Berlin stärkt Baustellenkoordinierung: intensivere Kontrollen, bessere Informationen und digitale Steuerung

Pressemitteilung vom 22.09.2026

Aus der Sitzung des Senats am 22. September 2026:

Der Senat hat heute auf Vorlage von Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, den Schlussbericht zur Baustellenkoordinierung zur Kenntnis genommen und ein integriertes Gesamtkonzept zur verkehrlichen Baustellenkoordinierung beschlossen, das vier Handlungsfelder zukünftig noch enger verzahnt: gemeinsame Kontrollen an Arbeitsstellen, digitale Baustellenkontrolle, verbesserte Information der Öffentlichkeit und eine gesamtstädtische Koordinierungsplattform.

Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: „Arbeitsstellen im öffentlichen Straßenland werden aufgrund des großen Investitionsbedarfs im öffentlichen Raum in Zukunft noch weiter zunehmen. Mit gemeinsamen Kontrollen, digitaler Erfassung und einer zentralen Koordinierungsplattform bringen wir Planung, Genehmigung und Aufsicht enger zusammen.“

Gemeinsame Kontrollen zeigen Handlungsbedarf

Seit April 2026 kontrollieren die Polizei Berlin, verschiedene Bezirksämter und die zuständige Senatsverwaltung im Pilotprojekt „Gemeinsame Kontrollgruppe Arbeitsstellen an Straßen” (GeKAS) vor Ort. Ziel ist es, Mängel schneller zu erkennen, die Zusammenarbeit der Behörden zu verbessern und bestehende Vorgaben konsequenter durchzusetzen. Bei 48 kontrollierten Arbeitsstellen wurden in ca. 80 Prozent der Fälle Mängel festgestellt – etwa fehlende verkehrsrechtliche Anordnungen oder Sondernutzungserlaubnisse, Abweichungen von Verkehrszeichenplänen sowie unzureichende Fuß- und Radverkehrsführungen. Mehrfach wurden Nachbesserungen direkt vor Ort veranlasst.
Die Kontrollen zeigen zugleich Grenzen der bestehenden Instrumente, insbesondere bei Sanktionsmöglichkeiten sowie personellen und technischen Kapazitäten. Die Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung der Kontrollpraxis ein, etwa bei der eindeutigeren Kennzeichnung Verantwortlicher auf Baustellenschildern und bei wirksameren Sanktionen.

Digitale Kontrolle mit BVG-Bussen

Parallel dazu erprobt Berlin mit der Digitalen Kontrolle von Arbeitsstellen an Straßen (DiKAS) einen neuen Ansatz: Seit Juni 2026 erfassen mit Smartphones ausgestattete BVG-Busse während ihrer regulären Fahrten Baustellen, Beschilderungen und Verkehrseinrichtungen. Die Daten werden automatisiert mit den genehmigten Sachständen abgeglichen, sodass Abweichungen schneller erkannt und risikoreiche Arbeitsstellen gezielt für Vor-Ort-Kontrollen ausgewählt werden können. Der Pilotbetrieb läuft bis Dezember 2026. Anschließend werden die Erfahrungen ausgewertet und die dauerhafte Nutzung geprüft.

Mehr Information direkt an der Baustelle

Auch die Kommunikation wird weiter verbessert. Ein im Mai 2026 vorgestelltes einheitliches Muster für Baustelleninformationsschilder informiert künftig über Art und Zweck einer Maßnahme, den voraussichtlichen Zeitraum, den Vorhabenträger, Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie – soweit erforderlich – verkehrliche Einschränkungen. So sollen Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende und Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer besser nachvollziehen können, warum, wie lange und unter wessen Verantwortung eine Baustelle eingerichtet wurde. Zusätzlich wird die Verkehrsinformationszentrale stärker in die Verbreitung von Baustelleninformationen eingebunden. Im Zuge der Modernisierung des Verkehrsinformationssystem Straße (VISS) wird geprüft, wie aktuelle Angaben zum Baustatus künftig zentral digital bereitgestellt werden können.

Baustellenkoordinierung wird digital

Ein weiterer wesentlicher Aspekt des Gesamtkonzepts ist eine gesamtstädtische Koordinierungsplattform, die die bislang getrennten Prozesse von Planung, Antragstellung, Genehmigung, Koordinierung und Kontrolle zusammenführt. Vorgesehen sind unter anderem eine gemeinsame Datenbasis für geplante und genehmigte Maßnahmen, Schnittstellen zum Baustellenatlas und weiteren Systemen, eine gemeinsame Kartenansicht, automatische Benachrichtigungen, eine frühzeitige Erfassung geplanter Vorhaben, eine automatische Kollisionsprüfung sowie Dokumentations- und Auswertungsfunktionen. Damit sollen Konflikte zwischen Bauvorhaben frühzeitig erkannt und Maßnahmen besser aufeinander abgestimmt werden. Die Entwicklung ist Teil der VISS-Modernisierung. Eine erste Demoversion ist für Sommer 2027 geplant, der Echtbetrieb soll im zweiten Halbjahr 2028 starten.

Frühzeitige Abstimmung über Bezirksgrenzen hinweg

Ergänzend sollen regelmäßige Abstimmungsformate mit Bezirksämtern, Bauherren, Versorgungsunternehmen, weiteren Vorhabenträgern und der Hauptverwaltung stattfinden, um Abhängigkeiten und Konflikte zwischen Bauvorhaben frühzeitig zu erkennen, bezirksübergreifend abzustimmen und Belastungen wichtiger Verkehrsachsen zu reduzieren.

Aufgrabeverbot wird digital berücksichtigt

Auch das seit 2014 geltende Aufgrabeverbot fließt in die Weiterentwicklung der digitalen Verfahren ein: Technische Prüfroutinen sollen künftig sicherstellen, dass es systemseitig beachtet wird. Ausnahmen bleiben auf begründete Einzelfälle beschränkt und werden nachvollziehbar dokumentiert. Aktuell werden bereits rund 97 Prozent der Sondernutzungsanträge digital gestellt.

Ausblick

Mit dem Gesamtkonzept verbindet Berlin erstmals Kontrolle, Digitalisierung, Kommunikation und Koordinierung zu einem integrierten Ansatz. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Wirksame Baustellenkoordinierung braucht verlässliche Daten, enge Zusammenarbeit der beteiligten Behörden und Vorhabenträger, ausreichende Kontrollmöglichkeiten und eine transparente Information der Öffentlichkeit.

Aktuell werden die laufenden Pilotprojekte ausgewertet, die digitalen Verfahren weiterentwickelt und die organisatorischen sowie rechtlichen Voraussetzungen für eine dauerhaft wirksame, gesamtstädtische Baustellenkoordination geschaffen.