Feldhasen leben gefährlich: Killer Straßenverkehr

Feldhasen leben gefährlich: Killer Straßenverkehr

Der Bestand der Feldhasen ist bundesweit stabil, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Besonders in Brandenburg droht den Langohren Gefahr - allerdings weniger aus den Gewehrläufen der Jäger.

Feldhase

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Ein Feldhase (Lepus europaeus) sitzt in einem vom Morgentau nassen Getreidefeld im Oderbruch. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Potsdam (dpa/bb) - Frohe Kunde vor Ostern: In Deutschland gibt es wieder mehr Feldhasen, wenn auch auf niedrigem Niveau. «Durchschnittlich zwölf Feldhasen pro Quadratkilometer gab es im Frühjahr 2018 auf Feldern und Wiesen in Deutschland, einen mehr als im Jahr zuvor», sagte der Sprecher des Deutschen Jagdverbandes (DJV), Torsten Reinwald, in Mainz.
Im Nordostdeutschen Tiefland mit den Länden Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg seien hingegen nur fünf Langohren registriert worden. In Brandenburg kommen etwa drei Viertel der unnatürlich gestorbenen Feldhasen durch den Straßenverkehr ums Leben, der Rest wird geschossen. In Sachsen waren 72 Prozent Verkehrsopfer, in Sachsen-Anhalt 64 und in Hessen 63.
Die meisten Tiere lebten im Nordwestdeutschen Tiefland, wo 16 Hasen pro Quadratkilometer gezählt wurden. Im Südwestdeutschen Mittelgebirge waren es 14 nach Angaben des Jagdverbandes, im Alpenvorland 12 und im Westdeutschen Mittelgebirge 11. Nur 7 Hasen wurden pro Quadratkilometer im Ostdeutschen Mittelgebirge erfasst. «Im Vergleich zum Frühjahr haben die Jäger im Herbst 18 Prozent mehr Feldhasen gezählt», sagte Reinwald. «Das ist die höchste Nettozuwachsrate seit 2007.»
Derzeit bekommen die Hasen Nachwuchs, sagte die Sprecherin des Landesjagdverbandes Brandenburg, Anja Semmele. In der Regel seien es in einem Wurf zwei bis drei Tiere, die in den Sassen, kleinen offenen Senken an Wiesen und Feldern, aufwachsen. Dadurch seien die Kleinen jedoch recht ungeschützt und durch Raubwild oder -vögel gefährdet. Kaninchen lebten hingegen in sichereren Erdbauten. Gerade junge Feldhasen seien extremen Gefahren ausgesetzt. So würden die Flächen vor der Mahd in der Regel leider zu selten nach sich versteckenden Hasen oder Rehkitzen abgesucht.
«Je mehr die Landschaften zersiedelt oder bearbeitet werden, desto weniger Lebensraum bleibt für die Tiere», stellte Semmele fest. Für Feldhasen gilt zwar eine gesetzliche Jagdzeit - in Brandenburg vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember -, sie würden jedoch freiwillig von Gesellschaftsjagden geschont. Heute seien die Jäger eher froh, überhaupt einen Feldhasen zu Gesicht zu bekommen.
Mehr als 180 000 Feldhasen endeten im Jagdjahr 2017/2018 bundesweit unter Autoreifen oder wurden geschossen. In Brandenburg betrug die Jagdstrecke 2564 Feldhasen; in den beiden vorangegangenen Jagdjahren waren es noch 2752 beziehungsweise 3101 Tiere.
Das relativ seltene Auftreten von Hasen hat auch eine überraschende Konsequenz: «Schwierig wird mittlerweile die Ausbildung von Jagdhunden», sagte DJV-Sprecherin Semmele. Junge Hunde müssten für die ersten Prüfungen beweisen, dass sie eine Feldhasenspur aufnehmen und verfolgen können. «Das ist manchmal gar nicht so einfach umzusetzen.»
Der Deutsche Jagdverband will eine künftige unbürokratische Entlohnung der Landwirte erreichen, wenn sie beispielsweise Blühstreifen mit Wildkräutern anlegen. Damit soll unter anderem auch der Lebensraum für Feldhasen wieder sicherer werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 11. April 2019 07:10 Uhr

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