Immer mehr Untersuchungshäftlinge in Berliner Gefängnissen

Immer mehr Untersuchungshäftlinge in Berliner Gefängnissen

Die Zahl der Straftaten geht zurück, aber in den Gefängnissen sitzen mehr Untersuchungshäftlinge als noch vor ein paar Jahren. Wie passt das zusammen?

JVA Moabit

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Ein Justizvollzugsbeamter steht in der Justizvollzugsanstalt Moabit. Foto: Marc Tirl/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - In den Haftanstalten der Hauptstadt steigt die Zahl der Untersuchungshäftlinge seit sechs Jahren. Saßen am Stichtag 31. Dezember 2013 noch 568 Verdächtige in U-Haft, waren es Ende 2018 genau 881, wie aus einer Statistik der Senatsverwaltung für Justiz hervorgeht. Die Zahl der Verdächtigen hinter Gittern, die noch nicht verurteilt sind und auf Anklage und Prozess warten, hat demnach von Jahr zu Jahr zugenommen. Von den 881 U-Häftlingen zum Ende des Vorjahres waren 38 Frauen.
Deutlich gestiegen ist der Anteil Nichtdeutscher in der Berliner Untersuchungshaft. Laut der Statistik waren das im Vorjahr 656 Insassen, davon 32 Frauen. Im Jahr 2013 waren es 342 Verdächtige, davon 23 Frauen. Der Stichtag für diese Angaben ist der 31. März.
Nach der letzten Erhebung kamen die meisten Gefangenen aus der Türkei, Polen, Rumänien, dem Libanon und Bulgarien.
Der NDR hatte berichtet, dass deutschlandweit die Zahl der Untersuchungsgefangenen deutlich gestiegen sei, obwohl die Zahl der Straftaten, Tatverdächtigen und Verurteilten sinke.
Auch in der Hauptstadt ist eine sinkende Zahl der erfassten Straftaten zu verzeichnen. Das waren laut Kriminalstatistik im Vorjahr 511 677 Taten und damit 1,7 Prozent weniger als 2017.
Auch die Zahl verurteilter, erwachsener Täter in den Gefängnissen geht in Berlin seit einigen Jahren zurück. Zum Ende des Vorjahres saßen 2737 Verurteilte in der Strafhaft, Ende 2017 waren es noch 2868.
Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sieht für die hohe Belegung in der Untersuchungshaft verschiedene Faktoren. Menschen ohne Wohnsitz in Deutschland kämen wegen Fluchtgefahr schneller in U-Haft, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ebenso scheine es einen Trend zu kürzeren Freiheitsstrafen bei den Verurteilungen zu geben, die durch die U-Haftzeit bereits verbüßt sind.
Berlin habe auf die Entwicklungen bereits reagiert, so der Grünen-Politiker. In der Untersuchungshaftanstalt Moabit wurde demnach die Teilanstalt IV mit fast 50 Plätzen reaktiviert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 28. April 2019 11:20 Uhr

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