Grabung Molkenmarkt – einzigartiger Steinkeller aus dem Spätmittelalter freigelegt

Grabung am Molkenmarkt: Blick in westliche Richtung auf den Steinkeller

Grabung am Molkenmarkt: Blick in westliche Richtung auf den Steinkeller

Pressemitteilung vom 10.06.2026

Mittelalterliche Bauwerke oder deren Überreste haben sich im Berliner Stadtbild nur an wenigen Orten erhalten. Neben der Nikolaikirche, der Marienkirche und den Ruinen des Franziskanerklosters zählen hierzu vor allem die Reste der Berliner Stadtmauer an der Littenstraße. Die Grabung des Landesdenkmalamtes Berlin am Molkenmarkt hat nun ein weiteres außergewöhnliches Zeugnis der mittelalterlichen Stadtgeschichte freigelegt.

„Der Steinkeller diente möglicherweise als Kauf- und Handelskeller und gehörte zu einem bislang unbekannten, großen und repräsentativen Bauwerk des späten Mittelalters. Bemerkenswert ist dabei die exponierte Lage des Gebäudes in unmittelbarer Nähe zum mittelalterlichen Rathaus und zum Hohen Haus, dem Sitz der askanischen Markgrafen“, berichtet der wissenschaftliche Projektleiter Eberhard Völker vom Landesdenkmalamt Berlin.

Ungewöhnlich erscheint auch die Größe des ältesten Kellerraums aus dem 14. beziehungsweise frühen 15. Jahrhundert. Mit mindestens 8,50 Metern Länge und fast 7,50 Metern Breite übertrifft er die übliche Kellergröße zeitgenössischer Wohnbebauung. Die imposanten Fundamente und Kellermauern aus großen Feldsteinen und großformatigen Ziegeln sind bis zu 2,30 Meter hoch erhalten geblieben. Reste von Licht- und Lüftungsöffnungen sowie Verwahr- und Lichtnischen ergänzen das eindrucksvolle Ensemble. Diese waren über einen Kellerboden aus gestampftem Lehm gut erreichbar.
Der Keller war ursprünglich vermutlich mit einer Balkendecke ausgestattet, die bereits im 16. Jahrhundert durch ein Tonnengewölbe ersetzt wurde. In den folgenden Jahrhunderten erfolgten weitere Aus- und Umbauten. In seinen Grundzügen blieb das außergewöhnliche Bauwerk jedoch bis zu seiner kriegsbedingten Zerstörung erhalten. Die nach 1945 erfolgte Verfüllung und Versiegelung des Areals begünstigten die außergewöhnlich guten Erhaltungsbedingungen.

„Das Molkenmarkt-Projekt ist nicht nur eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in der historischen Mitte Berlins, sondern zugleich findet hier im Vorfeld der Neubebauung eine der größten stadtarchäologischen Untersuchungen Deutschlands statt. Der nun freigelegte mittelalterliche Steinkeller verdeutlicht eindrucksvoll, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse die Ausgrabungen für die Erforschung der frühen Berliner Stadtgeschichte liefern. Mein Dank gilt den Mitarbeitenden des Landesdenkmalamtes Berlin, die hier die Spuren von mehr als 800 Jahren Stadtgeschichte freilegen“, erklärt Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

„Der freigelegte Steinkeller ist ein außergewöhnlicher Fund von großer Bedeutung für die Berliner Stadtgeschichte. Aufgrund seines guten Erhaltungszustandes eignet sich das Bauwerk in besonderer Weise, als archäologisches Fenster dauerhaft sichtbar und erlebbar gemacht zu werden. Diesen Vorschlag werden wir in den weiteren Planungsprozess einbringen“, erklärt Prof. Dr. Christoph Rauhut, Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamtes Berlin.

Unmittelbar angrenzend an das Gebäude wurde zudem ein mittelalterliches Feldsteinpflaster freigelegt. Ob dieses in einem baulichen und zeitlichen Zusammenhang mit dem Steinkeller beziehungsweise dem Gebäudekomplex steht, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

Zur Sicherung wird der Steinkeller ab Mitte Juni verfüllt, um ihn vor Umwelteinflüssen zu schützen.

  • Grabung am Molkenmarkt: Blick in westliche Richtung auf den Steinkeller

    Grabung am Molkenmarkt: Blick in westliche Richtung auf den Steinkeller

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    Grabung am Molkenmarkt: Blick in westliche Richtung auf den Steinkeller

  • Grabung am Molkenmarkt: Blick in südliche Richtung auf den Steinkeller

    Grabung am Molkenmarkt: Blick in südliche Richtung auf den Steinkeller

Die Grabungen am Molkenmarkt

Die große Stadtkerngrabung am Molkenmarkt im historischen Berlin stellt seit September 2019 alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Bis zum geplanten Grabungsende 2027 werden zusammenhängend ca. 25.000 m² bis in eine Tiefe von vier Metern untersucht sein.
Dank der vollständigen Oberflächenversiegelungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist die archäologische Substanz ausgewöhnlich gut erhalten. Das Befund- und Fundspektrum reicht von der mittelalterlichen Stadtgründung bis in das 20. Jahrhundert hinein. Dazu gehören bisher – neben der „unterirdischen“ Stadt des 18., 19. und 20. Jahrhunderts – ein bis zu sieben Meter breiter und 50 Meter langer Bohlendamm (um 1230), über 100 Brunnen und Latrinen (13.–18. Jahrhundert), mittelalterliche Keller- bzw. Hausreste aus Holz, Lehmkuppelöfen und Schmieden sowie mehrere parallel zueinander verlaufende Gräben aus dem 13. Jahrhundert. Darüber hinaus konnten urgeschichtliche, vor allem steinzeitliche Bereiche erfasst werden.

Die Ausgrabung und wissenschaftliche Erfassung der Relikte stand und steht bis auf Weiteres im Vordergrund des Grabungsprojektes. Über 70 % der Gesamtfläche sind bereits ergraben und dokumentiert, einige Tausend Quadratmeter stehen noch aus. Eine wissenschaftliche sowie abschließende Auswertung der Ergebnisse, die tausende Befunde und bis jetzt ca. 800.000 Funde umfasst, kann erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Als Kontakt für Nachfragen steht Ihnen im Landesdenkmalamt Berlin zur Verfügung:
Nicole Hildebrandt, Tel. (030) 90259-3670, nicole.hildebrandt@lda.berlin.de

Pressefotos

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    Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Judith Katharina Stern

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