Newsletter des Landesdenkmalamtes Berlin - 27.07.2026

Geschossbauten von Bruno Taut im südlichen Bauabschnitt der Waldsiedlung Zehlendorf

Geschossbauten von Bruno Taut im südlichen Bauabschnitt der Waldsiedlung Zehlendorf

Herzlich willkommen zu einer Sonderausgabe der Denkmal News!

Berlin hat ein neues Welterbe! Die Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ wurde um die Waldsiedlung Zehlendorf erweitert. Das wollen wir Ende August mit allen Berlinerinnen und Berlinern in der Siedlung feiern. Erfahren Sie mehr in diesem Newsletter.

Die Waldsiedlung Zehlendorf ist Welterbe

Geschossbauten von Bruno Taut in der Argentinischen Allee (nördlicher Bauabschnitt)

Auf der 48. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Busan/Südkorea wurde am 26. Juli 2026 entschieden, die Waldsiedlung Zehlendorf als siebten Teil der Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ in die Welterbeliste einzuschreiben. Mit der Einschreibung würdigt die UNESCO ihre außergewöhnlichen universellen Werte als herausragendes Beispiel des gemeinwohlorientierten Wohnungsbaus der Moderne. Die Siedlung verbindet auf beispielhafte Weise Städtebau, Architektur, Freiraumgestaltung und Infrastruktur zu einem ganzheitlichen Wohnkonzept.

Besonders prägend ist die einzigartige Einbettung in den Kiefernwald: Alle Wohnungen verfügen über einen direkten Bezug zum begrünten Außenraum – durch Balkone, Loggien, Terrassen oder Privatgärten – und werden durch den dichten Baumbestand sowie die Nähe zu den umliegenden Erholungsgebieten zu einem naturnahen Wohnensemble verbunden. Dieses harmonische Zusammenspiel von Architektur und Landschaft verleiht der Siedlung bis heute ihre unverwechselbare Atmosphäre.

Ein weiteres außergewöhnliches Merkmal ist der differenzierte Einsatz von Farbe als architektonisches Gestaltungsmittel. Die farbige Fassadengestaltung verstärkt die Plastizität der Baukörper und setzt Bruno Tauts Idee um, Licht, Farbe, Architektur und Natur zu einer gestalterischen Einheit zu verbinden. Die wissenschaftlich vorbereitete Wiederherstellung der historischen Farbigkeit im Zuge der Sanierung ab 2012 macht diese Qualitäten heute wieder eindrucksvoll erlebbar.

Innovativ war schließlich auch die Einbindung des U-Bahnhofs in das Siedlungskonzept. Mit den 1932 ergänzten Ladenpassagen, Gastronomie und dem integrierten Kino entstand ein neuartiges Zentrum, das Verkehr, Versorgung und kulturelles Leben miteinander verband und damit ein Modell für moderne, funktionsgemischte Stadtquartiere vorwegnahm. Gemeinsam mit der außergewöhnlich gut erhaltenen Siedlungsstruktur, der historischen Farbigkeit, dem Baumbestand und der bis heute funktionierenden Infrastruktur dokumentiert die Waldsiedlung Zehlendorf die zeitlose Modernität der Berliner Moderne.

Download PDF-Datei (0,5 MB): Ausführliche Beschreibung der außergewöhnlichen Werte im Antragsdossier

Mehr zu den Siedlungen der Berliner Moderne und der Erweiterung um die Waldsiedlung Zehlendorf im aktuellen Kurzfilm der Deutschen UNESCO-Kommission

Das Denkmalensemble Waldsiedlung Zehlendorf

Eingangstür eines Reihenhauses von Otto Salvisberg

Die Waldsiedlung Zehlendorf ist eine Wohnanlage im Stil des Neuen Bauens, die sich rund um die Verkehrsachse am U-Bahnhof „Onkel Toms Hütte“ der U-Bahnlinie 3 und der Argentinischen Allee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf erstreckt. Die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolph Salvisberg errichteten für die Wohnungsbaugenossenschaft GEHAG in der kurzen Zeit von 1926 bis 1932 eine der größten und bekanntesten deutschen Siedlungen der 1920er Jahre. Von den insgesamt 1.917 Wohneinheiten wurden 1.108 im Geschosswohnungsbau in Mehrfamilienhäusern mit bis zu drei Geschossen und 809 Einfamilienhäuser errichtet.

In der Waldsiedlung sollte bezahlbarer Wohnraum in einer gesunden und naturnahen Umgebung entstehen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner erhielten einen eigenen „Außenwohnraum“ und zahlreiche Gemeinschaftsräume. Die Gestaltung der Freiflächen durch Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre erfolgte gleichberechtigt zum Hochbau. So entstand eine harmonisch im Naturraum gelegene, funktional moderne Anlage mit durchgehenden Flachdächern, differenzierter Farbigkeit und optimaler verkehrlicher Anbindung.

Weitere Informationen in der Denkmaldatenbank

Waldsiedlung Zehlendorf auf dem Weg zum Welterbe

Schutz- und Pufferzonen des Welterbes Waldsiedlung Zehlendorf

Der Auswahl neuer Welterbestätten geht ein langer Prozess voraus. Auf Basis von Beschlüssen der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf (2018) und des Berliner Senats (2021) hat sich das Land Berlin 2021 unter Federführung des Landesdenkmalamtes Berlin und der Obersten Denkmalschutzbehörde mit der Einreichung des Vorschlags für die nationale Tentativliste auf den Weg gemacht. Voraussetzung ist der Nachweis des „außergewöhnlichen universellen Wertes“ der vorgeschlagenen Stätte. Es folgt ein mehrstufiges, internationales Nominierungsverfahren. Der Welterbevorschlag muss mit einem Antragsdossier qualifiziert und u.a. ein sogenannter Managementplan erarbeitet werden. Begleitet wird das Verfahren von Fachveranstaltungen, Beteiligungswerkstätten und öffentlichen Vermittlungskonzepten.

Weitere Informationen zum Antragsprozess

Download PDF-Datei (9,12 MB): Karte zum Erweiterungsvorschlag

Das Festival. Siedlungen der Berliner Moderne – Waldsiedlung Zehlendorf. 27.-30. August 2026

Wir laden alle Berlinerinnen und Berliner herzlich ein, die Eintragung der Waldsiedlung Zehlendorf gemeinsam zu feiern. Entdecken Sie vom 27. bis 30. August die Schönheit, die Farbigkeit und die Heiterkeit dieses einzigartigen Ensembles. Das facettenreiche Programm für alle Generationen lädt an Originalschauplätzen zum Entdecken ein – ob unter freiem Himmel oder in Räumen der Siedlung. Musikerinnen und Musiker, Expertinnen und Experten, Bewohnende und Gäste kommen zusammen und füllen die Architektur mit Leben. In Konzerten, Workshops, Freiluftkino, Salons oder Führungen wird spürbar, wie im gelebten Miteinander eine neue gesellschaftliche Kraft entsteht – damals, heute und wegweisend für die Zukunft.

Mit der feierlichen Enthüllung neuer Informationstafeln und eines Tastmodells am Festivalsonntag entsteht zudem ein dauerhafter Beitrag, der über das Wochenende hinaus das Verständnis und das Erleben der Siedlung fördert.

Veranstaltet wird das Festival vom Landesdenkmalamt Berlin in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern vor Ort.

Zum vollständigen Programm

Denkmalpflegeplan und Bürgerbeteiligung

Doppelhaus von Otto Salvisberg im südlichen Bauabschnitt

Für die Waldsiedlung Zehlendorf war bereits in den 1980er Jahren ein Denkmalpflegeplan aufgestellt worden. Er war einer der ersten Denkmalpflegepläne Berlins und trug maßgeblich dazu bei, dass die Siedlung sich heute in einem hervorragenden Erhaltungszustand befindet.

Im Jahr 2023 wurde der Plan aktualisiert und um Handlungsrichtlinien für den denkmalgerechten Umgang mit den Mehrfamilienhäusern und die Außenanlagen erweitert. Zudem berücksichtigt er die Herausforderungen der Klimakrise und ermöglicht eine klimagerechte Weiterentwicklung, die denkmalpflegerische Belange mit modernen Anforderungen verbindet.

In einem umfangreichen partizipativen Verfahren wurden die Inhalte mit den Eigentümerinnen und Eigentümern sowie den Anwohnenden vor Ort abgestimmt. Die verschiedenen Bürgerwerkstätten etwa zur energetischen Ertüchtigung oder den Außenanlagen sind auf der Website des Landesdenkmalamtes zum Nachlesen dokumentiert.

Zum Denkmalpflegeplan und den Bürgerwerkstätten

Die Siedlungen der Berliner Moderne

Carl Legien Siedlung in Berlin-Pankow

Die nun sieben UNESCO-Welterbe-Siedlungen der Berliner Moderne – die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung am Schillerpark, die Großsiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt, die Großsiedlung Siemensstadt und die Waldsiedlung Zehlendorf – entstanden zwischen 1913 und 1934 als Antwort auf die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg. Architekten der klassischen Moderne schufen bezahlbare Wohnungen mit zeitgemäßem Komfort – Küchen, Bädern und Balkonen – sowie lichtdurchflutete Gebäude ohne enge Hinterhöfe. Ihre Architektur, Grundrisse und städtebaulichen Konzepte wurden richtungsweisend für den Wohnungsbau des 20. Jahrhunderts.

Die Siedlungen stehen für den Wandel vom spekulativen Mietskasernenbau hin zu sozial orientiertem Wohnungsbau. Getragen von kommunalen, genossenschaftlichen und gewerkschaftlichen Baugesellschaften verbanden sie die Ideen der architektonischen Avantgarde mit dem Ziel einer gerechteren Gesellschaft.

Weitere Informationen zu den einzelnen Siedlungen

Welterbe in Berlin

Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel

Berlin zählt zu den wenigen Metropolen, die auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten gleich mehrfach vertreten sind. Bereits 1990, in den Monaten nach dem Fall der Mauer, erfolgte die Eintragung der „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ in die Welterbeliste. 1999 stimmte die UNESCO der Aufnahme der „Museumsinsel“ in die Welterbeliste zu. Damit würdigte das Komitee die geschichtliche und städtebauliche Qualität eines einzigartigen Ensembles von Bau- und Kunstdenkmalen, das die Entwicklung der Museumsarchitektur und des Bildungsgedankens seit der Aufklärung bis ins frühe 20. Jahrhundert eindrucksvoll dokumentiert. Schließlich wurde 2008 die Rolle und Bedeutung Berlins als eine Metropole der Moderne in den 1920er Jahren auf den Gebieten der Architektur, der Freiraumplanung und des Städtebaus durch die Ernennung der „Siedlungen der Berliner Moderne“ als Welterbe ausgezeichnet.

Weitere Informationen zu den Berliner Welterbestätten