), Marienfelder Allee Nordwest (Tempelhof-Schöneberg), Ortolanweg, Goldhähnchenweg (Neukölln), Wittenberger Straße (Marzahn-Hellersdort), Wartenberg Süd (Lichtenberg), Teichstraße und Reinickes Hof (Reinickendorf). Im Gegenzug waren 5 Planungsräume im MSS 2023 als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf klassifiziert und sind es im MSS 2025 nicht mehr: Antonstraße, Schwedenstraße (Mitte), Freiheit (Spandau), Rosenbecker Straße (Marzahn-Hellersdorf) und Fennpfuhlpark (Lichtenberg).
Der Großteil der neuen Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf liegt in der äußeren Stadt und verdeutlicht damit den Trend zur Verschiebung sozialer Problemlagen aus der inneren in die äußeren Stadt.