Altes Berliner Rathaus

Mitte Rathausstraße Rotes Rathaus
Blick in die nördliche Hälfte des alten Rathauses mit Pfeilern aus der Einwölbungsphase, Ende des 14. Jahrhunderts
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Michael Hofmann

2009 beschlossen die Berliner Bodendenkmalpflege im Landesdenkmalamt Berlin und die BVG die Durchführung großflächiger Ausgrabungen im Vorfeld des Weiterbaus der U-Bahnlinie 5 im Zentrum von Berlin. Die größte Fläche war hierbei das Areal des künftigen U-Bahnhofes „Rotes Rathaus“ im ehemaligen mittelalterlichen Stadtkern. Hier befanden sich u. a. die Baubefunde des alten Berliner Rathauses sowie von 14 ehemaligen Hausstellen und Grundstücken sowie die Lauf- und Planierschichten der Rathausstraße ab dem 13. Jahrhundert auf etwa 110 m Länge.

Das alte Rathaus war der älteste Profanbau der Stadt. Es wurde 1865 im Zuge der Fertigstellung des Roten Rathauses abgebrochen. Der Rückbau erfolgte auf Empfehlung des Berliner Magistrats vorsichtig, so das die Fundamente dieses alten Bauwerkes im Boden verblieben. Im Verlauf der archäologischen Untersuchungen zeigte sich, dass die Baubefunde des Rathauses – trotz mehrerer Störungen durch moderne Versorgungsleitungen – noch gut erhalten waren. So konnte die wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes, das um 1300 in Ziegelstein erbaut worden war und eine Größe von etwa 17 × 39 m umfasste, durch viele Funde und Befunde rekonstruiert werden.

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Bertram Faensen

Die ältesten Baubefunde und Funde stammen von zwei kleineren Vorgängerbauten in Fachwerkbauweise, die in der Westhälfte des steinernen alten Rathauses unter dem Fußboden entdeckt wurden. Brandenburgische Münzen (Denare) aus der Zeit um 1265 halfen bei der Datierung der beiden etwa 10 × 15,5 m großen Gebäude. Der um 1300 errichtete große Steinbau enthielt im Souterrain ursprünglich eine zweischiffige Halle mit Flachdach, das auf einer Reihe von Ziegelsteinpfeilern ruhte. Vermutlich befand sich hier das Kaufhaus der Stadt. Nach dem großen Stadtbrand 1380 erfolgte ein repräsentativer Ausbau des Souterrains zu einem vierschiffigen Saal mit Kreuzrippengewölbe. Noch im 15. Jahrhundert wurden erste Trennwände errichtet, die mit einer veränderten Nutzung in Verbindung stehen. So belegen Schriftquellen den Betrieb einer Schänke, die Nutzung von Räumen als Verkaufsläden oder Lager sowie Werkstätten. Entsprechende Baubefunde wie ein Hausbrunnen, ein Abflussbecken, eine große Herdstelle und viele weitere Baubefunde und Funde bestätigen die verschiedenen Nutzungen.

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Michael Hofmann

Archäologischer Keller

Aufgrund der guten Erhaltung und Vielschichtigkeit der Baubefunde dieses so bedeutsamen Gebäudes gelang es dem Landesdenkmalamt Berlin, die BVG zu einer Umplanung des künftigen U-Bahnhofes zu bewegen. Eine am 21. März 2011 unterzeichnete neue Planung ermöglichte so die Erhaltung von etwa 80 Prozent der im Boden erhaltenen Baureste des alten Rathauses. Die BVG plant daraufhin mit dem Architekten Oliver Collignon ein großes Fenster vom Bahnhof in den noch zu errichtenden archäologischen Keller „Altes Berliner Rathaus“. In Vorbereitung dessen veranlasste das Landesdenkmalamt im Januar / Februar 2013 die Translozierung von Teilen der nördlichen Außenmauer, um diese später in den Keller integrieren zu können.
Im März 2018 bekundete die Stiftung Stadtmuseum ihr Interesse, Betreiber des künftigen archäologischen Kellers zu werden. Das Landesdenkmalamt begrüßt dies als Chance, dass in naher Zukunft mit der Realisierung des Projektes begonnen wird und die in der Rathausstraße aufgedeckte Berliner Geschichte anhand der Baubefunde und vieler Funde, Pläne, Zeichnungen und Fotos an originaler Stelle gezeigt werden können.
Das Landesdenkmalamt hat sich vorgenommen, vor der Eröffnung der neuen U55-Bahnhöfe im Jahr 2020 die Ergebnisse der archäologischen Grabung in einer umfangreichen Monographie zu dokumentieren.
Stand: Juni 2018

Mitte Rathausstraße Rotes Rathaus
Detail vom altenRathaus mit Pfeilern, Fußböden, Brunnen und Mauern, 14. bis 18. Jahrhundert
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Michael Hofmann