Architekturgeschichte des Roten Rathauses

Das Rote Rathaus entstand von 1861 bis 1870. Der Stil und das Detailreichtum der leuchtend-roten Backsteinfassade des Roten Rathauses sind besonders. Mitten in Berlin wurde das Rote Rathaus als Vierflügelanlage im Stil der italienischen Frührenaissance angelegt, mit Elementen normannischer Architektur. An seiner Stelle – der heutigen Rathausstraße, der früheren Königsstraße / Ecke Spandauer und Jüdenstraße – standen auch die Vorgänger der Berliner Rathäuser. Insgesamt waren es vier. Dies ist das fünfte Haus, das damals hier errichtet wurde. Zwischen Rathaus-, Jüden-, Gruner- und Spandauer Straße sticht sein markanter Turm mit 94 Metern Höhe hervor.

Die Geschichte des seit 1979 denkmalgeschützten Gebäudes reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und steht für die wertvolle Geschichte Berlins, für Brüche und Neuanfänge. Die Anfänge des Berliner Rathauses gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Bau des Rathauses im 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts genügte das alte Berliner Rathaus mit seiner Einfachheit und der maroden Bausubstanz nicht mehr den Ansprüchen einer aufstrebenden Haupt- und Residenzstadt. Nachdem sich die Finanzlage der Stadt in den 1850er-Jahren spürbar verbessert hatte, wurde 1857 ein Wettbewerb für den Entwurf eines neuen Rathauses ausgelobt. Da dieser zu keinem überzeugenden Ergebnis führte, wurde 1859 der erfahrene Baumeister Hermann Friedrich Waesemann (1813 bis 1879) beauftragt, ein neues Rathaus zu errichten. Unterstützt wurde Waesemann von den Architekten Friedrich Wilhelm Otto Reißner und Bernhard Friedrich Daniel Kolscher sowie von Johann Wilhelm Schwedler, einem der wichtigsten preußischen Bauingenieure des 19. Jahrhunderts. Die Büste von Hermann Friedrich Waesemann steht im Obergeschoss des Foyers.

Erste Sitzungen von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung

Noch vor dem Richtfest des zweiten Bauabschnitts tagte der Magistrat, also die Stadtregierung, erstmals 1865 im neuen Roten Rathaus, das fortan Regierungs- und Verwaltungssitz war. 1870 fand dann die erste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung des Kommunalparlaments im neuerbauten Rathaus statt, wobei feierliche Eröffnungsreden gehalten wurden. Damals war die Gestaltung des Roten Rathauses allerdings nicht abgeschlossen. In den 1870er-Jahren wurden Terrakotta-Reliefs an den Balkonbrüstungen des ersten Stockwerks ergänzt. Sie erzählen die Geschichte Berlins vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Auch der technische Fortschritt hielt Einzug ins Rote Rathaus: Schon 1882 wurden Fernsprechanlagen eingerichtet; einige Jahre später stellte man auf elektrische Beleuchtung um.

Bauliche Veränderungen im 20. Jahrhundert

Als Berlin 1920 zur Einheitsgemeinde mit größerer Verwaltung wurde, musste auch der Stadtverordnetensaal vergrößert werden. Anlässlich der Austragung der Olympischen Spiele während der NS-Diktatur im Jahr 1936 wurde das Rathaus umfangreich modernisiert und umgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Rote Rathaus durch Bomben- und Artillerietreffer stark beschädigt. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Teilung der Stadt 1948 folgte von 1951 bis 1955 der Wiederaufbau – damals Sitz der Ost-Berliner Stadtverwaltung – . In dessen Zuge wurde auch die Innenarchitektur des Roten Rathauses grundlegend verändert. Viele Säle und Räume erhielten andere Funktionen, wurden stark vereinfacht oder im Stil der 1950er-Jahre neugestaltet. So wurde zum Beispiel die Decke des damaligen Sitzungssaals (heute Festsaal), der sich ursprünglich über zwei Stockwerke erstreckt hatte, abgehangen. Die Fassade wollte man originalgetreu wiederherstellen. Dazu wurde mit viel Aufwand ein detailliertes Verzeichnis der verschiedenen Ziegelformen erstellt, nach dem dann die benötigten Steine in einer Ziegelei in Südbrandenburg gebrannt wurden.

Das Rote Rathaus 1990 bis heute

In der ersten Aufbruchsphase nach dem Mauerfall lag das politische Zentrum der Stadt noch für rund anderthalb Jahre im West-Teil Berlins, im Schöneberger Rathaus. Die Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins war auch für das Rote Rathaus folgenreich. Mit dem Umzug des Regierenden Bürgermeisters vom Schöneberger in das Rote Rathaus 1991 wurde erneut umfangreich modernisiert und umgebaut. Ergänzt wurden Aufzugstürme in den Innenhöfen und Installationen wie eine moderne Flurbeleuchtung. 2010 wurde auf dem Dach eine Solarstromanlage installiert.

Gedenktafeln

An der Außenfassade des Roten Rathauses zur Jüdenstraße befinden sich Gedenktafeln für Heinrich Wilhelm Krausnick, der von 1834 bis 1862 Oberbürgermeister war, und für Hermann Friedrich Waesemann, den Rathausbaumeister. Im großen Innenhof an der Jüdenstraße sind Gedenktafeln zur ersten Sitzung des Magistrats 1865, zur ersten Stadtverordnetenversammlung 1870 und zur Feier aus Anlass des Zusammentritts des Ersten Deutschen Reichstages am 17. April 1871 angebracht.

Zeitstrahl

Jahr Rotes Rathaus Berlin
1237 Erste urkundliche Erwähnung der Stadt Berlin
1861 Grundsteinlegung
1865 Erste Sitzung des Magristrats nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, Amtssitz des Oberbürgermeisters
1867 Richtfest
1869 Eröffnung des Ratskellers; Fertigstellung des Rathauses
1870 Erste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung
1871 Gründung des Deutschen Reiches, Berlin wird seine Hauptstadt
1879 Fertigstellung der Steinernen Chronik
1914-1918 Erster Weltkrieg
1920 Vergrößerung des Stadtverordnetensaales; Bildung der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin
1933 Umgestaltung der Innenräume und des großen Treppenhauses Entmachtung des Magistrats durch die Nationalsozialisten, Gleichschaltung der Verwaltung
1939-1945 Zweiter Weltkrieg
1945 Starke Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, Einsetzung eines neuen Magistrats durch die sowjetische Besatzungsmacht Berlin unter alliierter Besatzung
1948/1949 Auszug der nichtkommunistischen Stadtverordneten ins Schöneberger Rathaus Berlin-Blockade, Spaltung der Stadt
1951 Wiederaufbau (bis 1955), größere innere Umbauten, neue Funktionen der Säle Beginn des getrennten Wiederaufbaus beider Stadthälften
1955 Umzug von SED-Magistrat und Stadtverordnetenversammlung ins wiederhergestellte Rote Rathaus
1961 Bau der Berliner Mauer
1987 Renovierung der Außenfassade 750-Jahr-Feier in beiden Stadthälften
1989 Erster Berliner “Runder Tisch” (4. Dezember) Fall der Berliner Mauer (9. November)
1990 Wiedervereinigung Berlins, gemeinsame Verwaltung beider Stadthälften
1991 Umfangreiche Modernisierungs- und Umbauarbeiten, seit dem 1. Oktober Sitz des Regierenden Bürgermeisters Beschluss des Deutschen Bundestags zur Verlegung des Regierungssitzes von Bonn nach Berlin
1999 Aufnahme der Arbeit von Bundesregierung und
Bundestag in Berlin
2011 Archäologische Ausgrabungen und Freilegung von Resten des alten Rathauses
2012 775. Stadtjubiläum
2019 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer
2020 150-jähriges Rathausjubiläum 100 Jahre Groß-Berlin, Eröffnung des U5-Bahnhofs „Rotes Rathaus“
2024 35. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer

Ein Blick hinter die Kulissen: Das Rote Rathaus in Deutsch und Englisch

  • Die Geschichte des Roten Rathauses in Deutsch und Englisch

    150 Jahre Rotes Rathaus. Das Dokument ist barrierefrei.

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