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Böttcherberg und Loggia Alexandra

Loggia Alexandra Schlosspark Glienicke
Loggia Alexandra im Schlosspark Glienicke
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Am Böttcherberg, Steglitz-Zehlendorf, Ortsteil Wannsee;
1869-70 nach Entwürfen Alexander Gillis durch Ernst Petzholtz errichtet, 1997-2000 Restaurierung

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Böttcherberg im Schlosspark Glienicke
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Östlich des Dorfes Klein-Glienicke schließt der Böttcherberg, ein zum Glienicker Gut gehöriger ehemaliger Weinberg an Seine heutige parkartige Gestaltung erhielt der Böttcherberg in den 1840er Jahren durch Peter Joseph Lenné, nachdem Prinz Carl sich schon um 1830 mit dem Gedanken trug, auf der höchsten Stelle ein nie ausgeführtes herrschaftliches Cottage zu errichten. An dieser markanten Stelle des Böttcherberges wurde im 19. Jahrhundert ein für Lenné charakteristischer, mit Lindenbäumen rund umpflanzter Aussichtsplatz angelegt, der eine bemerkenswerte Fächeraussicht gewährte. 1869-70 ließ Prinz Carl hier zur Erinnerung an seine 1860 verstorbene Schwester Charlotte hier eine Loggia als Aussichtspunkt errichten. Charlotte trug seit ihrer Heirat mit Nikolaus Pawlowitsch, seit 1826 Zar Nikolaus I. von Russland, den Namen Alexandra Feodorowna.
Die als Belvedere gedachte Loggia liegt in der Sichtachse nach Potsdam und zum Schloss Babelsberg. Über einem halbkreisförmigen Grundriss erhebt sich eine im Stil florentinischer Frührenaissance gestaltete Halle, die sich in drei, von schwarzen Marmorsäulen getragenen Rundbogen öffnet. Marmorplatten bedecken den Fußboden, während die Wände des Innenraumes mit pompeijanischen Wandmalereien geschmückt sind. Die Malereien gehen auf Entwürfe des Hofbildhauers Alexander Gilli zurück und wurden von Adolf Burger ausgeführt. An der Rückseite der Halle schließen sich ein Treppenhaus, das zum begehbaren Dach führt, und ein Türmchen an. Die einst im Raum unterhalb der Treppe platzierte Gipsbüste Alexandras ist vermutlich mit der Büste identisch, die heute im Damenflügel des Schlosses Sanssouci aufbewahrt wird.

Die Idee zum Bau der Loggia scheint auf Hofbauinspektor Ferdinand von Arnim zurückzugehen, der seit 1844 in Diensten von Prinz Carl stand. Als er 1866 verstarb, wurde Gilli für die weitere Bauplanung verpflichtet. Zusammen mit dem Prinzen legte er 1868 den Bauplatz fest und ließ ein Jahr später die Architekturzeichnung der Loggia folgen. Die konkrete Bauausführung lag hingegen bei Ernst Petzholtz, der Arnim im Amt nachfolgte.

Neben dem wertvollen Belvedere hat sich bis heute, direkt unterhalb der Loggia gelegen, eine breite Erosionsrinne erhalten, die in einer malerisch mit Gestein ausgestalteten Schlucht mündet. Hier ließ Prinz Carl große aus Ton gebrannte hohle Felsbrocken beidseitig eines Hohlweges aufschichten, die dem Parkbesucher den Eindruck von natürlich gewachsenen Felsen suggerierten. Das im Laufe der Zeit mit Farnen, Moosen, Efeu und Gehölzen aller Art teilweise überwachsene “Felsgestein” verlieh der Anlage eine gewisse Naturdramatik und damit den Anschein einer alpinen Bergwelt.

1924 gingen Böttcherberg und Loggia Alexandra in Staatsbesitz über. Bis 1978 verfielen sie zunehmend. Erst Anfang der 1980er Jahre konnte im Rahmen eines umfassenden Restaurierungsprogramms damit begonnen werden, nicht nur einige Fernsichten wieder herauszuarbeiten, sondern auch die Reste der Nachkriegs-Kleingartennutzung zu beseitigen und Wildwuchs zu entfernen und die wertvollen Park-Waldwiesen wieder freizulegen. An der Loggia Alexandra kam es erst 1997-2000 zu umfangreichen, auf neuesten wissenschaftlichen Forschungen basierenden Restaurierungsmaßnahmen. Dabei wurden die Architektur konsolidiert und die in den 70er Jahren falsch ausgeführten Ergänzungen der Wandmalereien wieder abgenommen. Die Freilegung des Originals brachte die ursprüngliche Farbigkeit mit sich. Die erhaltenen Farbpartien wurden gefestigt und behutsam retuschiert. Den halbrunden, mit Wandmalereien geschmückten Raum sichert seit 2001 eine Glaswand. Ermöglicht wurden die Restaurierungsarbeiten durch die finanzielle Unterstützung der Cornelsen Kulturstiftung.