Zoo-Umfrage: Artenschutz für Besucher am wichtigsten

Zoo-Umfrage: Artenschutz für Besucher am wichtigsten

Panda, Gorilla und Co: Eine große Mehrheit der Bundesbürger sieht Artenschutz nach einer repräsentativen Studie als Hauptaufgabe von Zoos in Deutschland. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbandes der Zoologischen Gärten hervor, die am Donnerstag (02. Juli 2020) in Berlin vorgestellt wurde.

Seehunde im Zoo Berlin

© dpa

Der Erhalt der biologischen Vielfalt durch Pflege und Zucht von Tierarten, die in freier Wildbahn gefährdet sind, werteten 65 Prozent der Befragten als «sehr wichtig». Gut einem Viertel (28 Prozent) war diese Frage wichtig. Nur fünf Prozent ließ das Thema kalt.

Bildungsaspekt in Tiergärten sehr geschätzt

Mehr als der Hälfte der Befragten (55 Prozent) war auch das Engagement von Zoos für Naturschutz außerhalb der eigenen Gehege sehr wichtig, einem Drittel (36 Prozent) war dies wichtig. Den Bildungsaspekt in Tiergärten schätzte eine große Mehrheit der Interviewten. Zwei Drittel gaben an, bei ihrem letzten Zoobesuch etwas über Tiere gelernt zu haben. Sie stellten diese unmittelbare Erfahrung deutlich über das Anschauen eines guten Tierfilms.
Für die Studie ließ der Verband rund 1500 Menschen ab 14 Jahren im vergangenen November nach einem systematischen Zufallsprinzip befragen. Eine Mehrheit von 82 Prozent befürwortete dabei Zoos grundsätzlich und fand es auch richtig, wenn diese mit öffentlichen Geldern gefördert werden, heißt es in der Studie. Zwölf Prozent der Interviewten lehnten Zoos dagegen ab, der Rest hatte keine Meinung.

Junhold, Direktor des Leipziger Zoos: Wir sind Artenschutzzentren der Gegenwart

Viele Befragte (80 Prozent) gaben in der Studie auch an, nach einem Zoobesuch mehr Wertschätzung für Tiere zu empfinden. Verbandspräsident Jörg Junhold, Direktor des Leipziger Zoos, sieht den Kurs vieler Einrichtungen damit bestätigt: Sie seien Artenschutzzentren der Gegenwart, sagte er.

Tierrechts-Organisationen kritisieren Haltung in Gefangenschaft

Tierrechts-Organisationen wie Peta kritisieren dieses Selbstverständnis. Es nütze keinem Tier, in Zoo-Gefangenschaft vor dem Aussterben bewahrt zu werden, heißt es dort. Das Leben von Tieren hinter Gittern nutze nur dem Menschen. Nach einer Meinungsumfrage im Auftrag von Peta in diesem April befürworteten zum Beispiel rund 40 Prozent von 2000 Befragten ein Ende von Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos. Rund 30 Prozent waren dafür, der Rest hatte keine Position.

Meinungen der Befragten gehen stark auseinander

Auch für die Zoo-Studie wurde gefragt, welche Wildtiere aus der persönlichen Sicht der Interviewten besser nicht gehalten werden sollten. Die Meinungen gingen dabei weit auseinander. Jeweils rund ein Fünftel der Befragten antwortete «Wildtiere» oder «Raubtiere». Rund jeder Zehnte fand, dass Meerestiere nicht in Zoos gehörten. Mit Blick auf einzelne Tierarten wollten fünf Prozent der Befragten nicht, dass Bären, Löwen, Delfine und Wale in Tiergärten leben. Sechs Prozent wollten keine Elefanten - und zwei Prozent keine Affen.

Richtlinie von 1999 definiert Zoos als Artenschutzorganisationen

Eine Richtlinie der Europäischen Union für Zoos definiert deren Aufgaben und Rollen bereits seit 1999 als Artenschutzorganisationen. Manche Zoos wie Berlin wildern Nachzuchten heute in internationalen Programmen aus oder unterstützen ihr Überleben im natürlichen Lebensräumen finanziell.

Gehege werden mehr und mehr artgerecht umgebaut

Neue Zoo-Architektur versucht vielerorts auch, artgerechte Haltung und die Bedürfnisse von Besuchern zu verbinden. So werden in Berlin zum Beispiel Gitter durch Glasscheiben oder Netze ersetzt und geflieste Mini-Gehege nach und nach durch großzügigere Landschaften mit Möglichkeiten zum Rückzug umgebaut. Die Anlage für die einzigen Großen Pandas in Deutschland im Berliner Zoo kostete fast 10 Millionen Euro. Besuchern liegen solche Investitionen nach der aktuellen Umfrage sehr am Herzen: Fast alle Interviewten (98 Prozent) finden es wichtig, dass Gehege einer natürlichen Umgebung nachempfunden sind. Viele wollen auch, dass es für die Tiere mehr Rückzugsmöglichkeiten gibt - und mehr Beschäftigung.

Zoos und Tiergärten wollen zu breiterem Umweltbewusstsein beitragen

Der 1887 gegründete Verband der Zoologischen Gärten mit Sitz in Berlin ist eine Vereinigung der wissenschaftlich geleiteten Einrichtungen. Zur Zeit gehören ihm 71 Mitglieds-Zoos in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Spanien an. Das umfasst aber noch nicht alle zoologischen Einrichtungen bundesweit. Die Deutsche Tierpark Gesellschaft vertritt rund 100 weitere Tiergärten und sieht Natur- und Artenschutz ebenfalls als eine Hauptaufgabe. Im deutschen Wildgehege-Verband haben sich rund 160 Betreiber zusammengeschlossen. Auch hier gibt es das Ziel, bei Besuchern Verständnis für ökologische Zusammenhänge zu wecken und so zu einem breiteren Umweltbewusstsein beizutragen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 2. Juli 2020 12:17 Uhr

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