Donnerstag, 03.09.2026
18.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Raum 108
Kuratorinnenführung durch die Ausstellung mit Annette Leo und Ilja Niederkirchner
Die Ausstellung nähert sich dem Thema aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Nachkomme und Fotograf Ilja Niederkirchner setzt sich künstlerisch mit seinem Erbe auseinander, indem er die überlieferten Bilder zerschneidet, überblendet oder neu zusammensetzt. Die Historikerin Annette Leo zeichnet dokumentarisch die Lebenslinien der einzelnen Familienmitglieder zwischen Berlin und Moskau nach und bettet sie ein in den historischen Kontext des 20. Jahrhunderts.
19.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Raum 111
Vortrag und Gespräch: »Fragen an die Gespenster«
Der Kurator und Urenkel Ilja Niederkirchner (*1980) spricht über die künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Familie.
Nach dem Tod seiner Mutter erbte der Fotograf und Grafiker Ilja Niederkirchner zahlreiche Kartons mit Briefen, Fotos und Dokumenten, die ihm Ereignisse und Zusammenhänge enthüllten, über die zuvor niemand mit ihm gesprochen hatte. Die überlieferten Materialien stellten das durchweg heldenhafte Bild, das er bis dahin von seiner Familie gehabt hatte, grundlegend in Frage. Im Zentrum dieser Irritation steht das Schicksal von Paul, dem Bruder von Käte, der während der stalinistischen Säuberungen umgebracht wurde. Weniger der Tod selbst, als vielmehr der Umgang damit, wurde für Niederkirchner bedeutsam. Paul hatte im kollektiven Gedächtnis keinen Platz – er wurde nicht erwähnt, nicht erinnert, gewissermaßen ausgelöscht. Die Arbeit mit diesen Hinterlassenschaften wurde für Niederkirchner so zu einem zwingenden Akt der Selbstvergewisserung. Gleichzeitig fragt er sich immer wieder, ob er ein Recht dazu hat, die bisherigen Geheimnisse an die Öffentlichkeit zu
bringen.