Los-Angeles-Platz

Los-Angeles-Platz, 2013

Los-Angeles-Platz, 2013

Quasi auf einer Tiefgarage „aufgebockt“ liegt südlich der City-West der Charlottenburger Los-Angeles-Platz. Der postmoderne Entwurf stammt von der Landschaftsarchitektin Hannelore Kossel und den Architekten Urs Müller und Thomas Rhode. Die Realisierung erfolgte in den Jahren 1980-82. Um Vandalismus zu vermeiden, ist die Garage durch dreifach geschwungene Rampen an der West- und Ostseite sogar tagesbelichtet.

Die Platzgestaltung interpretiert unterschiedliche Stilformen sowie historische Vorbilder und setzt sie postmodern in einen neuen Kontext. Im Osten erinnert ein quadratischer Pergolengang rund um eine Rasenfläche an einen mittelalterlichen Kreuzgang. Berliner Identität und Geschichte erhält der Raum durch die Verwendung der typischen großformatigen Berliner Bürgersteigplatten aus Granit, seitlich gerahmt von einem Streifen aus kleinformatigen Basaltsteinen und begleitet von Kleinsteinpflaster. Ins Zentrum des Platzes setzten die Planenden den „Lustgarten”, der mit einem Wandbrunnen an einer Klinkermauer beginnt und sich über ein langgestrecktes Wasserbecken fortsetzt, das mittlerweile mit hellen Steinen gepflastert ist und beidseitig durch Säuleneichen in erhöhen Beeten aus Klinkern gerahmt wird. Wandbrunnen, Wasserlauf und Bäume erinnern in ihrem Zusammenspiel an idealtypische italienische Gärten mit Zypressen. Der Wandbrunnen selbst bildet die Rückseite eines steinernen Pavillons mit einem Satteldach aus Glas und Stahl. Die althergebrachten Gartenmotive Wandbrunnen und Pavillon werden allerdings unerwartet aus dem Bildkontext gerissen, denn der Pavillon präsentiert sich auf der Nordseite als geschickt eingefügter Zugang zur Tiefgarage und verfremdet mit seiner profanen Nutzung das Platzbild postmodern.

Das „Spielhaus” im Süden zeigt Grundriss und Mauern eines Mietshauses, das hier vormals stand. Dieses Zitat Berliner Geschichte wurde neugebaut und mit postmodernen Rundbögen, einem modernen weißen Geländer aus Metall und durch die neue Nutzung als Eingang und Spielbereich verfremdet. In den einstigen „Zimmern” des Hauses, die mit niedrigen Klinkermauern und -säulen markiert werden, sind Spielflächen untergebracht. Der Eingang liegt hinter einem Portikus aus orangeroten Klinkern. Form und Gliederung entsprechen antiken Vorbildern, doch dieser moderne Portikus ist nicht nur wesentlich schlichter in seiner Ausführung, sondern führt zudem keineswegs in prunkvolle Räume. Nach Durchschreiten befindet man sich in der künstlichen Ruine des Mietshauses. Erwartungen und Realität werden hier postmodern gebrochen.

Im Westen fügt sich das barock anmutende „Halbrund” ein. In seiner Mitte liegt eine halbkreisförmige gepflasterte Fläche, auf der Darbietungen stattfinden sollten. Fünf Wege teilen von hier aus strahlenförmig das Halbrund in vier gleich große Rasensegmente und treffen auf einen bogenförmigen Weg am Westende des Platzes.

Die technische Ausstattung der Tiefgarage wurde von der Planergemeinschaft bewusst nicht kaschiert, sondern Fluchttreppen, Lüftungsschornstein und Entrauchungsöffnungen sind eigenständige Objekte, deren Funktionen ablesbar sind. Mit diesem offensiven Gestaltungsansatz schlossen sich Müller, Rhode und Kossel ähnlichen Architekturkonzepten der damaligen Zeit an, darunter beispielsweise das Centre Georges Pompidou in Paris (Fertigstellung 1977) und das Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin (Fertigstellung 1979).

Literatur

Müller, Urs: Los-Angeles-Platz. in Bauwelt 76 (1985), H. 31/32, S. 1236-1237.

Rumpf, Peter: Wettbewerb „Augsburger Platz” in Berlin. Hotel am Platz oder Platz fürs Hotel? in Bauwelt 69 (1978) H. 26, S. 1010-1013.

Kontakt

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Altes Stadthaus

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