Berliner Kurden mahnen zur Besonnenheit in Deutschland

Berliner Kurden mahnen zur Besonnenheit in Deutschland

Kurdische Organisationen in Berlin haben angesichts der türkischen Offensive in Syrien zur Besonnenheit in Deutschland aufgerufen. Man dürfe sich am Rande von Demonstrationen nicht provozieren lassen, sagte Riza Baran, Sprecher der Kurdischen Gemeinde in Berlin und Brandenburg, am Dienstag. «Wir lassen uns das Zusammenleben vieler Nationalitäten in Berlin nicht kaputt machen.»

Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden in Deutschland müsse man mit Ruhe und Besonnenheit begegnen. Das sei nicht immer einfach, schließlich hätten viele in der Gemeinde Verwandte in der Türkei und in Nordsyrien. «Aber wir hoffen, dass sich die türkische Armee zurückzieht und der Konflikt friedlich gelöst wird», sagte der 76-Jährige.
Am Mittwoch vergangener Woche hatte die Türkei mit ihrer Militäroffensive gegen die kurdische YPG-Miliz in Syrien begonnen. Bei Demonstrationen in Deutschland war es daraufhin vereinzelt zu Zusammenstößen zwischen kurdischen Demonstranten und türkischstämmigen Passanten gekommen. Ein Sprecher der Berliner Polizei sagte auf Nachfrage, man beziehe den Konflikt in Nordsyrien und dessen Auswirkungen auf Berlin in die Planungen mit ein.
«Der Konflikt wird sich nicht auf Deutschland übertragen», sagte Ali Cicek vom Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit am Dienstag. Das sei, mit kleineren Ausnahmen, auch die Erfahrung in der Vergangenheit gewesen. «Das ist kein Konflikt zwischen den Kurden und den Türken, sondern ein Konflikt mit dem türkischen Staat.»
Auch Berlins Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial sieht aktuell keinen Grund zur Sorge: «Trotz der internationalen Geschehnisse ist die Berliner Gesellschaft, in der viele Bürgerinnen und Bürger mit kurdischer und türkischer Herkunft leben, eine friedliche, die stets darauf bedacht ist, ein gutes Auskommen miteinander zu haben.»
Die türkische Militäraktion richtet sich gegen kurdische Kämpfer, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrollieren. Zuletzt konnten die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) bei einem Gegenangriff die Grenzstadt Ras al-Ain von den Türken zurückerobern, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 16. Oktober 2019 07:25 Uhr

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