Chef der Preußen-Kultur-Stiftung für selbstständigere Museen

Chef der Preußen-Kultur-Stiftung für selbstständigere Museen

Bei der anstehenden Reform der umstrittenen Stiftung Preußischer Kulturbesitz wollen Bund und Länder punktuell auch die betroffenen Einrichtungen und Museen ins entscheidende Gremium holen. «Bund und Länder haben sich entschieden, diesen Prozess gemeinsam mit einer Reformkommission zu steuern», sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin nach einer Sitzung des Stiftungsrates. «Unter dem Vorsitz des Bundes sind vier Länder beteiligt, nämlich Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Hamburg. Von der Stiftung sind der Präsident und der Vizepräsident als Verwaltungsleiter dabei.»

Hermann Parzinger

© dpa

Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Laut Parzinger sollen die vom Wissenschaftsrat benannten Probleme möglichst direkt angegangen werden. «Die Frage ist, wie man die Autonomie der einzelnen Einrichtungen und Museen konkret umsetzen kann. Da brauchen wir die Expertise der Einrichtungen und der Museen sowie externe Begleitung. Die werden über Arbeitsgruppen beteiligt sein und je nach Thema auch in der Reformkommission mitwirken», sagte Parzinger. «Wir müssen jetzt die Probleme angehen und schnell zu Lösungen kommen. Das wollen wir in drei bis fünf Jahren, frühestens in drei Jahren ist realistisch, spätestens in fünf wollen wir durch sein.»
Der wie die Stiftung von Bund und Ländern getragene Wissenschaftsrat hatte für Stiftung und Museen konstatiert, die Dachkonstruktion schränke die Entwicklung der Einrichtungen ein. Gründe dafür seien «tief gestaffelte Hierarchien und unklare Entscheidungsprozesse». Mit den Sammlungen von Weltrang, die für internationales Publikum von höchstem Interesse seien, werde das Potenzial nicht hinreichend ausgeschöpft. Als Ursache sieht der Wissenschaftsrat strukturelle Rahmenbedingungen und nicht ausreichende finanzielle Ausstattung.
Nach Vorlage der Analyse hatten die betroffenen Museumsdirektoren mehr Eigenverantwortung gefordert. «Die langwierigen und intransparenten Prozesse in einer tiefgestaffelten Hierarchie verhindern ein schnelles Eingehen auf aktuelle Fragestellungen und Wünsche des Publikums oder die Initialisierung neuer Forschungsvorhaben», hieß in einer gemeinsamen Stellungnahme. «Ein Weniger an Strukturen führt hier eindeutig zu einem Mehr an Handlungsfähigkeit. Das wäre dann auch mit einem Mehr an Verantwortlichkeit verbunden.»
«Über die Analyse bestand breiter Konsens», sagte Parzinger zur Studie des Wissenschaftsrates. «Wie mit den weitreichenden Empfehlungen umgegangen wird, muss man sehen. Man sollte es aber nicht vom Ende her denken.» Für ihn bleibe «die spartenübergreifende Vernetzung zentral».
«Wir wollen jetzt keinen jahrelangen Prozess um verfassungsrechtliche Fragen und Kulturföderalismus haben. Das sehen alle Beteiligten so», sagte Parzinger. «Wir wollen auf die Probleme schauen: Wie kann man Doppelstrukturen, steile Hierarchien abbauen und Autonomie in den Einrichtungen und Museen umsetzen? Dann wird man am Ende sehen, was die angemessene Form ist für die Struktur.»
Auch die als schwierig empfundene Finanzierungsstruktur mit gedeckelten Beiträgen der Länder außer Berlin und einer Kopplung der Zuschüsse des Bundes und des notorisch finanzschwachen Berlin wurden diskutiert. «Da gab es schon einen gewissen Konsens, dass man über die Entkopplung der Zuschüsse von Bund und Berlin sprechen muss», sagte Parzinger. «Aber das ist ein größeres politisches Rad, was man drehen muss.»
Allen Beteiligten sei klar, dass über Finanzierungsfragen geredet werden müsse. «Es geht hier um nichts weniger als um die Zukunft der größten deutschen Kultureinrichtung», sagte Parzinger. «Wir sind für Reformen bereit, aber wir müssen auch die Ressourcen für Veränderungen bekommen.»
Nach Angaben von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) soll eine Roadmap mit Zielen und Varianten für den Reformprozess erarbeitet werden. Erste Reformmaßnahmen sollten so bald wie möglich umgesetzt werden, hieß es in einer Mitteilung. «Es hat sich gezeigt, dass der Stiftungsrat die Notwendigkeit weitreichender Reformen bei der Stiftung erkennt und die Einschätzung des Wissenschaftsrates zur aktuellen Situation teilt», sagte Grütters. «Wir wollen gemeinsam die Stiftung modern und zukunftsfähig aufstellen.»
Die Staatlichen Museen zu Berlin umfassen 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten. Der Wissenschaftsrat hatte eine Gliederung der Stiftung mit rund 2000 Mitarbeitern in vier Organisationen vorgeschlagen: Museen mit Musikforschung in Trägerschaft nur noch von Bund und Land Berlin, Staatsbibliothek, Staatsarchiv und Ibero-Amerikanische Institut jeweils selbstständig ganz beim Bund.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 19. August 2020 21:05 Uhr

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