Maßnahmenplan zur Stärkung der Resilienz des Berliner Stromnetzes und zur Sicherstellung der Endkundenversorgung bei Stromausfällen
Pressemitteilung vom 16.12.2025
Aus der Sitzung des Senats am 16. Dezember 2025:
Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, hat heute den Senat über den Maßnahmenplan zur Stärkung des Berliner Stromnetzes informiert. In Berlin besteht eine hohe Zuverlässigkeit in der Stromversorgung. Dies zeigt auch der jährlich ermittelte SAIDI-Wert: Berlin lag im Jahr 2024 bei der Bemessung der durchschnittlichen Dauer von Stromausfällen pro Kunde und Jahr mit 8,7 deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 11,6 Minuten. Der Brandanschlag auf zwei Hochspannungsmasten in Johannisthal am 9. September 2025 hat jedoch gezeigt, dass die Strominfrastruktur trotz aller Vorkehrungen anfällig für Sabotageakte sein kann.
Der Senat hat aus Anlass dieses Ereignisses das Thema Resilienz in der Stromversorgung noch einmal verstärkt in den Fokus genommen. Der Maßnahmenplan konzentriert sich nach einer Bestandsaufnahme der bereits eingeleiteten Maßnahmen, der Investitionen in ein resilienteres Netz sowie der Krisen- und Notfallreaktion darauf, in welchen Bereichen Anstrengungen noch intensiviert und Akteure noch besser vernetzt werden können.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey: „Der Anschlag auf die Stromversorgung am 9. September, bei dem unter anderem der gesamte Technologiepark Adlershof über 48 Stunden vom Stromnetz getrennt war, hat die betroffenen Menschen und Unternehmen in ihrem Alltag schwer getroffen. Es wurden auf diese Weise große Schäden verursacht. Im Nachgang haben wir genau analysiert, wo wir bei Prävention und Reaktion im Krisenfall noch besser werden können und ein Resilienzkonzept erarbeitet. Dies schließt Krisen- und Kommunikationskonzepte, regelmäßige Übungen und Maßnahmen zur Sicherung der Infrastruktur ein. Zudem setzen wir ab Januar 2026 mit dem SolarPLUS-Programm die Installation von Photovoltaikanlagen und Stromspeichern gezielt fort, um gerade auch die kurzfristige Energieautonomie zu erhöhen. Doch trotz all dieser Maßnahmen müssen wir uns bewusst sein, dass es keine absolute Sicherheit gibt – Sabotage, technische Störungen und Cyberangriffe bleiben weiterhin reale Risiken. Aber mit bestmöglicher Vorbereitung sind wir im Ernstfall handlungsfähig und können mit einer gesicherten Infrastruktur entsprechend reagieren.“
Berlin hat bereits eine Reihe zentraler Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz seiner Stromversorgung umgesetzt, die auf einem hohen Niveau sind. Gleichwohl besteht die Notwendigkeit, dass neben einer Fortsetzung der bisherigen konsequenten Arbeit an der Verbesserung der Sicherheit des Stromverteilnetzes und der beständigen Stärkung der Krisenkoordination auch die Eigenverantwortung nichtstaatlicher Akteure gefördert werden muss.
Die landeseigene Stromnetz Berlin hat in den vergangenen Jahren die vormals oberirdischen Netze zu 99 Prozent unterirdisch verlegt und so vulnerable Punkte substanziell reduziert. Im Bestandsnetz wird die Georedundanz, das heißt der Einsatz von mehreren funktionsfähigen Versorgungssträngen, weiter vorangetrieben, um die Versorgung eines Gebietes bei Ausfall eines Teilnetzes sicherzustellen. Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber in Berlin haben eine abgestimmte, ganzheitliche Sicherheitsstrategie etabliert und verbessern diese kontinuierlich, auch in regelmäßiger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden. Es zeigte sich, dass die Stromnetz Berlin GmbH, die Polizei Berlin, die Berliner Feuerwehr und die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) bereits sehr gut und aufeinander abgestimmt zusammengearbeitet haben. Der Verteilnetzbetreiber war mit dem Vorhalten eigener Materialien und Personalressourcen gut auf die schnellstmögliche Herstellung der Wiederversorgung vorbereitet.
Deutlich wurde bei dem Ereignis in Johannisthal aber auch, dass zur Minimierung der Auswirkungen einer langanhaltenden Versorgungsunterbrechung auch das eigenverantwortliche Mitwirken von Wirtschaftsakteuren, nachgelagerten Netzbetreibern und Haushalten beitragen kann. Der Senat wird zusammen mit der landeseigenen Wista Management GmbH die bestehenden Angebote für Unternehmen an verschiedenen Gewerbestandorten weiter ausbauen. Auch technische Maßnahmen wie Investitionen in lokale Energieerzeugungsanlagen, die Digitalisierung der Energieinfrastruktur, die Schwachstellenanalyse von Gebäuden und IT-Infrastruktur sowie die Erarbeitung von Notfallplänen werden fortgesetzt und intensiviert.
Ergänzend dazu stärkt der Senat das bestehende Angebot zu Beratung und Information sowie die Förderung von Notstromlösungen, um Endkunden in Unternehmen und Haushalten über die eigenen Möglichkeiten für eine resiliente Energieversorgung im Falle von Versorgungsunterbrechungen des Netzes zukünftig verstärkt sensibilisiert und aufklären zu können. Das SolarZentrum Berlin berät zu allen Fragen rund um die Solarenergie und zukünftig auch zu notstromfähigen Photovoltaikanlagen beziehungsweise Anlagenkonfigurationen. Auch die Koordinierungsstelle Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) geht vermehrt auf dieses Thema ein. Ergänzend wird im Rahmen des Förderprogramms SolarPLUS zukünftig ein Schwerpunkt auf größere Dächer und somit auf Gewerbestandorte gelegt. Im Rahmen des Förderprogramms werden Zuschüsse für Stromspeicher gezahlt, die zusammen mit einer Photovoltaikanlage installiert werden. Auch notstromfähige Anlagen sind förderfähig.
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