Lebensmittelkontrollen: Gastronomen schneiden meist gut ab

Lebensmittelkontrollen: Gastronomen schneiden meist gut ab

Nur geringe Mängel werden bei Lebensmittelkontrollen in Brandenburgs Gaststätten festgestellt. Aber viel Arbeit fließt in die Bürokratie, statt ins Kochen oder die Gästebetreuung.

Lebensmittelkontrolleur überprüft die Temperatur von Nudeln

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Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur von chinesischen Nudeln. Foto: Uwe Anspach/Archivbild

Potsdam (dpa/bb) - Gastronomiebetriebe in Brandenburg bekommen bei Lebensmittel- und Hygienekontrollen regelmäßig gute Noten - obwohl der Aufwand dafür immer größer wird. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Die Gastronomen schneiden bei Kontrollen überwiegend gut ab», sagt der Sprecher der Landeshauptstadt Potsdam, Jan Brunzlow. Durchschnittlich würden Betriebe in Potsdam zweimal im Jahr kontrolliert. Besonders interessiert die Kontrolleure die Hygiene von Betrieb, Personal und Lebensmitteln sowie die richtige Kennzeichnung von Zutaten.  
«Bei den meisten gastronomischen Einrichtungen werden lediglich Mängel bei der Kenntlichmachung von Zusatzstoffen und Allergenen festgestellt», berichtet Sabine Kramer, Amtstierärztin des Landkreises Prignitz. Ihr Amt ist auch für die Lebensmittelüberwachung zuständig. Bei rund 25 Prozent der Gaststätten würden meist kleine Mängel bei Ordnung und Sauberkeit sowie im Umgang mit den Produkten festgestellt. Dann seien gebührenpflichtige Nachkontrollen fällig aber auch Verwarnungen oder Bußgelder.
Von den Sanktionen sind laut Kramer besonders Imbisse betroffen. «Dort kam es auch schon zu kurzzeitigen Betriebsschließungen kommen», sagt die Amtstierärztin. Nach Beseitigung der Mängel hätten die Lokale wieder öffnen können.   
Kein Problem mit den Kontrollen, wohl aber mit dem Aufwand hat der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in Brandenburg. «Bevor der Koch an den Herd geht, hat er in der Regel schon eine Stunde Büroarbeit hinter sich», kritisiert DEHOGA-Hauptgeschäftsführer Olaf Lücke. Nach Küchenschluss folgten weitere Stunden für Dokumentation und Buchführung.
Immer neue Gesetze und EU-Richtlinien sowie «Übervorsicht» sorgten für mehr Bürokratie. «Auch wenn Betriebe gar keine Schädlinge haben, müssen sie ein Schädlingsbekämpfungsprotokoll führen», nennt Lücke ein Beispiel. Außerdem seien Kontrollen von Amt zu Amt und Bundesland zu Bundesland verschieden. «Deshalb fordern wir bundesweit einheitliche Standards bei den Kontrollen, damit sich die Betriebe adäquat darauf einstellen können», so der DEHOGA-Geschäftsführer.     
Auch aus den Kommunen kommen Klage. Für Firmen mit häufigem Betreiberwechsel oder mit älterer Bausubstanz sei das eine Herausforderung, sagt der Potsdamer Stadtsprecher Jan Brunzlow. Durch den Fachkräftemangel werde ungelerntes Personal ohne genügend Fach- und Sprachkenntnisse eingestellt. Dadurch werde die Dokumentation noch schwieriger.
«Die Anforderungen an die Lebensmittelunternehmer und Gastronomen steigen stetig», sagt Stephanie Koßmann, Amtstierärztin des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Kleinere Betriebe würden sich nicht mehr zurechtfinden, Beanstandungen fielen dann recht hoch aus - «bei gleichbleibender Ordnung und Sauberkeit», wie sie hinzufügt.
Die Digitalisierung beschert den Gastronomen aber einige Erleichterungen. «Protokolle können schon bequem auf dem Tablet-PC erstellt werden», sagt Olaf Lücke. Mit Hilfe einer App werde etwa die Temperatur des Kühlschranks kontrolliert. Auch biete die DEHOGA ihren Mitgliedern Schulungsseminare und einen «Hygiene-Ordner». «Dafür haben wir von den Gastronomen bisher positives Feedback erhalten», sagt Lücke.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 28. Juli 2019 10:40 Uhr

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