100 Jahre Hufeisensiedlung

Hufeisensiedlung Vogelperpektive

Gebaute Zukunft – lebendiges Erbe

„Wir schaffen den Geist der neuen Zeit!“ Unter diesem selbstbewußten Motto feierten Gewerkschaften und Genossenschaften im Februar 1926 das erste Richtfest in Britz. In den nächsten fünf Jahren errichteten sie hier knapp 2000 hochwertige Wohnungen. 100 Jahre später ist die Hufeisensiedlung weltberühmt als Meilenstein des sozialen Wohnungsbaus und Ikone moderner Architektur.
Diesem Jubiläumsanlaß widmet die Volkshochschule 2026 eine Veranstaltungsreihe. Kuratiert vom Historiker Henning Holsten werden in Vorträgen, Führungen und Gesprächen nicht nur lokalgeschichtliche Aspekte der 100jährigen Geschichte des heutigen Weltkulturerbes beleuchtet und diskutiert.

Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Da die Plätze begrenzt sind, empfehlen wir eine vorherige Anmeldung.

Zu den einzelnen Veranstaltungen

Siedlungen der Berliner Moderne

2008 nahm die UNESCO sechs Berliner Siedlungen in die Liste des Weltkulturerbes auf. Neben der Britzer Großsiedlung stehen die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Ringsiedlung Siemensstadt für den Aufbruch einer ganzen Architektengeneration und den Beginn des sozialen Wohnungsbaus.

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „100 Jahre Hufeisensiedlung“ präsentiert die VHS Neukölln eine Ausstellung, die alle sechs Siedlungen in ihren Besonderheiten vorstellt und den historischen Kontext ihrer Entstehung beleuchtet. Kurator Ben Buschfeld wird zur Eröffnung lokale Facetten und internationale Bedeutung dieses Welterbes erläutern. Janine Wolter, Neuköllner Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, spricht ein Grußwort.

Termin: 6.3.2026 | 17 Uhr
Ort: Kurt-Löwenstein-Haus, Karlsgartenstr. 6

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Vergangene Zukunft

Heute Architekturdenkmal – damals Startsignal in die Moderne! Für die Stadtplaner und Architekten Martin Wagner und Bruno Taut war die Hufeisensiedlung vor 100 Jahren nicht weniger als der erste Baustein eines „Neuen Berlins“: fortschrittlich, weltstädtisch und sozialistisch. Ihre Visionen eines Neuen Planens, Bauens und Wohnens wurden bereits nach wenigen Jahren durch Weltwirtschaftskrise, NS-Diktatur und Weltkrieg zerstört und waren jahrzehntelang vergessen.

Die italienische Architekturhistorikerin Ludovica Scarpa und der Stadtsoziologe Harald Bodenschatz haben in den 1980er Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dieses Erbe des unvollendeten „Neuen Berlin“ wiederzuentdecken und kritisch zu würdigen. Mit ihnen wollen wir diskutieren, wieviel sehr die Visionen der 1920er Jahre die Stadtentwicklung geprägt haben und wieviel Zukunft noch heute in ihren uneingelösten Versprechen steckt.

Moderiert wird das Gespräch von Henning Holsten, der 2020 die Ausstellung „Der Dirigent der Weltstadt: Martin Wagner und das Neue Berlin“ kuratiert hat.

Termin: 14.3.2026 | 15 – 17 Uhr
Ort: Schloss Britz, Alt-Britz 73

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Altes und Neues Wohnen

An der Schwelle des Übergangs zur Moderne stellte sich auch die Frage des zeitgemäßen Wohnens neu. So entstanden vor hundert Jahren nicht nur neue Siedlungen, sondern auch andere Leitbilder der Möblierung und Innenraumgestaltung. Bruno Taut, der Chefarchitekt der Gehag, gehörte zu den maßgeblichen Propagandisten des „Neuen Wohnens“, so daß sich in den 1920ern die Redewendung, seine “Wohnung zu tauten”, etablierte.

In einer Kombination aus Bildvortrag, Lesung, Kuratorenführung und Podiumsgespräch führen uns die Experten Christian Mayrock und Ben Buschfeld durch die Ausstellungsräume zur Wohnkultur der Gründerzeit im Schloss Britz und zeigen anhand einzelner Möbel und Einrichtungstrends, wie sich der Paradigmenwandel der Inneneinrichtung vollzog.

Christian Mayrock ist freier Künstler, Kurator und Museumsführer. Er arbeitet sowohl für die Kulturstiftung Schloss Britz als auch für das Werkbund-Archiv – Museum der Dinge.

Ben Buschfeld ist Designer, Kurator, Projekt-Autor und Werkbund-Mitglied. Er hat mehrfach zur Hufeisensiedlung und den Siedlungen des Welterbes publiziert und ist Mit-Eigentümer des museumsartigen Ferienhauses Tauten Heims.

Termin: 28.3.2026 | 15 – 17 Uhr
Ort: Schloss Britz, Alt-Britz 73

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Terrain Britz vor dem Bau der Großsiedlung

Britz war über den längsten Zeitraum seiner dokumentierten Geschichte ein agrarisch geprägtes Dorf im Märkischen, mit dem aristokratischen Rittergut im Zentrum. Erst die Eingemeindung nach Groß-Berlin 1920 und der Kauf des Rittergutes durch die Stadt Berlin schufen die Grundlage für den Bau des heutigen Weltkulturerbes. Die Hufeisensiedlung war allerdings weder das erste noch das einzige ambitionierte Wohnungsbauprojekt südlich des Teltowkanals.

Der Historiker Christian C. Schnell nimmt uns in seinem bilderreichen Vortrag mit auf eine Zeitreise in die Anfänge des „modernen“ Britz ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Grundlagen für den ganz eigenen, facettenreichen städtebaulichen Charakter des Ortes gelegt wurden.

Termin: 18.4.2026 | 15 – 17 Uhr
Ort: Infostation Hufeisen, Fritz-Reuter-Allee 44

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Wohngemeinschaft Hufeisensiedlung

Hufeisen, Rote Front und bunte Haustüren – die architektonischen Wahrzeichen der Britzer Großsiedlung sind weltbekannt. Doch wer zog in den 1920er Jahren ins heutige Weltkulturerbe? Welche Ansprüche stellten Architekten und Wohnreformer an die ersten “Wohngenossen”? Und wie sah das “neue Wohnen” in der Praxis aus?

Die Führung wirft einen Blick hinter die Türen des Architekturdenkmals Hufeisensiedlung, wo sich Politik und Alltag, der gemeinschaftliche Aufbruch in die Zukunft und der Rückzug ins Private bis heute auf eigentümliche Weise vermischen.

Der Historiker und Kurator Henning Holsten war beteiligt an mehreren Ausstellungen und Veranstaltungen zur Geschichte der Hufeisensiedlung und des „Neuen Berlin“ der 1920er Jahre.

Termin: 26.4.2026 | 14 – 17 Uhr
Ort: U-Bhf Blaschkoallee (Südausgang)

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Die rote Siedlung

„Wir bauen die neue Zeit!“ Mit diesem Anspruch taten 1925 Arbeiter die ersten Spatenstiche der Großsiedlung Britz. Auftraggeber war die GEHAG, ausgeführt wurden die Bauarbeiten von der Berliner Bauhütte – zwei der größten gemeinwirtschaftlichen Unternehmen im Besitz der Freien Gewerkschaften. Die Wohnanlage im Grünen wurde als Pioniertat und Aushängeschild des sozialen Wohnungsbaus international berühmt und 2008 als „Siedlung der Berliner Moderne“ zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Wer baute die Hufeisensiedlung? Wer zog dort in den letzten Jahren der Weimarer Republik ein? Wie wohnte es sich damals und heute in der sozialistischen Modellsiedlung? Welche Folgen hatten und haben politische Umbrüche und Wechsel der Eigentumsverhältnisse? Um diesen Fragen vor Ort nachzugehen, unternehmen wir mit dem Politologen und Lokalhistoriker Reinhard Wenzel einen Gang durch die Anlagen und die Geschichte der Siedlung.

Termin: 3.5.2026 | 14 – 17 Uhr
Treffpunkt: U-Bhf Parchimer Allee (Nordausgang)

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Die grüne Siedlung

Auch in der künstlerischen Gestaltung des „Außenwohnraums“ (Bruno Taut) hatte die GEHAG in Britz hohe Ansprüche. Öffentliche Grünanlagen, Vorgärten und Mietergärten wurden unter Mitwirkung des Gartenarchitekten Leberecht Migge professionell geplant und anschließend einheitlich gepflegt. Der Rundgang durch das Gartendenkmal Hufeisensiedlung wird die innovative Verbindung von Stadtplanung, Architektur und Gartengestaltung veranschaulichen, aber auch heutige Probleme bei seiner Bewahrung infolge veränderter Eigentumsverhältnisse thematisieren.

Die auf Gartendenkmalpflege spezialisierte Landschaftsarchitektin Katrin Lesser hat in mehreren Publikationen und Gutachten die Historie der Grünanlagen der Hufeisensiedlung aufgearbeitet. Sie wohnt seit fast 30 Jahren in der Siedlung, ist aktiv im Förderverein und betreibt zusammen mit Ben Buschfeld das mietbare Museumshaus „Tautes Heim“.

Termin: 30.5.2026 | 11 – 14 Uhr
Treffpunkt: Infostation Hufeisen

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Die braune Siedlung

Auch die „rote Hochburg“ in Britz wurde 1933 von den Nationalsozialisten besetzt und gleichgeschaltet. Antifaschistische Gewerkschafter, Parteifunktionäre und Intellektuelle verloren ihre Stellung, wurden aus ihren Wohnungen vertrieben und manche zahlten mit ihrem Leben. Bis 1938 wurden 80 jüdische Bewohner zur Emigration gezwungen. An ihrer Stelle zogen hunderte Nationalsozialisten in die Hufeisensiedlung, darunter maßgebliche Wegbereiter der Judenvernichtung wie Adolf Eichmann und Alf Krüger. Dennoch lebte auch in den zwölf Jahren der Terrorherrschaft der linke Widerstandsgeist im Untergrund fort und sorgte ab 1945 für eine gründliche Entnazifizierung der Siedlung.

Die Stadtführung erinnert vor Ort an Täter, Opfer und Widerständler in der Hufeisensiedlung. Die Politologin und Zeithistorikerin Trille Schünke-Bettinger ist Expertin für den Frauenwiderstand im Nationalsozialismus. Sie arbeitet als freie Referentin an der Gedenkstätte deutscher Widerstand, die Website Antifaschistinnen aus Anstand initiiert und bietet regelmäßig Führungen und Vorträge zum Thema für das Netzwerk Frauentouren an.

Termin: 14.6.2026 | 14 – 17 Uhr
Treffpunkt: U-Bahnhof Parchimer Allee (Nordausgang)

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Nachbarn: Gartenstadt Ideal und Löwenhaus Britz

In unmittelbarer Nachbarschaft der weltberühmten Hufeisensiedlung standen vor hundert Jahren bereits größere Wohnanlagen aus der Kaiserzeit. Während die 15 Jahre zuvor erbaute Britzer Gartenstadt der Arbeiter-Baugenossenschaft „Ideal“ in direkter Verbindung zur Gehag-Siedlung steht, stellen die 1910-13 errichteten Löwenhäuser des Bauunternehmers und Fassadenkünstlers Georg Behnke sowohl stilistisch wie baupolitisch in größtmöglichem Kontrast zum gemeinwirtschaftlichen Wohnungsbau der 1920er Jahre.

Den Rundgang durch beide denkmalgeschützten Wohnanlagen leiten der Lokalhistoriker und Stadtführer Werner Schmidt von den Freunden Neuköllns e.V. und Christa Emde, Bewohnerin und Co-Autorin des einschlägigen Buches Auf Britzer Sand gebaut. Die Geschichte der Löwenhäuser (2010).

Termin: 28.6.2026 | 14 – 17 Uhr
Treffpunkt: Löwenhaus Britz, Hannemannstraße 34

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Die Brüder Taut in Neukölln

Als Gehag-Architekt zeichnet der weltberühmte Pionier des sozialen Wohnungsbaus Bruno Taut für mehrere der Berliner Welterbesiedlungen verantwortlich. Weniger bekannt ist, daß auch sein ‚kleiner‘ Bruder Max in der 1950er Jahren Erweiterungsbauten der Hufeisensiedlung entworfen hat und beide zusammen bereits im Kaiserreich an mehreren Bauprojekten in Rixdorf/Neukölln mitwirkten.

Die Romanistin Unda Hörner hat 2012 die Doppelbiografie “Die Architekten Bruno und Max Taut. Zwei Brüder, zwei Lebenswege” verfasst und wird daraus Abschnitte über die gemeinsame Lehrzeit der Brüder in Königsberg, den Aufbau ihres Büros am Potsdamer Platz ihre Bautätigkeit in Berlin vortragen. Sie ist Autorin zahlreicher Biografien und Romane – zuletzt “Frauen am Bauhaus Dessau (2025)” – und Gründungsmitglied des Bruno Taut Forums.

Im Anschluss an die Lesung wird im Gespräch mit dem Lokalhistoriker Henning Holsten die Neukölln-Connection der Brüder Taut näher beleuchtet.

Termin: 3.7.2026 | 18 Uhr
Ort: Margarete-Kubicka-Bibliothek, Gutschmidtstraße 33/35

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