Berliner Schulbauoffensive zeigt Wirkung: Trendwende beim Schulplatzdefizit
Pressemitteilung vom 09.06.2026
Aus der Sitzung des Senats am 9. Juni 2026:
Der Senat hat heute auf Vorlage der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Katharina Günther-Wünsch, den aktuellen Sachstandsbericht zur Berliner Schulbauoffensive (BSO) beschlossen. Der Bericht stellt den Stand der Schulbaumaßnahmen zum Stichtag 31. März 2026 dar und informiert über Schulplatzbedarfe, Fortschritte bei der Umsetzung sowie organisatorische Entwicklungen.
Die Entwicklung zeigt: Die Berliner Schulbauoffensive wirkt. Mehr Tempo bei Planung und Bau, zusätzliche Schulplätze und verstärkte Investitionen in den Bestand tragen dazu bei, den Schulplatzbedarf schrittweise zu decken und bestehende Defizite weiter abzubauen. Ziel bleibt es, allen Berliner Schülerinnen und Schülern moderne Lernbedingungen auf der Höhe der Zeit zu bieten.
In den zehn Jahren der Berliner Schulbauoffensive wurden erhebliche Fortschritte erzielt. Insbesondere in den vergangenen Jahren haben sich Planung und Bau von Schulstandorten deutlich beschleunigt. Seit Beginn der BSO im Schuljahr 2016/2017 bis zum Schuljahr 2025/2026 wurden 32 Neu- und Ersatzneubauten, 123 bauliche Erweiterungen – darunter 93 Modulare Ergänzungsbauten (MEB) – sowie 61 Sporthallen fertiggestellt. Dadurch konnten bis zum Beginn des Schuljahres 2025/2026 rund 53.000 zusätzliche Schulplätze geschaffen werden.
Zum Stichtag 31. März 2026 wird prognostiziert, dass zu Beginn des Schuljahres 2026/2027 rund 62.000 Schulplätze baulich errichtet sein werden. Das schulfachliche Defizit an Schulplätzen sinkt dadurch von 26.100 Plätzen im Jahr 2025 auf 24.100 Plätze im Jahr 2026. Damit ist eine Trendwende gelungen: Nachdem der Anstieg des Schulplatzdefizits ab 2024/25 gestoppt werden konnte, geht nun das rechnerische Schulplatzdefizit erstmals deutlich zurück. Unabhängig vom weiterhin bestehenden strukturellen Defizit konnte und kann die Beschulung aller Schülerinnen und Schüler durch die Schulträger in Berlin mit Hilfe der aktiven Steuerung durch die Senatsbildungsverwaltung gewährleistet werden.
Auch der weitere Anstieg des Sanierungsstaus konnte gebremst werden. Durch die Erhöhung der Mittel für den laufenden baulichen Unterhalt der allgemeinbildenden Schulen auf 1,32 Prozent der Gebäudewiederbeschaffungswerte ist eine kontinuierliche und ausreichende Instand-haltung möglich. Allein zwischen 2017 und 2025 wurden insgesamt 1,544 Milliarden Euro in den baulichen Unterhalt der Schulen investiert.
Von den 1.385 in der Maßnahmenliste der Berliner Schulbauoffensive erfassten Vorhaben entfällt der größte Anteil auf die Sanierung bestehender Schulgebäude. Dazu zählen sowohl kleinere Sanierungsarbeiten als auch umfassende Baumaßnahmen, die teilweise mit Erweiterungen verbunden sind.
Um die Umsetzung an Bestandsschulen der Tranchen VI (Sanierungsmaßnahmen in Umsetzung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung), VIII (optierte Sanierungsmaßnahmen mit Umsetzung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) und X (Maßnahmen ohne Neubau, Umsetzung offen) zu beschleunigen, hat die Taskforce Schulbau ein neues Sanierungskonzept erarbeitet. Ziel ist es, durch effizientere und beschleunigte Sanierungsmaßnahmen den Schulbetrieb langfristig zu sichern und einem weiteren Substanzverlust entgegenzuwirken. Dafür stehen zusätzlich 60 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität für die Jahre 2026 und 2027 zur Verfügung (Kapitel 2980/Titel 70201).
Darüber hinaus können Schulbaumaßnahmen schneller und wirtschaftlicher umgesetzt werden. Dazu beigetragen haben unter anderem bedarfsgerechte Bautypologien, ressortübergreifende Abstimmungen, Typenbauten, modulare Schulgebäude sowie einheitliche Standards für Neubau und Sanierung. Mittlerweile wird diese Berliner Expertise bundesweit und sogar europaweit nachgefragt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Berliner Schulbauoffensive ist die Flexibilisierung des Schulbaus, um besser auf unterschiedliche Bedarfe der Schularten reagieren zu können. Hierfür wurde ein schulartübergreifendes Raumprogramm entwickelt, das räumlich und funktional unabhängig von einer bestimmten Schulart genutzt werden kann. Gleiches gilt für die Modularen Ergänzungsbauten. Mit dem neuen Typus MEB FLEX sollen standortspezifische Anforderungen an Raumfunktionen und Raumgrößen noch besser berücksichtigt werden.
Um auch auf kleinere Grundstücke flexibel reagieren zu können, haben die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ein standardisiertes Typenraumprogramm für eine sogenannte „2in1-Schule“ entwickelt. Diese gestapelte Schulform basiert auf der Grundfläche einer kompakten Sporthalle (TSH K). Geplant ist der Abschluss eines Generalunternehmervertrags für mindestens drei und höchstens sechs Schulstandorte.
Die Taskforce Schulbau, die die Umsetzung der Berliner Schulbauoffensive koordiniert, hat zu-dem mehrere wichtige Entscheidungen getroffen. Dazu gehören die Auswertung und Fortschreibung des Leitfadens Neubau, die Festlegung zur Steuerung von Schulbauvorhaben in Neuen Stadtquartieren (NSQ) sowie das Sanierungskonzept für die Bestandsschulen im Rahmen der BSO. Dieses bildet die Grundlage für die weitere Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen und die Neufassung der Tranchenliste.
Der Bericht wird nun dem Abgeordnetenhaus zur weiteren Beratung zugeleitet.
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