Historie - Zeitreihe zur Geschichte des Gefängnisses Tegel

Torhaus 1904
Torhaus 1904
Bild: jva tegel
  • Januar 1894

    Erste Beratungen über das Errichten einer Anstalt der Justizverwaltung im Tegler Forst

  • 26.07.1896

    Baubeginn

  • 01.10.1898

    Königliches Strafgefängnis Tegel.
    Bau in der Hauptsache abgeschlossen, erste Belegung erfolgt

  • 1902

    Endgültige Fertigstellung des Baues innerhalb der Umwehrungsmauer

  • 1906

    Fertigstellung aller Dienstwohnungen außerhalb der Umwehrungsmauer

  • 1908

    Neubau eines Setzerei-Gebäudes

Königliches Strafgefängnis Tegel Anfang des XX. Jahrhunderts

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Der "Hauptmann von Köpenick" Wilhelm Voigt

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Weitere Informationen zum “Hauptmann von Köpenick” Friedrich Wilhelm Voigt finden Sie auf Wikipedia und in Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde

Königliches Strafgefängnis Berlin-Tegel 1913 und Justizvollzugsanstalt Tegel 2013 - ein statistischer Vergleich

Statistik der Justizverwaltung in Preußen
Bild: JVA Tegel

Auszug - Statistik über die Gefängnisse der Justizverwaltung in Preußen für das Rechnungsjahr 1913

PDF-Dokument (2.6 MB) Dokument: JVA Tegel

    • Belegungsfähigkeit der JVA Tegel

    im Jahr 1913 = 1628 Gefangene
    im Jahr 2013 = 1151 Gefangene

    • Durchschnittsbelegung der JVA Tegel

    im Jahr 1913 = 1565 Gefangene
    im Jahr 2013 = 1055 Gefangene

  • 1916

    Verwahrhaus I wird Militärgefängnis. Dafür gelten die Vorschriften der Gefängnis-Ordnung. Das Aufsichtspersonal wird vom Militär gestellt.

  • 1918

    Bezeichnung: Strafgefängnis Tegel

  • 1920

    Bezeichnung: Strafgefängnis Berlin-Tegel

  • 1927

    Bau eines Geräte-und Altpapierschuppens auf dem Anstaltsgelände

  • 1930

    Neue Fernsprechanlage (1933/34 erweitert) mit vier Postanschlüssen, 20 Außen- und 42 Haussprechstellen

  • 1931

    Einbau von Spülklosetts in den Verwahrhäusern II und III

Bilder aus den 30er Jahren

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Statistische Angaben zum Strafgefängnis Berlin-Tegel - Stand 1938

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Felix Brucks

Anstaltsleiter Felix Brucks
Bild: jva tegel

Der Strafanstaltsoberdirektor Felix Brucks (01. 08.1874 – 08. 06.1938) leitete das Strafgefängnis Tegel von 1916 bs 1938.

Der Schriftsteller Alfred Polgar zeichnete 1932 anlässlich der Inhaftierung von Karl von Ossietzky das positive Porträt Brucks:
„Tegel-Erfahrene berichten, der Oberstrafanstaltsdirektor … fasse sein Amt nicht als das eines irdischen Racheengels auf.”

Brucks wurde durch mehrere mysteriöse Todesfälle im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Reichstagsbrand von 1933 bekannt. Sein Tod blieb ebenfalls ungeklärt.

Der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky

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Bernhard Lichtenberg - seliggesprochener Priester und Märtyrer

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Gegner des Nationalsozialismus - inhaftiert im Strafgefängnis Berlin-Tegel

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Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis im Strafgefängnis Berlin-Tegel

Der D-Flügel der Teilanstalt III
Blick in das ehemalige Verwahrhaus III - Aufnahme von 2013
Bild: jva tegel

“Am 17. Februar 1940 musste die Tegeler Anstalt das Verwahrhaus III räumen und dem Militär als Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis (W.U.G.) zur Verfügung stellen. Die Gefangenen saßen ein für Kriegsgerichte und auch den Volksgerichtshof, darunter u. a. Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp und Hanns Lilje. … Nach mündlicher Überlieferung hat das Militär bei seinem Abzug sämtliche Akten verbrannt. … Dem Justizpersonal war der Zugang zum W.U.G. untersagt. Lediglich Pfarrer Poelchau durfte die Einrichtung betreten.”

(aus der Broschüre “100 Jahre Justizvollzugsanstalt Tegel”)

Pfarrer Harald Poelchau

Harald Poelchau
Bild: jva tegel

Harald Poelchau – Gefängnispfarrer in der Strafanstalt Tegel von 1933 bis 1945 – war Mitglied des Kreisauer Kreises. Er begleitete als Seelsorger nicht nur die Inhaftierten, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, sondern auch diejenigen, gegen die ein Todesurteil verhängt wurde. Unter enormem persönlichen Risiko verhalf er einigen Inhaftierten zu heimlichem Briefwechsel, darunter zwischen Helmuth James Graf von Moltke und seiner Ehefrau Freya.

Inhaftiert im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin-Tegel in 1944-1945 - ein Zeitzeuge berichtet

Gerhard Zeidler erinnert sich

“Zunächst brachte man mich zum Gestapo-Hauptquartier in die Prinz-Albrecht-Straße. Wer diesen Namen hörte, den überlief es eiskalt. Denn die meisten Gefangenen kamen dort nicht mehr lebend heraus. Deshalb war ich froh, daß man den Wehrmachtstransport zuständigkeitshalber nach Moabit überwies, von wo ich ins Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Tegel kam. Unterbringung und hygienische Verhältnisse waren entsetzlich und sind fast nicht zu beschreiben. Wir vegetierten zu dritt in einer stinkenden Zelle von sechs Quadratmetern, und bereits in der ersten Nacht fielen mir vom Oberbett Wanzen in den Mund. Ich habe mich furchtbar geekelt, ganz zu schweigen davon, wie uns diese Blutsauger quälten. Es gab nur winzige Verpflegungsrationen, die unausweichlich zu starkem Gewichtsverlust und Kräfteverfall führten. Außerdem bekamen wir zu dritt jeden Tag nur zwei Liter Wasser. Deshalb durfte sich nur einer am Tage von oben bis unten waschen. Mit demselben Wasser wurde dann auch der Zellenfußboden aufgewischt. Wer sich beim Wachpersonal unbeliebt machte, kam in den „Bunker“. Das war eine Zelle im Erdgeschoß, hinten und vorne eine Tür aus Gitterstäben, wie ein großer Vogelkäfig, ohne Pritsche oder Stuhl, kalter Zementfußboden, kein Kübel für die Notdurft. Jeden Morgen wurde der Bunker mit einem scharfen Strahl Wasser ausgespritzt, und oft bekam dabei auch der Gefangene eine Dusche ab. Im Winter endete das mit einer Lungenentzündung oder mit dem Tod.

Wie barbarisch man mit Kranken umging, habe ich erlebt, als nach einiger Zeit mein Oberkiefer vereiterte. Ich hatte unerträgliche Schmerzen und mußte trotzdem viele Tage warten, ehe ich zum Zahnarzt gebracht wurde. Seine Praxis befand sich in einer Zelle. Zuerst mußte man sagen, weshalb man inhaftiert war. Als ich meldete: „Vorbereitung zum Hochverrat“, meinte der Arzt: „Ach, da ist die Kohlrübe ja sowieso bald ab!“ Dann mußte ich mich auf den OP-Stuhl setzen, und der Kerl riß mir ohne Betäubung vier Zähne heraus. Offenbar bin ich ohnmächtig vom Stuhl gekippt. Als ich wach wurde, lag ich in einer Wasserlache und bekam gerade noch einen Schwapp Wasser über den Kopf. Danach wurde ich wieder in meine Zelle geschafft.”

Das Strafgefängnis Berlin-Tegel löst sich zum Kriegsende auf

“Am 25. April 1945 kämpfte die Sowjetarmee bereits in der Nähe unseres Gefängnisses. Deshalb wurden wir Gefangenen durch den Tegeler Forst ins Zuchthaus Spandau überführt. Unterwegs informierten uns Kilger und Linke darüber, daß man dort Kampfgruppen zusammenstelle und gegen die Rote Armee einsetze. Wir sollten keinesfalls den wahren Grund unserer Inhaftierung, sondern leichtere Delikte wie „unerlaubte Entfernung von der Truppe“ angeben. Damit könnten wir der Erschießung entgehen. Nach einer furchtbaren Nacht – das Zuchthaus lag unter ständigem Beschuß – wurden wir aus den Zellen herausgeholt. Ein SS-Major verkündete uns, daß wir nun gutmachen könnten, was wir verbockt hätten. Gemeinsam mit den aus dem Westen anrückenden Amerikanern würden wir die Bolschewiken wieder aus Deutschland hinausjagen. Im gleichen Moment wurde der Hof des Zuchthauses unter Artilleriebeschuß genommen. Wir flüchteten sicherheitshalber zurück in die Zellen, und der Major lag in Deckung hinter einer Eisentreppe. Als es wieder still wurde, rannte er zu seinem Motorrad – und weg war er. Zunächst waren wir ziemlich verdutzt. Aber da offenbar auch die Wachmannschaft bereits getürmt war, verließen wir truppweise das Zuchthaus.”
Aus Erinnerungen von Gerhard Zeidler Gerhard Zeidler

Aufnahmen zwischen 1944 und 1970

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  • 1955

    Belegung des Verwahrhauses III mit den Zuchthausgefangenen des Zellengefängnisses Lehrter Straße. Name: Strafanstalt Tegel

  • 1957

    Bau von fünf Wachttürmen auf der Ringmauer

  • 1958

    Neubau von Werkstattgebäuden

  • 1964

    Neubau eines Werkstattgebäudes an der Druckerei

Wilhelm Glaubrecht

Der Anstaltsleiter Wilhelm Glaubrecht
Leiter der Strafanstalt Tegel Wilhelm Glaubrecht
Bild: AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung

Am 1. Januar 1968 hat Leitender Regierungsdirektor Wilhelm Glaubrecht die Leitung der Strafanstalt Tegel übernommen, die er bis zum 6.1.1982 geleitet hat.

Auszüge aus dem Jahresbericht 1968 der Strafanstalt Tegel

  • Im Berichtsjahr wurden für die französische Verwaltung drei Häftlinge untergebracht.
  • Im Oktober 1968 bildete sich ein ausschließlich aus Insassen des Verwahrhauses III bestehender Redaktionsstab, der im gleichen Monat die erste unabhängig gestaltete Gefangenenzeitschrift unter dem Namen “Lichtblick” herausbrachte. Sie erscheint seither monatlich und hat weitgehend Zuspruch erhalten.
    Link zur Webseite der Gefangenenzeitung
  • In der Nacht zum 9.11.1968 verübten 6 Gefangene einen Ausbruch aus ihrer unter dem Dach gelegenen Zelle, nachdem sie die Decke durchstemmt hatten. Sämtliche Ausbrecher konnten kurze Zeit später wieder ergriffen werden.
  • Das neu errichtete und im Laufe des Jahres 1968 endgültig fertiggestellte Verwahrhaus IV wurde erstmalig am 4.3.1968 bezogen. Zunächst wurde der Einzelzellentrakt, im Mai der Schlafzellentrakt und im August der Gemeinschaftszellentrakt belegt.
  • Zum 1.1.1968 wurde die Krankenabteilung der Strafanstalt Tegel als “Krankenhaus der Berliner Vollzugsanstalten – Psychiatrisch-Neurologische-Abteilung” anerkannt.
  • Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden im Jahre 1968 Vorträge vor Gefangenen durch den Verein Unihelp vermittelt bzw. finanziert, u. a. mit Gastrednern wie dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz und dem legendären Boxer Gustav Scholz Link zum Wikipedia-Eintrag Gustav (Bubi) Scholz

Befreiung von Andreas Baader am 14. Mai 1970

Zeitungsausschnitt BZ

PDF-Dokument (8.3 MB) - Stand: 15.5.1970

Zeitungsausschnitt Bild Berlin

PDF-Dokument (9.2 MB) - Stand: 16.5.1970

Bezeichnung Justizvollzugsanstalt Tegel

Behördenschild am Haupteingang in die JVA Tegel
Behördenschild am Haupteingang in die JVA Tegel
Bild: jva tegel

Seit dem 01.04.1977 führt die Anstalt die Bezeichnung “Justizvollzugsanstalt Tegel”

Artikel in der Süddeutschen Zeitung über den Alltag in der Teilanstalt II im Jahre 1979

PDF-Dokument (8.9 MB) - Stand: 28.12.1979

Anfang der 70er - Ende der 80er Jahre

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Mitteilungsblatt für Angehörige des Justizvollzuges Nr. 4 Juni 1984

Das Dokument informiert u. a. über die Amtseinführung des Leiters der JVA Tegel Klaus Lange-Lehngut am 15. März 1984.

PDF-Dokument (7.5 MB) Dokument: jva tegel

2003 - 2015

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  • 21.04.1997

    Die JVA Tegel wird Dienstbehörde.

  • 02.07.1997

    Premiere der ersten Inszenierung “Stein und Fleisch” im Kultursaal der JVA Tegel in Zusammenarbeit mit dem Theaterprojekt aufBruch KUNST GEFÄNGNIS STADT

  • 26.10.1998

    Jubiläumsveranstaltung zum 100-jährigen Bestehen der Anstalt

  • 02.01.2002

    Neue Organisationsstruktur nach dem Verwaltungsreformgrundsätzegesetz (VGG): Behördenleitung, Leistungs- und Verantwortungszentrum,
    Fachaufgabenbereich Vollzug, Servicebereich mit den Serviceeinheiten Finanzen, Personal, Gebäudemanagement und Informationstechnik und dem Steuerungsdienst

  • seit 19.04.2002

    Fernstudium für Gefangene an der Fernuniversität Hagen – europaweites Pilotprojekt

  • April 2004

    Abschluss eines Energiespar-Garantievertrages mit einem privaten Energiedienstleistungsunternehmen, der durch Investitionen in die energietechnischen Anlagen zu einer erheblichen Reduzierung der Energiekosten führt.

30.03.2007

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Verabschiedung des Anstaltsleiters Klaus Lange-Lehngut

Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Justiz vom 30.03.2007

Justizsenatorin verabschiedet den Leiter der Justizvollzugsanstalt Tegel

PDF-Dokument (90.5 kB)

  • Herbst 2012

    Wegen nicht verfassungskonformer Unterbringung von Gefangenen ist beschlossen worden, dass die Teilanstalt I bis auf die Drogenabschirmstation leergeräumt wird.
    Entscheidung noch offen, ob ein Ersatzbau geschaffen wird.

07.12.2012

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Grundsteinlegung für den Neubau der Einrichtung zum Vollzug der Sicherungsverwahrung

26.04.2013

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Verabschiedung des Anstaltsleiters Ralph-Günter Adam und Amtseinführung von Martin Riemer

21.11.2013

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Richtfest für den Neubau der Einrichtung zum Vollzug der Sicherungsverwahrung in der JVA Tegel

04.07.2014

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Schlüsselübergabe für den Neubau der Einrichtung zum Vollzug der Sicherungsverwahrung in der JVA Tegel

Der Rückbau der Teilanstalt I (2016-2018)

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  • Juli 2015

    Der Abriss der Teilanstalt I ist beschlossen und die Teilanstalt wird vollständig leergezogen.

  • Juli 2016

    Vorbereitungen für den Abriss der Teilanstalt I laufen.
    Der Abriss soll bis Ende 2017 erledigt sein.
    Gleichzeitig Planung eines Ersatzbaus mit 216 Haftplätzen aufgrund der äußerst angespannten Belegung im geschlossenen Männervollzug und die mit dem Verlust von Haftplätzen einhergehenden Sanierungen alter Hafthäuser.

  • Juli 2018

    Die Abrissarbeiten an der Teilanstalt I der JVA Tegel wurden am 27.07.2018 vollständig abgeschlossen.

17.11.2016 Bundesverdienstkreuz für Klaus Lange-Lehngut

Link zu: 17.11.2016 Bundesverdienstkreuz für Klaus Lange-Lehngut
Bild: philipus – Fotolia.com

Regierender Bürgemeister Michael Müller händigt am 17.11.2016 das Verdienstkreuz am Bande an den ehemaligen Leiter der JVA Tegel Klaus Lange-Lehngut aus. Weitere Informationen

24.12.2016 Ökumenischer Gottesdienst in der JVA Tegel

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Am 24.Dezember 2016 fand in der Anstaltskirche der JVA Tegel der ökumenische Gottesdienst statt, an dem zum ersten Mal in der Geschichte des Tegeler Gefängnisses die höchsten Repräsentanten der Berliner Katholiken und Protestanten, der Erzbischof von Berlin Heiner Koch bzw. der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Markus Dröge teilgenommen haben.

Müller zum Tode von Graciano Rocchigiani: “Berlin trauert um einen Boxer mit großem Herz“

Link zu: Müller zum Tode von Graciano Rocchigiani: “Berlin trauert um einen Boxer mit großem Herz“
Bild: rab - Fotolia.com

5.10.2018 Denkmaleinweihung zu Ehren von Harald Poelchau

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Aus Anlass des 115. Geburtstages von Harald Poelchau (1903 –1972) fand am 5. Oktober 2018, vor und in der Justizvollzugsanstalt Tegel die Einweihung einer Sozialen Skulptur der Künstlerin Katrin Hattenhauer und Inhaftierten der JVA Tegel statt.

Harald Poelchau war von 1933 bis 1945 und von 1949 bis 1951 evangelischer Gefängnisseelsorger im Strafgefängnis Berlin-Tegel. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 und bis 1945 begleitete Poelchau etwa eintausend Menschen auf dem Wege zur Hinrichtung und betreute etliche ihrer Angehörigen. Als Gefängnisseelsorger schmuggelte er heimlich Briefe und Nachrichten für die aus politischen Gründen Inhaftierten aus bzw. ins Gefängnis, unter anderem für Dietrich Bonhoeffer und Helmut James Graf von Moltke. Als im Oktober 1941 die systematische Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Konzentrationslager begann, vermittelte Harald Poelchau, unterstützt von seiner Ehefrau, Dorothee Ziegele, illegale Unterkünfte im gemeinsamen großen Bekanntenkreis.

Im Rahmen eines Projekts der Künstlerin Katrin Hattenhauer formierte sich Ende September 2017 eine Projektgruppe, bestehend aus 10 zehn Insassen, zwei Seelsorgern des evangelischen Pfarramtes, Pfarrerin Christina Ostrick und Pfarrer Erhard Wurst, der Beauftragten für Erinnerungskultur der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Pfarrerin Marion Gardei, und einigen Mitarbeitern der JVA Tegel.

8.11.2018 Festveranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der Gefangenenzeitschrift "der lichtblick"

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Auf mutige Initiative des damaligen Anstaltsleiters Wilhelm Glaubrecht bildete sich im Oktober 1968 ein ausschließlich aus Insassen des Verwahrhauses III bestehender Redaktionsstab, der am 25. Oktober 1968 die erste unabhängig gestaltete, d. h. unzensierte, Gefangenenzeitschrift unter dem Namen der lichtblick herausbrachte.
Unter den besonderen Bedingungen einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt gelingt es den Redaktionsmitgliedern, eine Zeitschrift herauszubringen, die sich durch gut recherchierte Beiträge und einfallsreiches Layout auszeichnet. Mit dem Vertrauensvorschuss der Anstaltsleitung ausgestattet und im Bewusstsein der eigenen presserechtlichen Verantwortung, berichtet die Redaktion über den Gefängnisalltag und die vollzugstypischen Konfliktsituationen, sie benennt Probleme und diskutiert Verbessrungsvorschläge.
Als eine Zeitschrift von Gefangenen für Gefangene und als kritischer Begleiter des Strafvollzuges entwickelte sich der lichtblick in den vergangenen Jahrzehnten zum Alleinstellungsmerkmal und dem festen Bestandteil der Berliner Vollzugslandschaft; zudem erwarb der lichtblick als unabhängiges und unangepasstes Sprachrohr der Inhaftierten eine treue und zahlenmäßig starke Lesergemeinde in und außerhalb von Deutschland.

24.11.2018 Adventsbasar der JVA Tegel

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10.05.2019 Wiedereröffnung der Anstaltsgärtnerei nach umfangreicher Sanierung

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