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Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG)

Askania-Haus
Askania-Haus
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Ehem. Askania-Haus

Berliner Allee 252/260, Liebermannstraße 45/65, in Pankow, Ortsteil Weißensee
Bauzeit / -Geschichte: 1940-41 von Richard Schubert, 1970 Wachturm

Die Sowjetischen Aktiengesellschaften (SAG) hatten 1947-53 im Askania-Haus ihre Zentrale. Die SAG wurden entsprechend dem Befehl Nr. 167 der SMAD im Juni 1946 für die Überführung von zur Demontage vorgesehenen deutschen Betrieben in das Eigentum der UdSSR geschaffen. Ihre Gründungen markieren den Wendepunkt in der Politik der Reparationsleistungen innerhalb der sowjetischen Besatzungszone. Die technische Ausstattung der deutschen Betriebe sollte nicht mehr demontiert und abtransportiert werden, sondern diese sollten am Standort weiterproduzieren und so effektiver zum sowjetischen Bedarf beitragen. Bereits in Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Niederösterreich war man nach dem gleichen Prinzip verfahren.

Mit ihrer Gründung bezogen die SAG im Laufe des Jahres 1947 im Askania-Haus ihre Dienststellen. Dieses Haus war 1940-41 nach den Plänen Richard Schuberts für den Fabrikanten Carl Otto Raspe als Apparatefabrik errichten worden, um der Nachfrage der damals auf Hochtouren betriebenen Rüstungsindustrie zu entsprechen.

Die Askania-Apparatefabrik besteht aus einer langgestreckten dreigeschossigen Zweiflügelanlage mit einem zentralen siebengeschossigen Eckturm. Die Anlage ist weithin sichtbar, wurde aber ohne übersteigerte Monumentalität, mit sparsamem Einsatz von Schmuckelementen entworfen.

Die SAG verwalteten das sowjetische Eigentum im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands. Sie bestanden zeitweise aus bis zu 35 Aktiengesellschaften, die über 200 Betriebe verfügten. Ein Großteil der Betriebe wurde 1947, 1950 und 1952 von der DDR-Regierung sukzessive zurückgekauft. 33 Großbetriebe verblieben aber weiterhin unter sowjetischer Verfügungsgewalt wie die Leuna- und Bunawerke bis 1953. Die Uran fördernde Wismuth AG wurde sogar als eigenständiger SAG-Betrieb geführt und unterstand bis zum Ende der DDR einer gemeinsamen deutsch-sowjetischen Führung. Die zum Bestand der SAG zählenden Betriebe trugen zur Erfüllung der sowjetischen Fünfjahrespläne bei, die Reparationsleistungen bezogen sich aber nur auf 30 Prozent der Produktion. Der Rest wurde exportiert oder der einheimischen Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Die Werksleitungen bestanden überwiegend aus deutschen Direktoren, die sich selten aus dem Funktionärsapparat der SED rekrutierten. Nach 1945 hatte mit Billigung der sowjetischen Generalverwaltung der SAG in ihren Betrieben, im Gegensatz zu den volkseigenen Betrieben, kein Führungswechsel stattgefunden. Man war ausschließlich an einer kontinuierlichen und effektiven Produktion interessiert, wofür die alten Direktoren am besten geeignet erschienen.

Außer den SAG war in einem Teil des Askania-Hauses auch das Weißenseer Bezirksamt und die Weißenseer Dienststelle der Staatsicherheit untergebracht. Heute befindet sich in dem Gebäude das Bürgeramt Weißensee, das für den Prenzlauer Berg zuständige Bauaktenarchiv sowie das Jugendamt und seit August 2013 auch das Amt für Umwelt- und Naturschutz des Bezirkes Pankow.