Elf Festnahmen in Missbrauchsfall - auch in Brandenburg

Elf Festnahmen in Missbrauchsfall - auch in Brandenburg

In einem neuen schweren Kindesmissbrauchsfall hat die Polizei Münster elf Verdächtige festgenommen. Sieben Beschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag in Münster mitteilten. Drei Kinder seien als Opfer identifiziert worden. Sie seien 5, 10 und 12 Jahre alt. Der Hauptbeschuldigte ist ein 27-Jähriger aus Münster. Bei den sechs weiteren, gegen die Haftbefehl erlassen wurde, handele es sich um dessen Mutter aus Münster sowie um Männer aus Staufenberg bei Gießen, Hannover, Schorfheide in Brandenburg, Kassel und Köln.

Pk nach schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern

© dpa

Martin Botzenhardt, Oberstaatsanwalt Staatsanwaltschaft Münster, spricht zur Presse.

In Ortsteil Finowfurt der Gemeinde Schorfheide (Barnim) hatte es am Freitag Durchsuchungen im Wohnhaus eines Tatverdächtigen und in einem Kleingarten gegeben. Der Tatverdächtige lebe mit Frau und zwei Söhnen dort. Erste Hinweise auf den Mann habe das zehnjährige Opfer gegeben, berichteten die Ermittler. Im Auto des Hauptverdächtigen sei die Adresse in Brandenburg gefunden und das Fahrzeug des 27-Jährigen sei auch in der Nähe von Schorfheide bemerkt worden. «Aber das waren noch keine belastbaren Beweise», sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Der Mann sei dann auf einem Video, das in Münster gedreht wurde, erkennbar gewesen. Daraufhin habe man ihn festnehmen können.
Die Ermittler hätten «unfassbare» Bilder sehen müssen, sagte der Leiter der Ermittlungen, Joachim Poll. Vier Männer sollen wechselweise einen 5- und einen 10-Jährigen Jungen in einer Gartenlaube in Münster über Stunden schwer sexuell missbraucht haben. Bei den Opfern handelt es sich laut den Ermittlern um den 10-jährigen Sohn der Lebensgefährtin des Münsteraners und um den 5-jährigen Sohn des Beschuldigten aus Staufenberg. Das habe die Auswertung einer bereits gelöschten Festplatte ergeben, die die Ermittler versteckt in einer Zwischendecke gefunden hätten, sagte Poll.
In einem Keller in Münster habe man einen komplett eingerichteten, klimatisierten Serverraum gefunden. Er sei dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuzurechnen, einem IT-Techniker, sagte Poll. Das Speichervolumen der sichergestellten Daten liege nach ersten Erkenntnissen bei über 500 Terabyte. Poll sprach von mehreren Hundert Asservaten an gefundener IT-Technik. Die Datenträger seien hochprofessionell verschlüsselt worden.
Den Ermittlern sei es bis heute nicht gelungen, alle Daten zu entschlüsseln. Poll sprach von aufwendigen, kniffligen und mit viel Technik verbundenen Ermittlungen. Der 27-Jährige aus Münster sei in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Coesfeld für die IT-Technik tätig gewesen.
Nordrhein-Westfalen war seit Anfang 2019 wegen mehrerer Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern in die Schlagzeilen geraten. Auf einem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe hatten mehrere Männer Kinder hundertfach über Jahre schwer sexuell missbraucht. Ermittlungen zu einem bundesweiten Kinderpornografie-Tauschring hatten im Oktober 2019 in Bergisch Gladbach bei Köln begonnen und erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte nach dem Fall Lügde das Thema Kindesmissbrauch zur Chefsache erklärt und die Arbeit der Ermittlungsbehörden in diesem Bereich verstärkt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 6. Juni 2020 17:10 Uhr

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