Ex-CDU-Landeschefin kritisiert Entwicklung der Werte-Union

Ex-CDU-Landeschefin kritisiert Entwicklung der Werte-Union

Die Brandenburger CDU-Bundestags- und Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig hat sich von der Werte-Union distanziert - einem ultrakonservativen Netzwerk, dem sie früher selbst angehörte. «Die Werte-Union hat sich in der letzten Zeit stärker aus der CDU heraus entwickelt, so dass die Partei in Gänze von etwaigen Impulsen und Ideen nicht mehr profitieren konnte», sagte die ehemalige CDU-Landesvorsitzende der Deutschen Presse-Agentur. «Diese Entwicklung zeichnete sich schon länger ab. Deshalb habe ich die Gruppe auch bereits zu Ostern letzten Jahres verlassen.»

Saskia Ludwig

© dpa

Saskia Ludwig sitzt im Landtag.

Damals stand noch Alexander Mitsch an der Spitze, der erst vor kurzem ausgetreten ist. Interne Kritiker werfen seinem Nachfolger Max Otte vor, den Verein nach rechts rücken und zur AfD hin öffnen zu wollen.
Die CDU-Politikerin Ludwig gehörte im Jahr 2017 zu den Initiatorinnen der Werte-Union in Brandenburg. Sie warb bereits in ihrer Funktion als Landeschefin von 2010 bis 2012 für solche Werte. «Die Werte-Union war zu einem bestimmten Zeitpunkt eine notwendige Basis für CDU-Mitglieder, die sich mit der Neuausrichtung der Partei, ohne inhaltliche Debatten zu führen, übergangen fühlten», sagte Ludwig.
Sie rief die Partei im Bundestagswahljahr zu Geschlossenheit unter dem Vorsitzenden und Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet auf. Sein Angebot, die CDU als Volkspartei wieder breiter aufzustellen, sei ein Angebot an alle Mitglieder der Partei, sagte sie. «Jetzt sollte die CDU geschlossen hinter Armin Laschet stehen, dem es täglich gelingt, die unterschiedlichen Positionen in der Union zusammenzuführen. Er hat unser Vertrauen verdient.» Laschet binde die Bürgerlich-Konservativen ein, so dass sich eine Beteiligung der Werte-Union erübrige. «Ihre desolate Lage spricht für sich.»
Der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Bommert ist noch Mitglied der Werte-Union - er prüft nach eigenen Angaben aber, ob er dabei bleibt. Auch er verweist auf den neuen Parteichef: Armin Laschet fahre einen anderen Kurs und binde Wirtschaftskonservative wie Friedrich Merz ein, «so dass die Werte-Union dann überflüssig ist», sagte Bommert.
Die Werte-Union sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung. Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Hessens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Volker Bouffier hatten CDU-Mitglieder zum Austritt aus der Werte-Union aufgefordert. Der Verein hat nach eigenen Angaben über 4000 Mitglieder, darunter sind auch solche ohne CDU-Parteibuch. Die CDU hat rund 400.000 Mitglieder, rund 140.000 sind es bei der CSU.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 7. Juli 2021 15:10 Uhr

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