GEW warnt vor zunehmendem Lehrermangel in Brandenburg

Mit einem teuren Maßnahmebündel hat die rot-rote Regierung bereits die Attraktivität des Lehrerberufs angehoben - doch das reicht nach Ansicht der GEW nicht aus.
Günther Fuchs
Günther Fuchs. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv © dpa

Potsdam (dpa/bb) - Die Lehrergewerkschaft GEW in Brandenburg hat vor einem drastischen Lehrermangel in den nächsten Jahren gewarnt. Wegen des Zuzugs von Menschen aus Berlin in das Umland, der Migration und der höher als erwarteten Geburtenraten seien deutlich mehr Lehrkräfte notwendig als geplant, sagte Landeschef Günther Fuchs am Donnerstag in Potsdam.

Die Landesregierung plane, für das kommende Schuljahr 1200 neue Lehrer unter anderem als Ersatz für ausscheidende Lehrer einzustellen. Der tatsächliche Bedarf liege aber bei 1600 neuen Pädagogen. Diese seien aber am Markt nicht zu finden - bislang habe das Land erst 600 neue Kräfte gewonnen, darunter auch durch Entfristungen von bereits arbeitenden Lehrern. Jetzt würden die Versäumnisse der Bildungspolitik der vergangenen 10 bis 15 Jahre sichtbar, sagte Fuchs.

Er betonte, dass zusätzliche Studienplätze notwendig seien - aber erst in acht bis neun Jahren zu einer Entlastung führen könnten. Daher seien qualifizierte Seiteneinsteiger dauerhaft notwendig. Das Land hatte dazu kürzlich angekündigt, dass vom nächsten Jahr an alle neuen Seiteneinsteiger zunächst qualifiziert werden sollen, bevor sie in den Klassen unterrichten dürfen. Bislang lief Weiterbildung und Unterricht parallel.

Besonders viele Lehrer werden nach Einschätzung der GEW in den Grundschulen und Oberschulen fehlen. Auch sonderpädagogische Qualifikationen und Lehrer für technische Fächer wie Mathematik seien rar. Regional seien die ländlichen Regionen besonders betroffen.

Fuchs forderte zudem, die Schulen von Bürokratie zu entlasten. In vielen Schulen gebe es etwa keine Schulsekretärin mehr, auch fehle oft Personal, das sich um technische Geräte wie Computer kümmere. Auch der Ausbau der Inklusion dürfte nicht ohne zusätzliches Personal weiter vorangetrieben werden, forderte Fuchs. Die Rückbesinnung auf die Grundversorgung und deren Qualität sei daher der richtige Weg.

Nach Angaben der Gewerkschaft gibt es derzeit rund 286 000 Schüler in Brandenburg und 18 400 Lehrerstellen in Vollzeit. Weil einige der Lehrer in Teilzeit arbeiteten, gebe es im Land rund 20 000 Lehrer.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Landesregierung ein Paket zur Erhöhung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes vorgestellt - auch um angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels noch genügend Mitarbeiter gewinnen zu können. Es sieht unter anderem vor, dass mehr als 3300 Lehrkräfte an Grundschulen eine Besoldungsstufe höher eingestuft werden. Die GEW hatte das damals als Durchbruch und «historischen Schritt» für die Anerkennung der Arbeit der Lehrer gewertet.

Quelle: dpa
Aktualisierung: 24. Mai 2018
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