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Sonderkommission Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftesicherung hat getagt – zusätzliche Ausbildungsplätze und zentrale Internetseite für Ausbildungsplatzangebote

Pressemitteilung vom 10.03.2021

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Bei der heutigen Sitzung der Sonderkommission Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftesicherung (Soko) beim Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller sprachen der Senat, Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter von Wirtschaftsverbänden, Kammern, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit über die besonderen Herausforderungen für den Ausbildungsstellenmarkt durch die Corona-Krise.

Im Dezember 2020 hatten sich die Teilnehmer des Arbeitsmarktgipfels auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket für Innovationen auf dem Arbeitsmarkt und besonders für die Situation der Auszubildenden verständigt. Heute wurden die gemeinsamen Anstrengungen und Maßnahmen, die auf dem Arbeitsmarktgipfel im Dezember 2020 verabredet waren, um der aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Situation zu begegnen, besonders mit Blick auf die bisher umgesetzten Wegmarken bewertet. Ziel ist es weiterhin, das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen aufrecht zu erhalten oder zu erhöhen und Ausbildungsinteressierte sowie Ausbildungsbetriebe zueinander zu bringen.

Um Engpässen zu begegnen, wird das betriebliche Ausbildungsplatzangebot durch geförderte außerbetriebliche Ausbildungsplätzen ergänzt. Das Land Berlin stellt hierfür bis zu 1.000 außerbetriebliche Ausbildungsplätze im Rahmen des Berliner Ausbildungsplatz-programms zur Verfügung. Weiterhin gibt es das Angebot von zusätzlich 1.000 vollschulischen Ausbildungsplätzen an den Oberstufenzentren der Stadt. Bei Wiederbelebung des Ausbildungsmarktes wird der Umstieg in duale Ausbildung unter Anerkennung der erbrachten Leistungen angestrebt.

Weitere wichtige Maßnahmen sind:

  • Das Land Berlin hat mit der Sofortmaßnahme Ausbildungshotel für Jugendliche, die in ihren Ausbildungsbetrieben der Hotel- und Gastronomiebranche nicht mehr weiter praktisch ausgebildet wurden, eine Möglichkeit geschaffen, um den erfolgreichen Ausbildungsabschluss und die Fachkräftesicherung nicht zu gefährden. Das Sofortprogramm Ausbildungshotel des Landes Berlin startete am 01.11.2020 im ersten Standort ABACUS Tierpark Hotel und ist bereits voll belegt (36 Plätze). Der zweite Standort im Hotel Albrechtshof ging mit weiteren 48 Plätzen am 1.2.2021 an den Start. Die Nachfrage nach den Plätzen ist hoch. Deshalb werden mit Hochdruck weitere Standorte gesucht, um alle geplanten 100 Plätze anbieten zu können.
  • Die Mitglieder der Sonderkommission haben auf Initiative der IHK Berlin eine gemeinsame, berlinweit zentrale Lehrstellenplattform an den Start gebracht. Auf www.ausbildung.berlin finden Ausbildungsinteressierte tagesaktuell alle vorhandenen Berliner Ausbildungsangebote in Echtzeit. Alle Jobbörsen der Partner inklusive aller dezentral auf einzelnen Unternehmensseiten ausgeschriebenen Stellen werden durch eine Metasuchmaschine hier zentral erfasst. Berliner Schüler*innen und Schulabsolvent*innen müssen so nicht länger mühsam das Internet durchforsten, sondern finden hier eine gebündelte Übersicht. Darüber hinaus soll sie einen Überblick über alle Veranstaltungsformate rund um das Thema Ausbildung bieten. Mit einer Marketingkampagne soll die Seite in den nächsten Monaten in den Schulen und bei der Zielgruppe bekannt gemacht werden.
  • Mit den Lernbrücken in der beruflichen Bildung wird eine digitale Lernumgebung bereitgestellt zur Unterstützung von bildungsbenachteiligten Schülerinnen und Schülern. Es wird sowohl im Distanzunterricht als auch in der Ferienschule eingesetzt.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michel Müller:
„Auf dem Arbeitsmarktgipfel Anfang Dezember 2020 haben wir uns auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket für Innovationen auf dem Arbeitsmarkt verständigt und unseren Blick vor allem auf die Situation der Auszubildenden gelegt. Inzwischen sind wir in der Umsetzung gut vorangekommen. So ist zum Beispiel das Ausbildungshotel als Sofortmaßnahme zügig an den Start gegangen sowie die Förderung von bis zu 1.000 außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen gut angelaufen. Zudem startet jetzt auch die Lehrstellenplattform. Gemeinsam haben wir unsere Verabredungen umgesetzt und so Grundlagen dafür geschaffen, dass junge Leute trotz der Pandemie weiter gute Chancen für ihre Ausbildung in Berlin bekommen. Gleichwohl bleibt die Lage besonders für die Auszubildenden, Ausbilderinnen und Ausbilder während der Pandemie eine Herausforderung. Berlin braucht Fachkräfte. Wir werden und wollen daher auch weiter in die Zukunft investieren und unterstützen, wo es möglich ist.“

Dr. Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit:
„Die Arbeitsagenturen und Jobcenter in Berlin intensivieren ihre Vermittlungsaktivitäten. Alle Bewerberinnen und Bewerber werden ein Angebot für einen Ausbildungsplatz erhalten. Wir richten den Fokus auf die Beratung der Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen, um einen möglichst guten Übergang von der Schule in den Beruf zu ermöglichen. Beginnend mit der „Woche der Ausbildung“ Mitte März werden wir in weiteren gemeinsamen Aktionen mit den Partnern Jugendliche und Betriebe für das Thema Ausbildung gewinnen. Jede weitere Ausbildungsstelle in diesem Jahr hilft den Fachkräftebedarf in den Folgejahren zu decken und das Vertrauen in den Ausbildungsmarkt zu erhalten. Die neue Webseite ausbildung.berlin ergänzt die bereits bestehenden digitalen Angebote. So haben wir in der BA die App AzubiWelt zum Entdecken von Berufen und mit der Möglichkeit, ganz einfach passende Ausbildungsstellen zu finden.“

Dr. Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer zu Berlin: „Seit einem Jahr zehrt die Corona-Pandemie an den Kräften der Berliner Wirtschaft. Trotz schwierigster Bedingungen halten Unternehmen mehrheitlich an ihrer Ausbildungstätigkeit fest. Bestehende Ausbildungsverhältnisse sind robust und führen gleichbleibend gut zum Abschluss. Wir sind allerdings immer noch mitten in der Krisenbewältigung. Ausbildung auf dem wirtschaftlich florierenden Niveau von 2019 ist unrealistisch. Um im Jahr Zwei der Pandemie die Zahl der Ausbildungsverträge wieder zu stabilisieren, muss das Bundesprogramm Ausbildung besser aufgestellt und unbürokratische Hilfen in Berlin auf weitere krisenbetroffene Branchen ausgeweitet werden. Mit Blick auf das anstehende Ausbildungsjahr gilt es, durch gezieltes Testen und Impfen auch in der beruflichen Bildung klare Planungsperspektiven zu schaffen sowie Ausbildungsbetriebe und jungen Nachwuchs zwingend besser als im Vorjahr zusammenzubringen. Der hohe Anstieg unbesetzter Plätze darf sich nicht wiederholen. Schulabsolventen müssen auch in der Krise verlässlich orientiert, beraten und vermittelt werden. Mit den Soko-Partnern und www.ausbildung.berlin wollen wir einen Beitrag dazu leisten, Sichtbarkeit und Transparenz von Ausbildungsstellen für Bewerber zu erhöhen und neue Potenziale für ein erfolgreiches Matching zu heben.“

Carola Zarth, Präsidentin der Handwerkskammer Berlin:
„Das Berliner Handwerk bildet in mehr als 120 Berufen aus – und bietet so jungen Menschen einen hervorragenden Einstieg in eine berufliche Karriere, vom/von der Anlagenmechaniker/ in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bis zum/zur Zahntechniker/in. Mit unserem KarriereMobil werden wir diesmal in ganz Berlin unterwegs sein und junge Menschen, aber auch deren Eltern ansprechen. Auf Schulhöfen und öffentlichen Plätzen in den Bezirken – unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen open Air für Beratung rund um die Ausbildung zu Verfügung. Die betrieblichen Angebote richten sich in erster Linie an Jugendliche, die in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen wollen.“

Christian Andresen, Vizepräsident der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB):
„Das aktuelle Ausbildungsjahr dürfte genauso herausfordernd werden wie das vergangene. Es kommt jetzt darauf an, besser darauf zu reagieren als zu Beginn der Pandemie. Das gilt vor allem für die Beratung und die Vermittlung der jungen Menschen beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. Die Jugendberufsagentur muss alles tun, um sie zu erreichen und sie über die vielfältigen Berufsbilder und Perspektiven zu informieren. Online-Formate dürfen hier nicht der einzige Weg sein. Viele junge Frauen und Männer brauchen eine Beratung in Präsenz, um für sich die richtige Entscheidung treffen zu können.
In den Beratungen muss auch der Blick nach Brandenburg ein Thema sein. Jenseits der Stadtgrenze suchen viele Unternehmen händeringend Nachwuchskräfte. Sie sind oft mit dem öffentlichen Nahverkehr problemlos zu erreichen. Es gilt, darüber noch intensiver zu informieren. Für den Neustart nach der Krise brauchen wir eine junge, gut ausgebildete Generation. Dazu brauchen die Unternehmen jede Unterstützung.“

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Bezirks Berlin-Brandenburg:
„Ausbildung darf nicht unter die Räder kommen. Deshalb sind wir als Gewerkschaften mit ganzer Kraft bei allen sinnvollen Stützungsmaßnahmen für die Ausbildung in der Corona-Krise dabei. Die neue „Landingpage“ www.ausbildung.berlin ist ein echter, großer Fortschritt, ein Beispiel dafür dass in der Krise auch strukturelle Verbesserungen erreicht werden können. Endlich entsteht eine ansprechende und zentrale Infobörse für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, das wird beim vieldiskutierten Matching helfen. Gut, dass hier Einzelinteressen hinten angestellt wurden. Nun ist es wichtig, dieses tolle Angebot bekannt zu machen.
Bei allen Vorzügen digitaler Angebote muss klar sein, dass persönliche Beratung der Jugendberufsagentur und in den Schulen unverzichtbar bleiben. Und selbstverständlich bleibt die Aufgabe, an den strukturellen Schwächen des Ausbildungssystems zu arbeiten – denn ein großer Teil der Ausbildungsplatzrückgänge ist nicht auf Corona zurückzuführen, sondern auf längerfristige Trends. Aber Fachkräfte fallen nicht vom Himmel. Für die Motivation der Jugendlichen und gleichzeitig die gerechte Finanzierung der Ausbildung wird es nötig sein, eine Ausbildungsgarantie auszusprechen, für die Politik und Unternehmen geradestehen.“