KRANKENSAMMELLAGER in Blankenfelde-Nord

Das Barackenlager auf einer Luftaufnahme der Alliierten vom April 1945

Das Barackenlager auf einer Luftaufnahme der Alliierten vom April 1945

Auf dem Gelände zwischen der Bahnhofstraße von Blankenfelde nach Lübars und dem Alten Bernauer Heerweg befand sich von 1941 bis 1945 ein »Kranken­sammel­lager für arbeits­unfähige Ost­arbeiter« – Frauen und Männer aus der Sowjetunion, die zur Zwangs­arbeit ins Deutsche Reich verschleppt worden waren. Infolge der schlechten Lebens- und Arbeits­be­dingungen erkrankten viele Zwangs­arbeiterinnen und Zwangs­arbeiter an Lungen­tuberkulose. Für den »Arbeits­einsatz« nicht mehr brauchbar, kamen sie – oft nicht einmal 25 Jahre alt – in das Lager Blankenfelde-Nord. Ursprüng­lich sollten diese Menschen in ihre Heimat zurück­gebracht werden, doch diese Transporte wurden bald ein­gestellt. Katastro­phale hygienische Bedin­gungen sowie mangel­hafte Ernährung und fehlende ärztliche Be­treuung führten oftmals zum Tode. Bis heute konnten mindestens 726 Todes­fälle nach­gewiesen werden.

Nach dem Krieg wurden die Baracken für kurze Zeit von Flücht­lingen als Unterkunft genutzt. Zwischen 1961 und 1989 lag das Gelände im Bereich der Grenz­befesti­gung der Berliner Mauer. Bis vor wenigen Jahren waren die Geschichte des Lagers und das Schicksal der Menschen, die dort unter menschen­un­würdigen Bedin­gungen leben mussten, verdrängt und ver­gessen.

Bürgerinnen und Bürger aus Pankow und Reinickendorf initiierten im Jahre 2009 einen Runden Tisch, um gemein­sam an die Geschichte des Lagers zu erinnern. Sie bereiteten die Auf­stellung dieser vor­läufigen Informations­tafel vor. Im April 2023 wurde das Gelände des ehe­maligen Krankensammellagers Blankenfelde als Boden­denkmal unter Schutz gestellt.

»Bad fehlt. Entlausungsanstalt fehlt. Keine Desinfektionsmöglichkeit. Keine Medikamente. Ernährung besteht aus 300g Brot und 1 Portion Kohlrübenwassersuppe. Es gibt weder Betten noch Matratzen … Als dort der Typhus ausbrach, wurden die Baracken geschlossen und wenn es jemand wagte sich zu zeigen, so wurde ohne Warnung geschossen. Frauen in anderen Um­ständen mussten ihre Kinder im besten Fall auf dem Fußboden, sonst aber auf der Erde zur Welt bringen. Die neu geborenen Kinder erhalten als einzige Ernährung ein viertel Liter Milch auf fünf Tage.«
(Zitat aus einem Bericht eines Mitarbeiters des Auswärtigen Amtes über die Situation im Lager Blankenfelde, 1943)

Das ehemalige Zwangsarbeiterlager Blankenfelde-Nord - Dokumentation der Tagung am 6.+7. September 2021

Das ehemalige Zwangsarbeiterlager Blankenfelde-Nord - Dokumentation der Tagung am 6.+7. September 2021

Weitere Informationen:

Die Veröffentlichung „Das ehemalige Zwangsarbeitslager Blankenfelde-Nord, Dokumentation der Tagung am 6./7. Sept. 2021“ ist im Museum Pankow erhältlich.

Gedenktafel, Krankensammellager in Blankenfelde-Nord

Gedenktafel, Krankensammellager in Blankenfelde-Nord

Gedenktafel:

Aufgestellt 2012, erneuert und aktualisiert im Herbst 2024

English Translation

Museum Pankow

Fachbereichsleiter:
Bernt Roder

Sekretariat:
Vorderhaus, 2. OG | Zugang nicht rollstuhlgeeignet
Montag und Mittwoch, 9.00 – 11.00 Uhr sowie Dienstag, 14.00 – 16.00 Uhr
Tel.: (030) 90295-3917

Verkehrsanbindungen

Verein StadtGut Blankenfelde e.V.

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