Multireligiöses Gebet zum Jahrestag des Attentats in Halle

Multireligiöses Gebet zum Jahrestag des Attentats in Halle

Mit einem Friedensgebet will die multireligiöse Initiative House of One in Berlin am ersten Jahrestag des rechtsextremistischen Anschlags in Halle an die Opfer von Antisemitismus und Hassverbrechen erinnern. Es ist für Freitag, 10 Uhr, in der Parochialkirche in Berlin-Mitte geplant. Daran nehmen unter anderem vom House of One Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hoberg und Imam Kadir Sanci teil sowie Vertreter weiterer Religionen und Konfessionen. Das teilte die Stiftung House of One am Dienstag mit. Das Friedensgebet ist nicht öffentlich, es ist aber ein Livestream auf der Website der Initiative geplant.

Synagoge in Halle

© dpa

Nur noch ein schmaler Weg führt zwischen den Blumen und Kerzen zur Tür der Synagoge Halle.

Bei dem Anschlag vor einem Jahr hatte ein Bewaffneter versucht, am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, die vollbesezte Synagoge in Halle zu stürmen. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine Passantin und in einem Dönerimbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Deutsche mehrere Menschen teils sehr schwer. Am vergangenen Sonntag hatte ein 29-Jähriger einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge mit einem Klappspaten angegriffen und erheblich verletzt.
«Wir dürfen nicht schweigen», sagte Pfarrer Gregor Hohberg. Aus Trauer solle nicht neuer Hass, sondern ein respektvolles Miteinander erwachsen. «Ich bin mir sicher, dass die ganz große Mehrheit in dieser Gesellschaft diesen Hass, diese Taten aus tiefstem Herzen verurteilt.» Imam Kadir Sanci forderte, die friedliebende Mehrheit müsse lauter werden. «In dieser Zeit, in der blinder Hass auf Andersgläubige, Andersdenkende oder Andersaussehende immer wieder umschlägt in Gewalt, ist das wichtiger denn je.» Rabbiner Andreas Nachama ergänzte, es sei noch viel zu tun auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in der es keine Opfer ausgrenzender Gewalt mehr geben werde.
Die Initiative House of One plant ein Bethaus für Christen, Muslime und Juden in Berlin. Es entsteht am Petriplatz in Berlin-Mitte, wo eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee Platz unter einem Dach finden sollen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 6. Oktober 2020 15:39 Uhr

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