Bericht Monitoring Soziale Stadtentwicklung Berlin 2025

Status/Dynamik-Index 2025

Status/Dynamik-Index 2025

Das Monitoring Soziale Stadtentwicklung (MSS) dient der kleinräumigen Beobachtung von Veränderungen der soziostrukturellen Entwicklung in den Teilgebieten der Stadt Berlin. Im Ergebnis des MSS werden auf räumlicher Ebene der Planungsräume Berlins Gebiete identifiziert, die im gesamtstädtischen Vergleich überdurchschnittlich stark von sozialer Benachteiligung betroffen sind und daher erhöhter stadtentwicklungspolitischer Aufmerksamkeit bedürfen. Dem MSS kommt im Rahmen der Stadtentwicklungspolitik Berlins eine Hinweis- und Frühwarnfunktion zu. In regelmäßigen Abständen wird das MSS auf methodische und fachliche Zielgenauigkeit überprüft und bei Bedarf modifiziert.

Die hier vorgelegte Fortschreibung des Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2025 (MSS 2025) umfasst den Beobachtungszeitraum der Jahre 2023 und 2024 (Datenstand: 31.12.2022 bis 31.12.2024). Gegenüber dem bisherigen Monitoringverfahren gibt es geringfügige Anpassungen. Wichtigste Änderung stellt die Nutzung der neuen Grenzen der Lebensweltlich orientierten Räume (LOR) ab 01.01.2021 dar. Diese LOR-Modifikationen umfassen Teilungen, Zusammenlegungen, Namensänderungen und ID-Änderungen sowie zum Teil Neuzuschneidungen von Planungsräumen. Für die Index-Indikatoren zur Arbeitslosigkeit und zum Transferbezug wird nun die stufenweise Anhebung der Regelaltersgrenze nach § 7a SGB II von bisher 65 auf perspektivisch 67 Jahre berücksichtigt. Die Berechnungen zum MSS 2025 erfolgen nach wie vor anhand eines gestuften Indexverfahrens. Basierend auf den vier Index-Indikatoren, die jeweils als Status und als Dynamik (Veränderung Status über 2 Jahre) dargestellt werden, erfolgt die Berechnung eines Status- und eines Dynamik-Index:

  • Arbeitslosigkeit (nach SGB II),
  • Kinder und Jugendliche in alleinerziehenden Haushalten
  • Transferbezug (existenzsichernde Leistungen für Nicht-Arbeitslose nach SGB II und XII)
  • Kinderarmut (Transferbezug SGB II der unter 15-Jährigen).

Aus der Überlagerung der gebildeten vier Klassen des Status-Index (hoch, mittel, niedrig, sehr niedrig) und der drei Klassen des Dynamik-Index (positiv, stabil, negativ) wird im Ergebnis des MSS 2025 der Gesamtindex Soziale Ungleichheit in insgesamt 12 Ausprägungen ermittelt, denen die betrachteten 542 Planungsräume* zugeordnet werden. Diese Zuordnung ermöglicht für jeden der betrachteten Planungsräume eine Aussage über dessen aktuelle soziale Situation sowie dessen Entwicklung in den Jahren 2023 und 2024.

*) Um Verzerrungen durch Zufallsfehler weitgehend auszuschließen und Datenschutzprobleme zu vermeiden, finden sieben Planungsräume mit weniger als 300 Einwohnerinnen und Einwohnern (im Betrachtungszeitraum 2023 – 2024) im MSS 2025 bei der Indexberechnung keine Berücksichtigung.

Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2025

Indikatoren der sozialen Benachteiligungen mehrheitlich wieder rückläufig, konjunkturelle Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit aber erkennbar

Die Entwicklung im Untersuchungszeitraum (31.12.2022 bis 31.12.2024) vollzog sich je nach Indikator unterschiedlich. Der Anteil der Arbeitslosen nach SGB II stieg von 4,6 Prozent in 2022 auf 5,1 Prozent in 2024, nachdem er im MSS 2023 rückläufig war. Damit spiegelt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Berlin den derzeit bundesweit schwankenden Trend wider. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen in alleinerziehenden Haushalten ist hingegen weiter rückläufig und sank von 27 Prozent auf 24,5 Prozent. Ähnlich verlief auch die Entwicklung des Anteils der nicht arbeitslosen Bezieherinnen und Bezieher von Transferleistungen. Er sank von 11,3 Prozent im Jahr 2022 auf 10,8 Prozent im Jahr 2024. Der Index-Indikator Kinderarmut ist zwischen 2022 und 2024 von 24,5 Prozent auf 23,3 Prozent gesunken, womit sich der rückläufige Trend der Kinderarmut erneut fortsetzt.
Die Aufnahme des Indikators Alleinerziehende im vergangenen MSS 2023 konnte soziale Problemlagen insbesondere in Siedlungen des Geschosswohnungsbaus im ehemaligen Ostteil der Stadt aufdecken. Diese konnten fast ausschließlich wieder bestätigt werden, was auch auf eine Belastbarkeit des Indikators Alleinerziehende hindeutet.
Die räumliche Verteilung der Gebiete mit sozial benachteiligten Einwohnenden in Berlin lässt weiterhin eine hohe Konstanz erkennen. Die Gebiete, in denen sich soziale Benachteiligungen besonders konzentrieren, befinden sich überwiegend in den Ortsteilen Gesundbrunnen, Kreuzberg, Staaken, Falkenhagener Feld, Neukölln, Neu-Hohenschönhausen, Marzahn, Hellersdorf, Reinickendorf und dem Märkischen Viertel. Der Großteil dieser Gebiete erfährt bereits besondere Aufmerksamkeit durch das Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt (Quartiersmanagementgebiete) und/oder die Ressortübergreifende Gemeinschaftsinitiative zur Stärkung sozial benachteiligter Quartiere (GI-Handlungsräume).

Innere Stadt mit überdurchschnittlich positiver Entwicklung

Rückläufige Entwicklungen sozialer Benachteiligungen finden sich vor allem in der Inneren Stadt. Die höchsten Konzentrationen positiver Dynamiken in der Inneren Stadt sind in den Planungsräumen der Bezirke Mitte (v. a. Ortsteil Gesundbrunnen) und in den Ortsteilen Neukölln und Kreuzberg zu verorten. Negative Dynamiken bzw. eine Zunahme sozialer Benachteiligungen treten in der Inneren Stadt weniger konzentriert auf. Die äußere Stadt ist dagegen von negativen Dynamiken und einem Anstieg der sozialen Benachteiligung geprägt. Das bedeutet einen Anstieg sozialer Benachteiligungen dort. Die meisten negativen Dynamiken finden sich dabei in Planungsräumen der Bezirke Spandau (v.a. Ortsteil Staaken) und Treptow-Köpenick (v.a. Ortsteil Köpenick). Positive Dynamiken in der Äußeren Stadt finden sich dabei weitläufiger, wie etwa im Bezirk Lichtenberg oder im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Bei rund 76 Prozent der betrachteten Planungsräume ist die Dynamik stabil.

Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf im Fokus

Gebiete, in denen sich soziale Benachteiligungen überdurchschnittlich stark konzentrieren, bedürfen eines besonderen stadtentwicklungspolitischen Fokus und werden im MSS als “Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf”(GmbA) identifiziert. Sie sind als Gebiete mit sehr niedrigem sozialen Status oder niedrigem sozialen Status bei gleichzeitig negativer Dynamik definiert. Insgesamt umfasst diese Gruppe 57 der 535 betrachteten Planungsräume (9 Prozent).
Gegenüber dem MSS 2023 sind 12 Planungsräume im MSS 2025 neu als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf ausgewiesen worden: Karower Chaussee (Pankow), Griesingerstraße, Im Spektefeld, Westerwaldstraße, Nonnendammallee (Spandau), Marienfelder Allee Nordwest (Tempelhof-Schöneberg), Ortolanweg, Goldhähnchenweg (Neukölln), Wittenberger Straße (Marzahn-Hellersdort), Wartenberg Süd (Lichtenberg), Teichstraße und Reinickes Hof (Reinickendorf). Im Gegenzug waren 5 Planungsräume im MSS 2023 als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf klassifiziert und sind es im MSS 2025 nicht mehr: Antonstraße, Schwedenstraße (Mitte), Freiheit (Spandau), Rosenbecker Straße (Marzahn-Hellersdorf) und Fennpfuhlpark (Lichtenberg).
Der Großteil der neuen Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf liegt in der äußeren Stadt und verdeutlicht damit den Trend zur Verschiebung sozialer Problemlagen aus der inneren in die äußeren Stadt.

Erläuterungen zu den Indikatoren und Indizes zum MSS 2025 (Fortschreibung der Indikatorenblätter)

Mit der Fortschreibung des Monitoring Soziale Stadtentwicklung Berlin 2025 (MSS 2025) wird auch die 5. Fortschreibung der “Indikatorenblätter” vorgelegt.

In Ergänzung zu den Berichten zum Monitoring Soziale Stadtentwicklung (MSS) ab 2013 wurde zur Erläuterung der im MSS 2025 verwendeten Indikatoren und berechneten Indizes

  • vier Status-Indikatoren,
  • vier Dynamik-Indikatoren,
  • Status-Index,
  • Dynamik-Index,
  • Gesamtindex Soziale Ungleichheit (Status/Dynamik-Index)

jeweils ein sogenanntes “Indikatorenblatt” erarbeitet. Diese Erläuterungen zu den Indikatoren und Indizes sollen all jenen, die auf der fachlichen, politischen oder wissenschaftlichen Ebene mit dem Monitoring Soziale Stadtentwicklung arbeiten, den Zugang und die vergleichende Interpretation im Umgang mit den Indikatoren erleichtern.

In den Indikatorenblättern wird die Kernaussage des jeweiligen Indikators bzw. Index, die Berechnungsformel und die Datenbasis sowie seine Verfügbarkeit in der Zeitreihe dargestellt. In einem Kommentar wird auf methodische, inhaltliche und sozialräumliche Aspekte seiner Aussagekraft im Kontext der sozialen Stadtentwicklung eingegangen.

Downloads

  • Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2025 Berlin – Kurzfassung

    Hinweis: Das Dokument ist barrierearm.

    PDF-Dokument (7.1 MB)

  • Indikatorenblätter MSS 2025 – Kurzfassung

    Hinweis: Das Dokument ist barrierearm.

    PDF-Dokument (1.6 MB)

Kontakt

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Referat Stadtentwicklungsplanung

Inhaltliche Konzeption / Bearbeitung:
Herr Herrmann-Fiechtner

Bearbeitung/Kartographie:
Frau Stutenbecker

Gruppenleitung:
Herr Hebecker