Löwenbrücke im Großen Tiergarten

Sanierte Löwenbrücke im Großen Tiergarten 2025

Sanierte Löwenbrücke im Großen Tiergarten 2025

Die Löwenbrücke gilt als älteste Hängebrücke Berlins. 1838 nach Entwurf von Ludwig Ferdinand Hesse (1795-1876) fertiggestellt, präsentierte ihre Drahtseilkonstruktion den seinerzeit neuesten Stand der Brückentechnologie. Vier gusseiserne Löwen, Werk des Bildhauers Christian Friedrich Tieck (1776-1851), halten mit ihren Mäulern die Seile der Hängebrücke. Im Inneren der Löwen werden die Zugkräfte über Umlenkblöcke zu den Widerlagern geleitet. Der Überbau der Brücke besteht aus einem filigranen Holzfachwerk. Die Farbgebung – Löwen bronziert, Sockel mit heller Sandsteinverblendung, die sonstige Brücke in hellgelbem Ölanstrich – zielt fein abgestimmt auf gute Sichtbarkeit vor dem Grün des zeitgleich von Peter Joseph Lenné (1789-1866) gestalteten Landschaftsparks.

Der hölzerne Überbau wurde aufgrund von Fäulnisschäden bereits früh erneuert. 1878 erhielt die Brücke erstmals einen Anstrich in Steingrau mit roten Absetzungen. 1945 wurden Überbau und Drahtseile komplett zerstört, 1957 erfolgte eine Wiederherstellung mit signifikanten Abweichungen vom historischen Entwurf. 2008 wurde die Löwenbrücke aus Sicherheitsgründen gesperrt, ihr baufällig gewordener Überbau wurde 2014 entfernt.

Nach dem Rückbau erfolgten restauratorische, statische und geotechnische Untersuchungen in Vorbereitung auf einen denkmalgerechten Ersatzbau. Die Herausforderung lag darin, die Anforderungen des Denkmalschutzes, der Unterhaltungspflege und der Verkehrstüchtigkeit zu verbinden. 2023 konnten die Bauarbeiten beginnen.

Die denkmalpflegerische Zielstellung verfolgte eine möglichst nahe Orientierung am historischen Entwurf. Dazu zählten die Wiederherstellung des Tragwerks mit Längsbohlen und des ursprünglichen Seilverlaufs mit dem Tiefpunkt oberhalb der Geländeroberkante sowie die Wiederaufnahme der bauzeitlichen Farbgebung. Um Fäulnisschäden am Geländer zu vermeiden, wurde für die Rekonstruktion acetylierte Kiefer gewählt, die zwar nicht bauzeitlich verwendet wurde, aber eine erhöhte Dauerhaftigkeit gewährleistet.

Nach heutigem Verkehrssicherheitsstandard für Fußgängerbrücken ist das historische Geländer zu niedrig. Um seine Proportionen zu bewahren, wurde eine DIN-gerechte Absturzsicherung in Form eines Stahlseilhandlaufs mit Maschendrahtfeldern angebracht, welche als modernes Element erkennbar ist. Aus Gründen der Standsicherheit erfolgte eine Ertüchtigung der vier Löwen durch die Einfügung von Umlenksatteln in ihrem Inneren sowie die Verstärkung der Umlenkblöcke durch je eine Zugstange. Die Widerlager und Erdanker der Brücke konnten DIN-gerecht ersetzt werden, da sie nachgewiesenermaßen nicht mehr zur bauzeitlichen Substanz gehörten.

Dank dieser Maßnahmen und fachlicher Unterstützung des Landesdenkmalamts Berlin kann die Löwenbrücke seit Juli 2025 wieder begangen und erlebt werden. Der denkmalverträgliche Ersatzbau würdigt ihre Bedeutung innerhalb des Gesamtkunstwerks Tiergarten, ihre wissenschaftliche Besonderheit als Experimentalbau sowie die künstlerische Qualität der Löwenskulpturen und berücksichtigt gleichzeitig die Erfordernisse der Verkehrstüchtigkeit.

(Text Julia Martin, Erstveröffentlichung in Die Denkmalpflege 2/2025, S. 189-190)

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