Rudolf Dörrier (1899-2002)

Rudolf Dörrier, Jahrgang 1899, von Beruf Buchhändler, lebte seit 1926 in Berlin. Hier heiratete er Lilly Wassmund, die aus einer jüdischen Familie stammte. Spätestens seit dem Erlass der Nürnberger Gesetze 1935 war das Leben des Ehepaares und ihrer 1933 geborenen Tochter Vera von der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten überschattet. Da die Ehe der Dörriers als „privilegierte Mischehe“ galt, blieben Rudolf, Lily und ihre kleine Tochter vorerst von einigen der Zwangsmaßnahmen verschont. Allerdings sah sich Rudolf Dörrier einem wachsenden Druck ausgesetzt, die Scheidung von seiner Ehefrau einzureichen.

Nach kurzem Kriegseinsatz 1939/40 fand er weitere Beschäftigung im Wissenschaftsverlag Julius Springer.

Im Mai 1944 drohte die Abkommandierung an die Ostfront. Stattdessen wurde Rudolf Dörrier in das Totenkopfbataillon der Wachmannschaften des KZ Sachsenhausen und dort als SS-Unterscharführers eingegliedert. Die Umstände dieses Einsatzes konnten bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Im Februar 1945 wurde er von dort unehrenhaft entlassen und erlebte mit seiner Frau und der Tochter in Pankow das Kriegsende und die Befreiung.

Von 1949 bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter im Oktober 1965 leitete Rudolf Dörrier die Pankower Stadtbezirksbibliotheken und begründete zugleich die Ortschronik des Bezirks, die er auch nach seiner Pensionierung 1965 bis in das Jahr 1989 ehrenamtlich leitete.

1986 wurde ihm vom Ministerium für Kultur der DDR der Titel „Museumsrat“ verliehen. Es folgten weitere Ehrungen und Auszeichnungen. Im Jahre 2000 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Rudolf Dörrier verstarb am 7. Dezember 2002 im Alter von 103 Jahren. Zwischen 2004 und 2020 nannte sich die Grundschule in Rosenthal „Rudolf-Dörrier-Schule“.

Erst 2017 wurde seine Mitgliedschaft der KZ-Wachmannschaften öffentlich. Über diesen Teil seiner Biografie hatte Rudolf Dörrier bis zu seinem Tod öffentlich keine Auskunft gegeben.

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